WIE EIN TANKER SEINEN KURS ÄNDERT ODER: JEDES SYSTEM GEHT VON INNEN KAPUTT DURCH DIE GELEBTE VISION DES NEUEN.

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Gestern erhielt ich eine Anfrage einer Klientin, die mit ihrem Anliegen exemplarisch für unzählige Menschen da draußen steht, die im Augenblick ihren Weg suchen. Menschen, die die Symptome eines kranken Systems tragen, das (noch) beharrlich an seinen Prinzipien festzuhalten versucht. Menschen, die nicht mehr bereit sind, diese Symptome mit sich persönlich auszumachen, weil das übergeordnete System nicht zuhören und hinschauen möchte.

Sie ist im mittleren Management im Vertrieb tätig, um die 50 Jahre alt. Eine gestandene Realistin mit grossem Herz für ihren Beruf und ihre Mannschaft. Eine Frau der Tat, die seit geraumer Zeit die Auswirkungen eines frei flottierenden Kosten- und Spardrucks erlebt. Die täglich damit kämpft, wie sich die Strukturen im Unternehmen in eine bedenkliche Richtung verändern, immer mehr Zeit für administrativen Wahnsinn draufgeht und ihre Mitarbeiter immer weniger Zeit für die Kunden und für ihre „eigentliche“, qualitativ einem hohen Anspruch folgende Arbeit haben.

Die Kunden, ihre Mitarbeiter, der Umsatz und nicht zuletzt sie selbst leiden unter hirnrissigen Vorgaben, die seitens des Unternehmens streng einzuhalten sind.

Seit ein paar Monaten ist sie mit klassischen burn out Symptomen krank geschrieben. Nachdem sie sich körperlich erholt und ein wenig sortiert hat, fragt sie sich nun, ob und wenn ja wie sie ihren Weg ins Unternehmen zurück gehen soll. Sie habe vor ihrem krank werden versucht, mit ihrem Vorgesetzten zu sprechen, eigene Ideen eingebracht, wie man diesem virulenten Thema begegnen könne. Die einzige Antwort, die sie darauf erhielt war der Einwand, dass das zu viel kosten würde …

Eine Zeitlang hat sie sich das angehört, ihre Bedenken und ihre innere Stimme weg zu drücken versucht.

Dann wurde sie krank.
Ein Systemwechsel steht an und damit die Frage: „Gehen oder bleiben und wenn bleiben – wie?“

Sie hat es nicht explizit so formuliert, aber ich hörte am Telefon ganz genau, dass sie sich die Antwort auf diese Frage längst selbst gegeben hat. Sie will nicht gehen. Der Laden ist ihre Heimat. Sie liebt ihre Arbeit und ihre Mitarbeiter. Aber sie wird auch nicht um jeden Preis bleiben. Das stand für sie bereits fest.

Mit diesem Thema steht sie stellvertretend für viele Menschen. Und viele fragen sich, was sie allein als einzelner Mensch in einem behäbigen, trägen, ja sogar widerständigem System bewirken können ohne ihre Werte zu verraten und dabei selbst unter die Räder zu kommen. Ja, sie fragen sich, ob sich ein alt eingesessenes Unternehmen mit festgerosteten Strukturen überhaupt verändern kann.

Was die wenigsten Entscheider in verantwortlichen Unternehmenspositionen gerne hören und noch viel weniger in ihrem Denken, Fühlen und Handeln berücksichtigen:

Jede Veränderung beginnt im Kleinen und sie braucht Zeit.

Es sind die kaum sichtbaren, winzigen und vielleicht sogar schwer vorstellbaren Dinge, die wirklich wirksame Veränderungen in Gang setzen. Nicht laut, spektakulär, mit knallenden Sektkorken und der (üblichen) „Ach, was sind wir heute wieder geil!“- Dominanz.

Kein BIG CHANGE, keine glitzernden, von Machtgebaren durchwirkte, Unkosten verschlingende Events, die schneller als heisse Luft verpuffen. Keine blendenden, die Emotionen hoch peitschenden Key Notes. Kein rasanter Kurswechsel, kein brachiales Herumreissen des Steuers.

Es sind die kleinen Dinge, die nach und nach den Grundstein dafür legen, dass eine neue Kultur gesät wird und aus den Sämlingen etwas wirklich Neues er-wachsen kann. Organisch, ohne Kunstdünger und mit der Zeit, die dieses Wachstum eben benötigt. Licht und Nährstoffe, damit sich die angestoßenen Prozesse setzen und verinnerlichen können.

Das Gras wächst nicht schneller, wenn Du daran ziehst. Es wächst beständig, wenn Du die Bedingungen für ein gutes Wachstum schaffst. Wenn Du dich kümmerst, auch wenn die Samen noch unter der Erde schlummern und Du nur darauf vertrauen kannst, dass die Saat aufgeht. Wenn Du die zarten Pflänzchen mit Geduld, Achtsamkeit, Liebe und Kontinuität pflegst.

Vertrauen, Geduld, Achtsamkeit, Liebe und Kontinuität fängt bei Dir an.
Wenn Du dich in Vertrauen und Liebe beständig, geduldig und achtsam führst und deinen Weg gehst, schaffst Du die Voraussetzungen dafür, dass das Außen nachziehen kann.

Wenn Du das in Dir finden und stabil verankern kannst, dann kannst Du diese Saat auch in einem (noch) unwirtlichen System säen und die Saat zum Aufgehen bringen.

Wenn Du das in dir kultivieren und beständig abrufen kannst, dann wirst Du zum starken Baum in einem Wust unsinniger Prozesse und Bestimmungen. Du stärkst die Menschen allein mit deiner Art des bewussten Seins und gibst ihnen dadurch Kraft, Halt und Sinn.

Wenn Du stabil in Dir ruhst, wirst Du die Gelegenheiten und Nischen finden, in denen Du das bewusste Sein an den verschiedensten Stellen säen und dich um die daraus erwachsenden, zarten Pflänzchen kümmern kannst. Du wirst Gleichgesinnte finden, die ebenso wie Du Freude an diesem neuen Garten des bewussten Seins haben und Ihr werdet Euch miteinander verbinden und stärken können.

Du bist das Samenkorn und aus Dir erwächst das Neue.
Alles beginnt mit Dir.
Du trägst in Dir alles, um einen Tanker zum Kurswechsel zu bewegen.

Wenn Du möchtest, begleite ich dich dabei mit meiner Erfahrung und Expertise aus knapp 2 Jahrzehnten als Coach und Mentorin in der Unternehmenswelt.

Herzlichst, 

Manuela Dobrileit

© brain open – Akademie für würdevolle Führungskunst®

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Manuela Dobrileit