MANAGER, WIE WILLST DU STERBEN? MENSCH, WIE WILLST DU LEBEN?

PHOTO BY ELIJAH O`DONNEL ON UNSPLASH

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Auch wenn wir das im Trott des Alltags meist nicht wirklich auf dem Schirm haben: Der Tod gehört zum Leben wie die Butter aufs Brot. 

Mit unserer Geburt beginnen wir zu sterben. 
Jeder Tag, jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde bringt uns unserem Tod näher. 

Nur wenige von uns machen sich das regelmässig bewusst. 
Gemeinhin weil ja Tod und Sterben so ein schweres Thema sei. Weil wir ja alle noch viiiiiiiiil Zeit haben, bis es soweit ist. 
Weil es halt einfach … igitt ist. Ein Thema, über das „man“ eben nicht gern spricht. Das "hier" nicht hin gehört. 

Vor ein paar Jahren las ich über jemanden, der das ganz anders handhabt. 

Timothy Ferris beschrieb in seinem Buch „Tools der Titanen“ einen Interviewpartner, der sich auf seinem PC eine sogenannte „Lebenszeituhr“ installiert hatte. 

Diese zählt auf Basis der angenommenen durchschnittlichen Lebenserwartung eines Mannes die noch verbleibende Lebenszeit rückwärts runter. Der Mann sagte, dass diese Uhr ihm dabei helfe, das Wesentliche in seinem Leben im Blick zu behalten und keine Zeit unnötig zu verplempern. 

Ich fand das ganz schön schräg, aber auch extrem faszinierend! Andere, denen ich davon erzählte, waren angewidert: „Um Gottes Willen, die ganze Zeit den Tod vor Augen, das ist ja furchtbar!“ hiess es. 

Ich fand das nicht so furchtbar, sondern im Gegenteil eine gute Idee, um stets das Leben vor Augen zu haben und sich darauf zu fokussieren, wie man dieses nach persönlicher Interpretation möglichst gelungen „nutzt“. 

Jaja „Nutzen“ … effektiv und effizient und so, das ist die Sprache, die im Berufsalltag verstanden und gesprochen wird. Je höher in der Hierarchie, desto höher der innere und äußere Anspruch an Effektivität, Effizienz, Perfektion, desto höher häufig die innere seelische Verwahrlosung. 

Privat ist es nicht viel anders. Die vorhandene „Quality time“ soll möglichst sinnvoll genutzt werden, mit Dingen, Themen und Menschen, die „weiter bringen“ oder die einfach zum State of the art in der jeweiligen Status-Liga gehören. 

Ein maximal effizientes Füttern einer Hülle von uns, die gelebt wird. Die Leben spielt oder lediglich überlebt.

Genau genommen keine Hülle, sondern eine Festung. 
Die uns brav abschirmt von allem Störenden. 
Vor anderen und erst recht vor uns selbst. 

Mit sich selbst ins Zwiegespräch gehen? 
Undenkbar. 

Wenn ich mich in mancherorts in der Businesswelt umschaue, habe ich sogar häufig den Eindruck, Untote sind unterwegs. Schatten ihrer selbst, immer schön tough, schön schnell, schön effizient. Zombies in hochgradig verantwortlichen Positionen.

So distanziert und zynisch, dass es dem das Herz zerreißt, der es (noch) spürt. 

So erschöpft, mechanisch und durch den Wind, dass es dem die Tränen in die Augen treibt, der (noch) mitfühlen kann. 

So scheinbar makellos, perfekt und teflonartig, dass der, der seine Gefühle (noch) spürt, sich komisch, ja falsch fühlt. 

So auf Autopilot, dass es dem weh tut, der jeden Tag bewusst zu leben versucht. 

Wenn wir zu arbeiten beginnen, d.h. die ersten Festungen der Abwehr geknackt sind, brechen in manchen meiner Klienten Dämme … Und es fließt eine große Traurigkeit und Hilflosigkeit aus ihnen heraus. Innere Leere wird offenbar und ein großes Bedauern darüber, ein „Gefühlskrüppel“ zu sein. (O-Ton)

Nicht zu wissen, wer man eigentlich ist so ohne Festung, Leistung, Perfektion. 
Nicht zu wissen, was die wirklichen Werte und Bedürfnisse sind. 

Oder aber festzustellen, dass man diese verraten und verkauft hat im Bestreben, dazu zu gehören. Sich verloren hat in der Tretmühle aus Verpflichtungen, Erwartungen, Ansprüchen. 

Sich darüber gewahr zu werden, kann weh tun. 
Aber es ist ein Anfang. 
Ein Anfang dahingehend zu erkennen, dass es für uns alle ums SEIN geht und nicht ums MACHEN. 

Wer/wie sind wir wirklich? 
Wie ist/war unser Leben? 
Was sind wir ohne unsere Rollen, Positionen, Funktionen, Festungen, Attribute, Leistungen? 
Wer sind wir, wenn wir nichts machen, sondern „nur“ sind?
Was bleibt von uns, wenn wir nichts (mehr) machen (können), sondern „nur“ sind? 

Es geht nicht darum, jeden Tag sein Leben vollzustopfen, um irgendwann einmal sagen zu können: Ich habe mein Leben genutzt! 

Vielmehr geht es darum, jeden Tag bewusst zu er-LEBEN. 
Sich seiner selbst bewusst zu sein. 
Sich seiner eigenen Endlichkeit bewusst zu sein und diese anzunehmen. 
Sich der eigenen Werte, Wünsche, Ziele, Sehnsüchte und Bedürfnisse bewusst zu sein UND für diese einzustehen. 

JETZT zu leben, zu spüren, zu fühlen. 
Sich zu er-LEBEN. 

Die Botschaften des Bauches ernst zu nehmen und nicht vom effizient denkenden Verstand klein hacken zu lassen. Nicht in der Vergangenheit festzustecken, aber auch nicht in der Illusion der Zukunft. 

Auf dass nicht nur am Ende des irdischen Lebens - von dem wir alle nicht wissen, wann das sein wird - gesagt werden kann: Ich habe (mich) gelebt! 

Das ist für mich der Ausdruck höchster Integrität und Würde sich selbst gegenüber. 


Wenn wir uns selbst so annehmen und durchs Leben führen können, erst dann können wir auch unsere Anvertrauten gelungen führen. 

Wenn Du lernen willst, dich selbst und andere in Würde zu führen, dann melde dich gerne bei mir. 

Herzlichst,

Manuela


© Manuela Dobrileit / brain open – Akademie für würdevolle Führungskunst®, 2019

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Manuela Dobrileit