THE SHOW MUST GO ON?! BEZIEHUNGS- UND HALTEARBEIT ALS FÜHRUNGSKOMPETENZ DER ZUKUNFT.

Photo by pixabay

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Wenn Du ebenfalls so wie ich vor Kurzem schon mal mit dem Thema Tod und Sterben in deinem Leben konfrontiert warst, dann kennst Du sicher den Spruch „Es muss ja weitergehen“. 

Und vielleicht haßt Du ihn ja genau so wie ich. 

Aber ob mir das nun passt, oder eben nicht: es geht eben weiter, es muss weiter gehen: mein Großer hatte in dieser Phase Geburtstag, meine Kleine ist noch in ihrer Anfangsphase auf dem Gymnasium und braucht mich mehr als sonst, meine Kunden setzen auf meine Unterstützung und, und, und … the show must go on! 

Da beisst die Maus keinen Faden ab. 

Ich „muss“ zumindest zu einem gewissen Teil „funktionieren“, auch wenn das schon wieder so ein Wort ist, dass ich nicht ausstehen kann. 

Und dennoch findet ein Teil von mir es ungeheuerlich, dass das Leben da draußen eben einfach so weitergeht. Ein Teil von mir findet es unverschämt, dass gelacht, geblödelt und über banalen Alltagsquatsch erzählt wird. 

Ein Teil von mir findet es komisch, dass die Sonne scheint, Kinder lachen, Menschen scherzen und wild gefeiert wird. 

Ein Teil von mir nimmt das „draußen“ alles wie durch einen Filter wahr. 

Und egal, wie ich das finde. 
Es ist, wie es ist. 

Ich musste dieser Tage an all die Situationen denken, in denen Verlust, Krisen und Tod eine Rolle spielten. Das habe ich sowohl privat als auch geschäftlich schon einige Male erleben dürfen. 

Vor knapp 3 Jahren hat einer meiner Klienten aus dem Vertrieb, ich nenne ihn mal Steffen, seinen Vater verloren. Ich war zu der Zeit regelmässig im Team unterwegs und konnte ihm neben dem eigentlichen Coaching auch in seinem Trauerprozess ein wenig zur Seite stehen. 

Ähnlich wie mir jetzt ging es seinerzeit auch ihm. 
Er hatte so seine Probleme damit, dass außerhalb seiner Gedanken und Empfindungen alles so weiterläuft wie immer. 
Er wusste auch, dass selbstredend die gleichen Leistungen von ihm erwartet werden wie sonst auch. Es gibt keinen Trauerbonus, zumindest nicht, wenn es um handfest messbare Ergebnisse geht. Die Menschen um ihn herum gaben sich Mühe, seine besondere Situation zu berücksichtigen und ihm Mut zu machen. 

Und bei aller Fürsorge und aller Geduld kommt trotzdem irgendwann der Gedanke, der dann meist auch ausgesprochen wird: 
Es muss ja weitergehen. 
The show must go on. 

Trauerprozesse wie auch andere Krisen infolge Trennung, gesundheitlicher Probleme, finanzieller Sorgen usw. sind trotz ihres Prozesscharakters nicht in Timetables zu quetschen und nicht „fertig“, wenn die Umwelt meint, jetzt reiche es doch nun mal langsam. 

Krisenbewältigung verläuft immer individuell und braucht so lange wie sie braucht - ein Fakt, der in der Businesswelt nicht gut gelitten ist, wo ohne Messbarkeit nichts geht. 

Bei einem gehts schneller und die gewohnte Leistung ist ebenso zügig wieder da, bei anderen dauert es länger und es wird vielleicht ein wenig mehr bewusster Input benötigt, um ihn sowohl persönlich zu stärken als ihm auch dabei zu helfen, in kürzest möglicher Zeit wieder zu seinem Leistungsniveau zurückzufinden - was einige Leser*innen vielleicht befremdlich finden mögen. 

Jedoch ist das Unternehmensrealität, ob uns das gefällt oder nicht. 

The show must go on. 

Was meine ich mit bewusstem Input? 

Damit meine ich weder eine extra Runde Fachcoaching noch eine extra Portion Mitleid. Auch die Samthandschuhe dürfen zu Hause bleiben. Der Mensch ist ja nicht krank oder pflegebedürftig, sondern „nur“ auf eine besondere Weise sensibilisiert und möglicherweise leistungsmäßig nicht ganz auf der Höhe. 

Bewusster Input bezieht sich für mich weniger darauf, blumige Worte zu machen, sondern unserem Gegenüber auf einer energetischen Ebene bewusst etwas Gutes zu tun. Einen Raum zu schaffen, indem sein darf, was sonst keinen Platz hat. Und das kann ganz ohne Worte auskommen, wenns so sein soll. 

Bewusster Input ist das bewusste auf den Menschen zugehen und sich damit sehenden Auges in eine Situation begeben, die viele Menschen scheuen, weil es sie hilflos macht und daher tunlichst vermieden werden soll. 

Bewusster Input heißt, wirkliches Interesse und spürbares Mitgefühl zu zeigen. Durch eine Haltung, die glaubhaft ausdrückt: Ich bin für dich da, wenn Du mich brauchst. 

Bewusster Input heißt, die Situation und den Menschen in seinem zerfledderten Gefühl, seiner vielleicht unbefriedigenden Leistung und auch in seinem Schweigen auszuHALTen. 

HALT zu geben durch schlichtes Dasein. Durch das Formulieren von Angeboten. 
Sprachlich oder wortlos. 
Beides ist denkbar. 
Hauptsache, mit bewusster Intention. 

HALT zu geben durch eine HALTung, die spürbar ist, auch wenn sie vielleicht erst viel später angenommen werden kann. Durch wirkliches Dasein, Halt geben, Hin- und Zuhören, wenn das Gegenüber das Bedürfnis hat zu sprechen. 

In traditionell geführten Unternehmen gilt häufig noch die asbachuralte, auf einem mechanistischen Menschenbild beruhende Devise, das Privates von Beruflichem zu trennen ist, Probleme doch bitte schön zu Hause bleiben sollen und man Professionalität walten lassen solle.

Dies ist nicht nur überholt, sondern schlicht nicht umsetzbar. 

Wo das innere Alarmsystem verrückt spielt - und das tut es nun mal in Krisen jeglicher Art - ist es Wunschdenken, dass der Verstand doch bitte übernehmen möge und man zu funktionieren hat. 

Krisen sind normal, sie gehören zum menschlichen Sein und können nicht an- und ausgeschaltet werden, wie es gerade beliebt. Indem dies akzeptiert und somit Krisen auch im beruflichen Rahmen gewürdigt werden, wird der Mensch in seiner ganzen Persönlichkeit gewürdigt und nicht nur auf seine jeweiligen Rolle reduziert. 

Führungspersonen und die Haltung, in der sie ihren Anvertrauten auch und gerade in Krisensituationen begegnen, haben einen maßgeblichen, bislang weit unterschätzten und ungenutzten Einfluss darauf, wie gelungen diese ihre Krise bewältigen und beruflich zur alten Form zurückfinden. 

Indem sie ihnen ein Ventil und einen Raum bieten, um die angestauten Empfindungen, Fragen und Energien los zu werden, verhindern sie, dass die Menschen krank werden oder Blockaden auf anderen Ebenen entstehen. 

Beziehungs- und Haltearbeit sind Kernkompetenzen von zeitgemäßer, würdevoller und wertschöpfender Führung. 

Je eher und je mehr (die) Menschen in Unternehmen dies beherzigen und umsetzen, um so schneller können Betroffene wieder zu ihrer gewohnten Form zurückfinden und dem Unternehmen maximale Leistung in hoher Qualität zurückgeben. 

The show must go on. 

Führungspersönlichkeiten, die in der Lage und willens sind, sich dieser Aufgabe anzunehmen, entscheiden zukünftig über das Image, den Bestand und das Wachstum von Unternehmen. 

Wenn Du den Willen dazu mitbringst, kannst Du den „Rest“ bei mir lernen. 

Melde dich gerne bei mir, wenn Du dich oder deine Mitarbeiter*innen im 1 x 1 der würdevollen Führungskunst ausbilden möchtest. 

Ich freue mich auf dich ❤

Manuela

PS. Bei Steffen hat es übrigens so um die 3 Monate gedauert, bis er wieder „da“ war. Auch wenn sein Trauerprozess damit natürlich nicht beendet war. Die regelmässigen Treffen zwischen uns, in denen zeitweilig auch einfach mal nur Platz für Schweigen war und/oder der Raum für das, was ihn beschäftigte, haben ihm dabei geholfen, sich in dieser Zeit getragen und gehalten zu fühlen und so peu a peu in seine Zuversicht, seinen Optimismus und sein Leben zurückzufinden. 

© Manuela Dobrileit / brain open – Akademie für würdevolle Führungskunst ® 2019
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Manuela Dobrileit