Wann beginnst Du, dich ernst zu nehmen? Die Geschichte vom Rotköppchen.

Die Story

Beratern und Verkäufern, Coaches und Trainern sagt man ja oft nach, dass sie mit der Gabe geboren seien, alles in Grund und Boden zu quasseln, wenn es denn sein muss. Dazu will ich Dir eine Geschichte erzählen.

... und die Geschichte dahinter

Als ich klein war, war ich ein typisches 70er Jahre Kind, etwas moppelig, ansonsten unauffällig und unscheinbar. Gesagt habe ich wohl nicht viel und wenn nur das Nötigste. Sicher lag das zum einen daran, dass es bei uns zu Hause nicht wirklich üblich war, viel zu erzählen. Und wenn ich genau darüber nachdenke, hatten meine Eltern sowohl sich selbst als auch uns Kindern nicht viel zu erzählen.

Kleine Grausamkeiten und deren nachhaltige Auswirkungen

Kurzum, das Reden vor anderen und überhaupt das (vermeintlich) im Mittelpunkt stehen gehörte wie vieles andere auch nicht gerade zu meinen Stärken. Eine grauenhafte Vorstellung, wenn ich an meinen damaligen Musikunterricht denke, in dem es sich unser leider an Krebs verstorbener Herr R. - Gott hab ihn selig - zur Folteraufgabe gemacht hatte, uns zu dritt vorne antreten zu lassen, damit jede(r) dann eine Strophe zum Besten gäbe. Kein Vorsingen, kein Vortrag, keine mündliche Leistungskontrolle ohne flammend rote Birne, die dann selbstredend noch von lautem Gelächter und liebevoll analytischen Fragen a la "Mensch, warum wirste denn rot???" angeheizt wurde.

Ich habe es gehasst und natürlich vermieden, mehr als notwendig in derartige Situationen zu geraten. Spannenderweise hat mich das jedoch nicht davon abgehalten, derartige Situationen (Abitur, Lehrstelle suchen etc. - Momente, in denen ich scheinbar gespürt habe, dass dies eine Chance ist, die so nicht mehr oder zumindest nicht so schnell wiederkommt) beim Schopfe zu greifen. Aber dazu später.

Eine Katastrophe jagt die nächste 

Viele Jahre später, ich war inzwischen stolze Erstsemester - Studentin an der FU Berlin, bahnte sich das nächste Fiasko an, ohne das ich im Vorfeld großartig daran gedacht hätte. Ein sorgfältig vorbereitetes Referat geriet zur Lachnummer, da ich vor dem studentischen Publikum absolut versagte. Ich bekam kein Wort raus und da war sie dann auch wieder, die vor Scham und Peinlichkeit knallrote Birne. Eine Odyssee aus Versagensängsten und (selbstgewählten) Maßnahmen um diese im Keime zu ersticken, folgten. Der Besuch in der psychosozialen Beratung an der Uni und etliche Stunden Verhaltenstherapie bei einer von meinen Kleinmädchenängsten gelangweilten, tendenziell sadistischen Therapeutin. Durchhalten war ja die Devise und aufgeben kam nicht in Frage ... wenngleich mir sehr oft danach war, das kannst Du mir glauben.

Lob der Intuition 

Wiederum 1 Jahr später, es muss kurz nach meinem Sommerurlaub gewesen sein, traf ich eine Entscheidung, deren Folgen ich erst viel später abschätzen konnte und deren Ursachen mir ehrlich gesagt bis heute nicht ganz klar sind.

Kennst Du das, dass Du dich manchmal darüber wunderst, mit welcher schlafwandlerischer Sicherheit etwas in Dir einen Impuls gibt, den Dein Verstand nie und nimmer zugelassen hätte. Dich quasi öffnet, Dich kurz Deine Grenzen vergessen lässt, die Dir von Dir selbst und anderen gesetzt wurden und dich zumindest für einen Moment ganz „open minded“ sein lässt.

So als ob eine Instanz in Dir dich führt und für Dich entscheidet und Du von außen erstaunt zuschaust, aber durchaus zufrieden bist mit dieser Entscheidung.

Ich war zunächst sehr zufrieden mit der Entscheidung, von nun an meine studentischen Brötchen mit einem Job im Warmen zu verdienen, mit Blick auf den Fernsehturm, ein schickes Headset auf den Ohren, umgeben von modernster Technik. Ja, ich habe den Call Center Boom der 1990er Jahre mitgenommen!

Jippie - kein Problem mehr mit roter Birne!

Überraschend schnell verlor ich meine Angst vor dem Kunden und vor dem Sprechen, konnte der mich doch nicht sehen und war meistens im Wesentlichen vorprogrammiert, wie die Gespräche laufen würde. Kein Problem mehr mit roter Birne! Im Gegenteil, manches Mal lief ich zu Höchstform auf und versetzte meine Mitstreiter in Staunen und so kam es auch nicht von ungefähr, dass ich bald für das Coachen und Trainieren meiner Kollegen zuständig war und auch ihnen die Tricks und Kniffe einer gelungenen Gesprächsführung nahebrachte.

Dies nun wiederum nicht ausschließlich in einer kuscheligen face to face Situation, sondern durchaus in größerem Rahmen. Und so kam es also, dass ich eines Tages inmitten einer 12-köpfigen Truppe gewissermaßen "erwachte", die hellwach auf ihren Stühlen saßen und mich gespannt ansahen.

Ob Du es glaubst oder nicht, ich habe in diesem Augenblick zum 1. Mal realisiert, dass hier das kleine farblose pummelige Mädchen mit Hang zur roten Birne sich die volle Breitseite gibt.

Da stand ich nun und lieferte mich aus - freiwillig! Das musst Du dir mal vorstellen!

Interessanterweise habe ich in diesem Moment des Erwachens keinen Schock bekommen und auch die Birne brannte ausnahmsweise nicht rot.

Durch die Angst gehen und Frieden finden

Im Gegenteil erlebte ich innerlich einen sehr friedlichen und andächtigen Moment, in dem mir klar wurde, dass ich es aus mir heraus es geschafft hatte, eine meine größten Ängste in einen Motor, einen Antrieb zu verwandeln, der mir neue Türen öffnete, an die zu klopfen ich einige Jahre zuvor nicht mal im Traum dran gedacht hätte. Und nein, da war nix von langer Hand geplant und eingetütet, auch wenn ich gewollt hätte, wäre das nicht gegangen. Denn mein liebevoll begrenzter Verstand mit meinem größten Wächter, der Angst, hätte mich ja immer weiter beschützen wollen vor derartigen Erfahrungen und es vermieden, mich je in eine solche Situation zu schicken, in der ich mich quasi ohnmächtig ausliefern musste. Doch glücklicherweise gab es noch etwas in mir, das stärker als meine Angst war und weiter als meine Grenzen. Etwas, das sich nach Unabhängigkeit und Freiheit sehnte. Mein intuitives Wissen darüber, dass ich viel mehr bin als nur das "Rotköppchen" und dass ich all dies leben will.

Wie es dann weiter ging mit dem ehemaligen Rotköppchen, erzähle ich Dir in einem anderen Artikel.

Zunächst aber frage ich Dich:

Wann beginnst Du, dich ernst zu nehmen?

Wann beginnst Du, das Leben zu leben, nach dem Du dich sehnst?

Melde Dich bei mir und ich zeige Dir, was Du gewinnst, wenn Du es wagst.