WIE GEHT VERTRAUEN?

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Wie Du mit Dir selbst gut bist und dich emotional intelligent behandelst.  

In diesem Moment, in dem ich hier sitze und diesen Artikel schreibe, bin ich gleichermaßen in Gedanken bei einer lieben Freundin, die heute unters Messer muss. Vor einigen Monaten hat sie erfahren, dass sie einen Magentumor hat. Unklar, ob gut- oder bösartig.

Seitdem ging es ganz ordentlich drunter und drüber.

Der ganz normale Wahnsinn.

Voraus gegangen war eine wahnsinnig stressige Phase in ihrem Leben, in der sich die Ereignisse quasi überschlugen. Die Emotionen fuhren nahezu ohne Pause Achterbahn.

Der Kauf und die Renovierung eines Hauses hatte sie und ihre Familie nahezu an den Rand des finanziellen und vor allem emotionalen Ruins gebracht.

Körperlich und gesundheitlich war sie angeschlagen, sie hatte immer mal wieder diffuse Schmerzen hier und dort, schob diese aber beiseite.

Erholsamer Schlaf war die Ausnahme denn die Regel. Permanente Gedanken daran, wie alles finanziert werden soll und was passiert wenn ... raubten ihr oft die so dringend notwendige Ruhe.

Sie freute sich wahnsinnig darüber, bald Oma zu werden und hatte gleichzeitig viel Angst davor, wie ihre Tochter mit den Herausforderungen klar kommen würde, die das Leben einer berufstätigen Mutter mit einem Baby nun mal mit sich bringt.

Sie sorgte sich sehr um ihre Eltern und die ihres Mannes, die alle nicht mehr die Jüngsten sind und natürlich immer mal das eine oder andere auch durchaus ernst zu nehmende Zipperlein am Start haben.

Die Rangeleien in der Partnerschaft und beruflichen Querelen gaben sich mal wieder die Klinke in die Hand ... 

Und, und, und ...

Und das alles bei laufendem Job und dem ganz „normalen“ Wahnsinn des Alltags ...

Mitfließen oder gegen drücken?

Kaum war sie nach dem Einzug ins Haus ein ganz klein bisschen zur Ruhe gekommen, forderte der Körper sein Recht, indem das Unwohlsein und die Schmerzen immer heftiger wurden und nun kaum mehr weg zu drücken waren. Diagnostik stand also auf dem Programm und damit die Voruntersuchungen, die ihrer eh schon gebeutelten Seele noch mehr zusetzten. An Schlaf war auch jetzt kaum zu denken. Die Angst vor der bevorstehenden Diagnose schabte ihr jeden inneren Schutz von den Knochen und machte sie dünnhäutig. Doch ganz entsprechend ihrer Art war es nicht nur diese Angst, die sie aufzufressen drohte, sondern auch die vielen mürbe machenden Antworten, die wir alle finden, wenn wir ausschließlich nach der Frage „Was ist wenn ...“ leben.

Die Angst und die Angst vor der Angst

Die Zeit bis zur ärztlichen Diagnose betrug „nur“ wenige Tage und dennoch kam sie ihr verständlicherweise natürlich furchtbar lang vor. Auch, da sie nun viel zu viel Raum hatte, um sich selbst die Diagnose permanent schon selbst zu geben und sich mehr zu sagen als zu fragen:

„Was ist, wenn ich Krebs habe?“

Was für eine Frage!!!???

Das ist doch völlig klar!!! Dann bist Du, Deine Gesundheit und Deine Heilung die absolut erste Priorität.

Eigentlich logisch, oder?

Nicht für meine liebe Freundin. Mehr noch als die Angst davor, was mit ihr, ihrem Körper, ihrer Seele geschehen würde, versetzte sie der Gedanke in Panik, wie das Leben ohne sie wohl weiterlaufen würde:

·      Was passiert mit den Schulden, die wir fürs Haus aufgenommen haben?

·      Wie sollen meine Männer alleine klar kommen?

·      Wie soll es meine erwachsene Tochter schaffen, ihr Neugeborenes und den Job unter einen            Hut zu bekommen, wenn ich nicht helfen kann?

Los lassen, akzeptieren, vertrauen

Zusätzlich quälte sie sich mit dem Gedanken, dass die Ärzte sie nicht richtig behandeln würden. Kurzum, in ihr tobte ein wahnsinnig zehrender Kampf gegen alles und jeden. Vor allem gegen sich selbst. Ein Kampf, wie sie ihn schon die Monate zuvor, schon lange, vielleicht schon immer gekämpft hatte. Ein Kampf, der sie erschöpft und ausgezehrt hatte, der sie immer missmutiger hatte werden lassen und der ihren Kontakt zu sich selbst und zu ihren Lieben arg strapaziert hatte.

Willst Du recht haben oder glücklich sein?

Der Kampf war zu ihrer Sprache geworden, die sie perfekt beherrschte. Der Preis dafür war, dass sie die Sprache der Offenheit, des Wohlwollens, der Hingabe an den Moment nahezu verlernt hatte. Sie war gefangen in ihrem Zwang, alles um sie herum Seiende (negativ) zu bewerten, anzuzweifeln und darin gefangen zu sein. Sie wusste nicht mehr, was Akzeptanz heißt, wie sich Wohlwollen anfühlt und wie befreiend Offenheit sein kann.

Wie geht Vertrauen? Heißt das, dass ich alles gut finden muss?“

fragte sie mich.

Zurück zur Essenz: Einfach (nur) sein

Meine Antwort darauf kannst Du dir sicher vorstellen.

Natürlich nicht. Es geht nicht darum, zu allem Ja und Amen zu sagen und auch nicht darum, dass Du mit Allem und Jedem komplett übereinstimmst (wenn Du es nicht willst).

Es geht darum, sich selbst zu erlauben, vertrauen zu dürfen und sich selbst zu glauben, dass dies keinen Verrat der eigenen Werte bedeutet. Vielmehr kann Vertrauen in eine Person oder eine Situation, die früher Widerstand in Dir hervor gerufen hat eine Einladung an Dich sein, Deine Werte und Ansichten zu überprüfen und zu reflektieren, wie Dein Lebensskript Dich auch im Hinblick auf Vertrauen oder eben Misstrauen geprägt hat und was das für Deine Lebensentscheidungen bedeutet.

Vertrauen = Selbst-Ver-trauen + Zu-trauen

Vertrauen hat nichts mit blinder Naivität zu tun. Im Gegenteil ist es eine sehr intelligente Strategie, die Knüppel aus dem Weg zu räumen, die Du dir bislang ständig selbst in den Weg gelegt hast. Nimm die Dinge so, wie sie kommen. Bleib bewusst im Moment, der gerade ist.

Am Beispiel meiner Freundin hieß das, an einigen Stellen radikal umzulernen.

·      Ihren Männern zu Hause eben zuzutrauen, sich selbst zu versorgen und darauf zu vertrauen,          dass sie nicht verhungern.

·      Darauf zu vertrauen, dass die finanziellen Belastungen wie vorab geplant und kalkuliert                   Schritt für Schritt abgebaut werden.

·      Sich auf ihr Enkelkind zu freuen und darauf, wie ihre Tochter mit dem Mutter sein in ihrer                Persönlichkeit wachsen wird.

·      Darauf zu vertrauen, dass die ärztlichen Spezialisten mit erfahrener Hand genau das Richtige          tun.

Darauf zu vertrauen, dass sie gesund sein wird.

Ihre Diagnose fiel übrigens positiv, äh negativ aus: Kein Krebs.

In den Tagen ihrer Rekonvaleszenz erlebte sie viele schöne Dinge, die neu für sie waren, zum Beispiel ein befreiendes Telefonat mit ihrer Chefin, die ihr einfach riet, erst mal nur gesund zu werden. Das hätte es vorher noch nie gegeben ... und sie habe es annehmen können ohne zu zweifeln, zu hinterfragen und zu zer-denken. Einfach, weil es gut getan hat.

Vom Kopf zurück ins Herz. Los lassen. Aufhören zu kämpfen. Geschehen lassen

Sie kommentierte das Geschehen mit einen Satz, den ich so noch nie von ihr gehört hatte:

„Das Leben ist schön.“

Los lassen, zuhören, beobachten statt bewerten usw. waren Strategien, die sie für sich schon sehr lange nicht mehr angewendet hatte. Etwas anzunehmen, das „einfach nur gut tut“ und sich richtig anfühlt. Zu vertrauen.

Vertrauen heißt, achtsam zu sein

Heute nun wird das gutartige Geschwür aus ihrem Körper entfernt. Natürlich hatte sie Angst vor den Schmerzen. Gerade weil es ihr in den letzten Wochen körperlich so gut wie lange nicht gegangen war. Und doch denke ich, dass sie an einigen Stellen anders, achtsamer mit sich umgegangen ist als dies noch vor einigen Wochen der Fall war.

Sie hat begonnen, den Weg des Vertrauens zu gehen. Und ist dadurch woanders bei sich selbst angekommen. Hat wieder mehr Offenheit, mehr Selbstfürsorge, mehr Akzeptanz erlangt und dadurch auch einen Weg gefunden, wieder ganz anders mit ihrem Umfeld zu kommunizieren und ihre Beziehungen zu verbessern.

Und das ist der Grund, warum ich Dir hier davon berichtet habe. Auch wenn es ein Thema ist, das mit dem „Business“ so gar nichts zu tun hat.

Auf den ersten Blick.

Denn egal, was wir beruflich tun – letzten Endes bewegen uns doch immer auch ähnliche Fragen und Ängste, sitzen wir in ähnlichen Gedankenkarussellen.

Darüber hinaus ist Vertrauen sicher noch viel mehr grundsätzliche Haltung und Lebenseinstellung als bloße Technik und von daher universell von Bedeutung. Auch im Joballtag.

Berichte mir: wo ahnst Du, das Vertrauen Dir gut tun würde und was hält dich bislang davon ab, es einfach zu tun?


© Manuela Dobrileit - Akademie für würdevolle Führungskunst ®, 2019.
Foto: Dobrileit privat

Manuela Dobrileit