SYMBOLIC LEADERSHIP?!

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Vor einiger Zeit las ich einen Artikel über eine Museumschefin, die an einer Fortbildung für Frauen in gehobenen Führungspositionen in der Wirtschaft teilgenommen hatte. In dem modular aufgebauten Lehrgang beschäftigte sich die Protagonistin gemeinsam mit den anderen Frauen unter anderem mit der Frage, wie wichtig sogenanntes „Symbolic Leadership“ sei. 

Ich war selbst lange im Unternehmen angestellte Führungskraft, führe nunmehr seit etlichen Jahren mein Unternehmen und habe auf Grund dessen auch ständig mit Führungskräften unterschiedlichster Ebenen zu tun. Natürlich konnte ich mir unter „Symbolic Leadership“ durchaus etwas vorstellen. Dennoch hatte ich diesen Begriff so noch nie gehört und fand diesen auch irgendwie befremdlich. 

Offenbar ging es der Museumschefin ähnlich. Das Lernziel der Unterrichtseinheit „Symbolic Leadership“ lautete: „Es ist nötig und erwünscht, als Führungsperson unterscheidbar zu sein und Hierarchien auch durch Statussymbole auszudrücken.“

So ganz kess aus dem Bauch heraus halte ich das für ausgemachten Bullshit! 

Und mir stellt sich schlicht und ergreifend die Frage, warum dies nötig und erwünscht sein sollte? 

Warum? 
Zu welchem Zweck?
Was genau wird dadurch besser? 
Welche Vorteile bringt dies für Führung, die Führungsmenschen selbst und die zu Führenden? 
Welchen Vorteil bringt ein solches Verhalten für ein Team, eine Abteilung, einen Bereich, ein ganzes Unternehmen? 

Unabhängig davon, dass es im Businesskontext durchaus üblich ist, die Insignien der mit einer höheren Position verbundenen höheren Macht und Gehaltsklasse auch rein äußerlich durch entsprechende Statussymbole zu zeigen, erscheint mir dies als State of the Art - Verhaltensempfehlung fragwürdig.

Wird damit doch einmal mehr empfohlen, das wahre ICH, die Echtheit, die Nahbarkeit, die Herzlichkeit und Menschlichkeit zu verstecken hinter teuren Klamotten, dicken Uhren, Handtaschen in der Preislage eines Kleinwagens, Schreibtischen aus Edelhölzern. 

In einer Zeit, in der nichts so wichtig erscheint, als dass wir es endlich begreifen und schaffen, all die unnötigen und schmerzhaften, viele Ressourcen verschlingenden Trennungen aufzuheben und wieder in Verbindungen denken und handeln zu lernen, wird hier empfohlen, sich über Status noch deutlicher abzugrenzen, die Masken straffer zu ziehen und die Fassaden höher zu bauen.

Ach ja, es war ja eine Fortbildung für Frauen! 
Laut diesem Fortbildungsanbieter müssen die ihr Frau sein offenbar noch verlernen, wenn sie in Chefpositionen eine gute Figur machen wollen. 

So mit Herzlichkeit und Verbindung ist dann nix. 
Sonst wird das nie was, Schätzchen. 

Erinnern wir uns bitte daran, dass wir im 21. Jahrhundert leben und in einer Zeit des Bewusstseinswandels auf allen Ebenen. In einer Zeit großer Ressourcenknappheit im Hinblick auf Humankapital und eines tiefgreifenden Wandels auf vielen gesellschaftlichen Ebenen, insbesondere in der Arbeitswelt. 

In einer Zeit, in der nunmehr offen über das schleichende Verschwinden einer top-down-Führung debattiert wird und jedes Unternehmen, das auf sich hält, nun auch in „New Work“ und „Agile Leadership“ macht, erscheint der Tipp an Führungsfrauen, es doch bitte den traditionellen Führungsmännern gleichzutun und einfach mal über symbolisches in die Ecke pissen das Führungs-Revier zu markieren, gelinde gesagt deplatziert. 

Und im Übrigen sehe ich das auch für zukünftige Führungsmänner nicht als den Weg. 

Liebe Führungsmenschen, wenn Ihr Euch die Rolex, die Hermes Birkin Bag, die Gucci - Stilettos und den Porsche an die Backe hängen wollt, dann macht es bitte! 
Aber macht es, weil Ihr Bock darauf und Spaß daran habt und nicht, um „unterscheidbar zu sein“ und Euren Platz auf der Hackleiter zu markieren!

Und bitte bleibt bei allem Genuss bodenständig. 

Ob mit oder ohne Armani-Anzug – wir müssen alle ab und zu aufs Klo und das sieht bei uns allen gleich bescheuert aus. 

Wir leben alle auf dem gleichen Planeten mit so unsexy Themen wie Klimawandel oder eben Personalmangel … 

Und diese Veranstaltung, die sich Leben nennt, endet für uns alle irgendwann mit dem gleichen Ergebnis. 

Klingt banal, halte ich aber für erinnerungswürdig. Denn manch einer scheißt scheinbar mit seinem neuen, teuren Abgrenzungs-Symbol dann auch gleich goldene Haufen, könnte man meinen. 

  •  Zukunftsfähige, gleichermaßen menschenorientierte wie wertschöpfende Führung braucht ganz, ganz vieles doch sicher keine Statussymbole, um sich ihrer selbst gewiss zu sein. 

  •  Zukunftsfähige Führung braucht Menschen mit Persönlichkeit, Tiefgang, Humor und hoher sozialer und emotionaler Kompetenz bei gleichzeitig betriebswirtschaftlichem Biss.

  • Zukunftsfähige Führung braucht Menschen mit unkonventionellen Ideen und Mut, um diese auch gegen die ewigen Zweifler und Belächler unverdrossen in die Welt zu bringen. 

  • Zukunftsfähige Führung braucht Menschen, die sich selbst und den ihnen Anvertrauten in einer Zeit ständiger Veränderung Halt und Zuversicht geben können und sie augenscheinlich wie nebenbei zu herausragenden Leistungen und kreativen Lösungen befähigen können. 

  • Zukunftsfähige Führung braucht Menschen, die echte Bindungen schaffen und halten können, anstelle diese zu verhindern und zu trennen. 

  • Zukunftsfähige Führung braucht Menschen, die Räume schaffen und öffnen können, in denen Neues entstehen kann ohne Angst, was dann mit dem Alten geschieht. 

Und das alles geht zur Not sogar im Kartoffelsack und ganz ohne Rolex. 
Sieht natürlich aber auch nicht so schick aus. 
Macht aber vielleicht mehr Spaß. 

Dachte sich die Museumschefin vielleicht auch. 
Im Rahmen einer Performance in dem Museum das sie leitet, hat sie gemeinsam mit ihrem Team für das 300köpfige Publikum Salatsoße von der Brüstung des Museums auf einen Salat geschüttet. Das Team hatte diesen sauber gewaschen und in einer großen Plane bereitgehalten. Später haben alle zusammen mit dem Publikum den Salat gegessen. Das sei für alle ein großer Spaß gewesen. 

Und ein Akt von Symbolic Leadership. 
Es war ihr Soßenrezept. 
Ihr Unterscheidungsmerkmal. 

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Wenn Du lernen willst, was würde- und wirkungsvolle Führung wirklich ausmacht und wie Du ganz ohne symbolisches Leadership zu einer unverwechselbaren Führungspersönlicheit wirst, dann melde dich gerne bei mir. 

Manuela Dobrileit
brain open – Akademie für würdevolle Führungskunst ® 2019

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Manuela Dobrileit