DREI MAL BIN ICH IN MEINEM LEBEN SO RICHTIG AUS DER KURVE GEFLOGEN.

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KURVENFLIEGER NR. 1: MITTE 2004


Ich hatte im Frühjahr in einem bundesweit agierenden Unternehmen als Trainerin angefangen. Standort Berlin, mehrere Hundert Mitarbeiter. Strukturen, die mit den tollen Ideen der zentral agierenden Personalentwicklungsakademie nicht vereinbar waren. Führungskräfte im mittleren Management, die offen torpedierten, was „die da oben“ sich wieder ausgedacht hatten. Menschen, die sich nicht mitgenommen fühlten. 


Wenn ich ehrlich bin, wusste ich schon am ersten Tag, dass ich hier nicht glücklich werde. Genaugenommen wusste das meine innere Stimme, die auf mich aufpassen wollte. Leider habe ich nicht auf sie gehört. Zu laut die Erwartungen an mich selbst und die von anderen. „Du kannst doch nicht schon wieder den Job wechseln?!“ hiess es. 


Hätte ich mal. 

Nur ein paar Monate und eine Menge blauer Flecken auf der Seele später saß ich nach einem Luxuseinkauf auf dem Samstagsmarkt zu Hause an meinem Küchentisch. Darauf der schweineteure Blumenstrauss, mit dem ich mich für den Schwachsinn der Woche „belohnt“ hatte.


Und nun? 

Konnte ich mich darüber nicht freuen. Konnte mich über gar nichts freuen. Nicht über die schönen Dinge, nicht über den Geschmack der eingekauften Köstlichkeiten, nicht über den Duft der Blumen, nicht über mein freies Wochenende. 


Fühlte mich leer, fremd und alleine. 

Ausgebrannt. 


Noch ein paar Wochen habe ich mich weiter gequält, dann kam der große Knall. 

Burn out. 

6 Monate hinter zugezogenen Gardinen und in tiefer, nicht enden wollender Traurigkeit, Versagensgefühlen, Schwere, Depression. 


Therapie. 

Dekonstruktion meiner bis dahin krampfhaft inne gehaltenen Opferrolle. 


Privat nur wenig bis gar kein Verständnis für mein so anders sein als bisher. 

Gut gemeinte Empfehlungen, ich solle mich mal zusammenreissen und so schlimm könne es doch wohl nicht sein. 

KURVENFLIEGER NR. 2: ENDE 2008

Als leitende Personalentwicklerin eines mittelständischen, modernen Unternehmens hatte ich nach der Geburt meines zweiten Kindes im Sommer 2007 schnell wieder zu arbeiten begonnen. Bereits ein paar Wochen nach der Geburt meiner Tochter war ich schon wieder eingesprungen, um einige Personalauswahlverfahren zu begleiten. 

Ich liebte das Unternehmen, für das ich arbeitete. Ich liebte meinen Chef, meine Kollegen und Kolleginnen. Es war die tollste Firma, die ich bis dato kennen gelernt hatte, so beweglich war sie in ihren Strukturen und Prozessen, so unberechenbar aber auch, was ich später erfahren sollte. Ich hatte ursprünglich als Vertriebstrainerin für die meist männlichen Verkäufer angefangen – eine Stelle, die ganz neu geschaffen wurde und die ICH!!!! bekommen hatte. Erfolge waren schnell möglich und wurden honoriert. Im Zuge des Unternehmenswachstums kletterten mein Gehalt und ich die Karriereleiter hoch. Zwischendurch musste ich mich immer mal wieder kneifen, da ich es nicht glauben konnte, dass es mir so gut ging. 

Ich suchte mir sogar einen Coach, denn ich wollte es ja nicht wieder verkacken. Nicht wieder in so eine Situation geraten wie vor ein paar Jahren. Ich weiß heute nicht mehr, warum nie ein Termin zustande gekommen war. Zumindest nicht früh genug. 

Vielleicht hatte ich mich doch wieder selbst überschätzt? 

Die Krise kam. 

Verträge kamen nicht zustande, Zusagen platzten. Man hatte sich verhoben und verschätzt. Vielleicht auch aufs falsche Pferd gesetzt. 

Visionen, die eben noch zum Greifen nah waren, erschienen auf einmal lächerlich. 

Der Ton wurde scharf, Vorwürfe laut und alles mündete in eisiges Schweigen. 

Die einst offenen Türen zu den Büros waren nun fest verschlossen. 

Wie die Gesichter und Herzen. 

Die ganze Atmosphäre war nach kurzer Zeit wie versteinert. 

Entlassungen folgten. 

Der Personalchef hatte die für alle Beteiligten entwürdigende Aufgabe, die frei gestellten Mitarbeiter möglichst „unauffällig“ aus dem Unternehmen zu „entfernen“. 

Ich sehe heute noch das Bild vor mir, wie er mit einer Plastiktüte in der Hand die betreffenden Kollegen zum Aufzug begleitete. Ich habe damals spüren können, wie es den gekündigten Mitarbeitern, aber auch ihm gegangen sein muss. Welche Scham er empfunden haben muss. Ich habe verstanden, dass er versucht hat, möglichst Momente zu erwischen, an denen wenig Betrieb auf dem Flur zum Aufzug war. Ich habe verstanden, warum auch seine Tür, sein Gesicht und sein Herz nun immer fest verschlossen waren. 

Es hat mir weh getan. 

Es wurde in den Büros leerer und leerer. 

Die Erwartungen maßloser und maßloser.

Die Hilflosigkeit aggressiver und aggressiver. 

Im Herbst wurde meine gerade ein gutes Jahr alte Tochter mit hohem Fieber heftig krank. Auch wenn sowohl die Kleine als auch mein dreijähriger Sohn von Anfang an gewöhnt waren, eine Kinderfrau um sich zu haben, war mir das in dieser Situation nicht geheuer. Zudem wurde auch die Kinderfrau selbst ebenfalls krank, so dass klar war, dass ich ein paar Tage mit meiner kranken Tochter zu Hause bleiben würde. Gewissensbisse hin oder her. 

Die Firma nahm dies zum Anlass, mich ebenfalls „frei zu setzen“. Ich würde die Interessen meiner Firma nicht mehr adäquat vertreten, hiess es, wenn ich in dieser Gehaltsklasse nicht in der Lage sei, unternehmerisch verantwortlich mit einer solchen Situation umzugehen. 

Natürlich weiß ich, dass ich angesichts der Gesamtlage eh früher oder später gekündigt worden wäre. Die Verschleierung der wahren Gründe und das Zuschieben des schwarzen Peters ausschließlich an mich haben mich jedoch sehr getroffen. 

Ein Arbeitsgerichtsprozess folgte und eine Zeit, in der ich mich nicht wirklich gehalten und verstanden gefühlt habe. Nicht mal im engsten Umfeld, nicht mal von meinem Mann, dem Vater meiner 2 Kinder. Er hatte mich gepusht als es um Karriere und viel Geld ging. Nun, raus aus dem Funktionsmodus war da nur Sprachlosigkeit. Ich wollte da sein für meine zwei Kleinen, die so gar nichts für die ganze Situation konnten und konnte ihnen in dieser Zeit vermutlich nicht wirklich viel geben. 

Ich fühlte mich allein auf weiter Flur. 

KURVENFLIEGER NR. 3: FRÜHJAHR 2010

Nachdem ich mich nur sachte von den Querelen rund um die Kündigung Ende 2008 erholt hatte, stand die Frage im Raum, wie es nun weitergehen solle. Ich wusste tief in mir, dass ich nie wieder unter so unwürdigen Umständen arbeiten wollen würde, nie wieder eine 50-60 Stunden Woche haben wollen würde, die es mir fast unmöglich machte, für meine Familie und insbesondere meine noch kleinen Kinder da zu sein und dass ich nie wieder so fremdbestimmt arbeiten wollen würde. Ich spielte mit dem Gedanken, mich selbständig zu machen. Die Situation war nicht wirklich günstig, aber für mich erschien dies als der einzig gangbare Weg, auf dem ich nicht unterwegs seelisch und emotional verrecken würde. Gleichzeitig war ich sowohl kräftemässig und finanziell als auch aus der Situation heraus mit den Kindern nicht ganz auf der Höhe. Fakt war aber, es musste irgendwie weitergehen. Ich fing an, mich auszuprobieren. Arbeitete dann und wann gemeinsam mit einer Kollegin in freien Aufträgen. Roch die so andere Luft und fing Feuer. Machte einen Businessplan, entwarf mein Logo und einen Claim, las ohne Ende über Gründungen und vieles mehr und konzeptionierte wie irre. 

Je mehr ich versuchte, mir beruflich etwas Neues aufzubauen, desto schwieriger gestaltete sich die Beziehung zu meinem damaligen Mann und Vater meiner Kinder, der unter der Woche in einer anderen Stadt arbeitete. Kam er am Freitag spät abends nach Hause, galt sein Blick oft meist erst dem aus der Woche angesammelten Poststapel denn mir. Auch ich war meist zurückhaltend. Hatte ich doch von Wochenende zu Wochenende die Hoffnung, dass er mich unterstützen möge und spürte schon an seiner Energie beim Eintreten in die Wohnung, dass das nicht der Fall sein würde. 

Wir waren beide überfordert, hilflos, ratlos. Ich hatte das Gefühl, am Wochenende auch noch ihn aufbauen zu müssen anstatt einen gleichwertigen Partner an meiner Seite zu haben. Das machte mich wahnsinnig aggressiv. Finanzielle Schwierigkeiten bauten sich auf, eins kam zum anderen. 

Anfang des Jahres 2010 hatte ich offiziell mein Unternehmen „brain open“ an den Start gebracht. Vor mir lag die Aufgabe, Kunden zu akquirieren und das Ding zum Laufen zu  bringen. Ich war voller Freude und Enthusiasmus und gleichzeitig spürte ich, dass in unserem Partnerschafts- und Familienleben etwas Ungutes in der Luft lag. Ich vermutete, dass mein Mann mich betrog. Ich hätte das ehrlich gesagt sogar verstanden bzw. nicht meine Hand dafür ins Feuer legen mögen, dass mir das nicht hätte passieren können, wäre es andersherum gewesen. Wenn ich die gewesen wäre, die unter der Woche fernab von Partner und Kindern in einer anderen Stadt war. 

Mein Mann leugnete zunächst.

Nur ein paar Monate später platzte dann die Bombe. 

Die Atmosphäre war hoch explosiv. 

Unendlich viel Unausgesprochenes lag in der Luft. 

Es hatte noch und noch Zeichen gegeben, die mein Bewusstsein nicht erfassen konnte, ich aber genau gespürt hatte, ohne mir wirklich darüber klar zu werden. 

Ich flippte aus und stellte meinen Mann zur Rede. 

Natürlich betrog er mich seit Anfang des Jahres. 

Warum er nicht offen mit mir gesprochen habe, meine Vermutung nicht bestätigt habe? Er habe mich und die Kinder schützen wollen … 

Der Betrug tat weh, keine Frage. 

Diese Antwort aber und das dann Folgende war noch viel, viel schlimmer. 

Nach 23 Jahren Beziehung folgten nun Wochen und Monate in völligem Chaos. Auch wenn meine Ratio wusste, dass es gut war, wie es nun war, da wir uns lange auseinander gelebt hatten und uns beide nicht ausreichend vom anderen unterstützt gefühlt hatten, war es, als hätte mir jemand mit einem Ruck einen Teppich unter den Füßen weggerissen, an dem ich 23 Jahre gewebt hatte. 

Ich stand neben mir und wusste gleichzeitig, dass da kein Platz war für meinen Schmerz. Da waren 2 kleine Kinder und eine nur wenige Monate alte Selbständigkeit, die noch nicht lief. 

Die liebe Kollegin, mit der ich schon den einen oder anderen Kundenauftrag gemeinsam absolviert hatte, fing mich in dieser prekären Situation auf. Sie band mich in Aufträge mit ein, zahlte mir Vorschüsse, hörte mir zu. Doch hatte sie ihr Leben und ich zu funktionieren. Was ich auch tat. Ich sehe mich heute noch in Situationen agieren, wo ich genau weiß, wie es mir dort innerlich ging. Ich sehe mich hinter meiner von innen verschlossenen Wohnungstür vor Erschöpfung und Verzweiflung weinend zusammenbrechen, weil ich selbst kaum glauben konnte, wie ich den hinter mir liegenden Tag bewältigt hatte und nicht wusste, wie ich den nächsten würde bewältigen können. Wie ich mich um meine Kinder würde kümmern können, die noch zu klein waren, um zu realisieren, was hier passierte. Die aber genau spürten, dass etwas so gar nicht in Ordnung war und sich dementsprechend verhielten. 

Burn out habe ich das vor mir selbst nicht genannt. Aber ganz sicher war es wieder eines. Doch dafür war kein Platz. 

Jahre des Funktionierens, Verdrängens, Wegschauens folgten bei gleichzeitigem Bewusstseins-Zuwachs. Natürlich habe ich viel Schmerzhaftes angeschaut und aus 23 Jahren Beziehung und Leben aufgearbeitet. 

Aber ein paar sehr wesentliche Punkte eben nicht. 

Weil mir die Kraft fehlte. 

Weil ich Angst hatte. 

Weil ich keine Ahnung hatte, wie ich vorgehen sollte. 

Weil mir das Geld fehlte. 

Weil ich nicht wusste, an wen ich mich wenden sollte. 

Weil ich mich – wie so lange in meinem Leben – gnadenlos überschätzt habe und dachte, ich bekäme das alles schon alleine hin. 

Weil ich dachte, ich müsse nun eben die Suppe alleine auslöffeln, die ich mir mal wieder damit eingebrockt hatte, indem ich nicht auf meine innere Stimme gehört und ihr gefolgt war. 

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In keiner der Situationen hatte ich mir vertraut, auf mich gehört. 

Mich geachtet und meine Interessen auch gegen Widerstände vertreten. 

Mein Selbst beschützt, umsorgt und geliebt. 

Ich hatte mich verraten. 

Meine Würde mir selbst gegenüber verloren.

Anderen mehr geglaubt als mir selbst. 

Meine Wahrnehmung verleugnet. 


Dafür durfte ich einen hohen Preis zahlen. 

Immer und immer wieder. 

Emotional, gesundheitlich, finanziell, sozial. 

Über Jahre. 

Solange bis ich endlich gelernt hatte. 

Gelernt hatte, mir ALLES anzuschauen. 

Nicht nur das, was gerade verdaulich war in den Augen meines Ego. 

Aufgehört hatte, mich selbst zu belügen und Kasperletheater vorzuspielen. 


WARUM ICH DIR DAS ALLES ERZÄHLE? 

Damit Du weisst, dass Du nicht alleine bist. 

Denn ich weiss, dass Du da draußen bist. 


Du kannst es anders, besser als ich machen. 

Du kannst jetzt die Reißleine ziehen. 

Sei dir deiner Lebenszeit und deines Wertes JETZT bewusst. 

Schau dir jetzt ALLES an und führe dich in deine wahre Kraft, Größe und Würde. 


Ich nehme dich an die Hand und begleite dich auf deinem Weg. 

Melde dich gerne bei mir.

Ich freue mich auf dich.

Manuela Dobrileit 

0173/ 873 42 89  / info@brainopen.de

brain open - Akademie für würdevolle Führungskunst®

Foto: Dobrileit privat

Manuela Dobrileit