DANKE FÜR DEN DRUCK.

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“DANKE FÜR DEN DRUCK.”

Das war der Satz, mit dem sich neulich einer meiner Kunden nach einer schweißtreibenden Coachingsitzung von mir verabschiedete. 2 Stunden intensive Arbeit lagen hinter uns, in denen uns seine massiven Selbstsabotageprogramme viel Kraft und Geduld gekostet haben. 

Denn entgegen dem heute vielerorts verbreiteten Mythos, dass Entwicklung und Veränderung „mit Leichtigkeit und nahezu wie von selbst, ganz ohne Anstrengung“ geschehen, ist das zumindest am Beginn solcher Wege oft nicht der Fall. Das ist das Ziel mancher Veränderungsprozesse, doch ist es nicht deren immanentes Wesen. 

Im Gegenteil, oft hat der Klient (und manchmal auch der Coach ein ganz kleines bisschen) einfach nur die Schnauze gestrichen voll von all den Dingen, die da nun zu tun oder zu lassen sind, die da trainiert, geübt, reflektiert, angewendet, über Bord geworfen werfen wollen oder sagen wir besser über Bord geworfen werden sollen. Die meisten Klienten wollen naturgemäß und völlig verständlich gerne schnell die Ergebnisse, die am Ende eines solchen Entwicklungsprozesses stehen, jedoch nicht die „Schmerzen“ (= die Veränderungen), die dieser Prozess eben mit sich bringt. Die bedeuten für unser Gehirn nämlich zunächst hochgradig Stress und wollen also auf Teufel komm raus vermieden werden. Sie lassen müde und erschöpft fühlen und verstärken anfangs unter Umständen sogar Sabotage-Tendenzen. 

Und es ist nicht so, dass diese sich zügig verabschieden. Nein, in der Regel sind das über Jahre und Jahrzehnte stabil verankerte Denk-, Fühl- und Verhaltensweisen, die sich wie eine unsichtbare Festung um dich gelegt haben. Ein Panzer, der dich schützt und für Sicherheit sorgt, der dir aber eben auch keinerlei Entwicklung, keinerlei Ausbrechen aus deiner Festung ermöglicht. 

  • Gemeinhin wird gesagt, dass es ca. 3-4 Wochen täglicher Übung eines neuen Verhaltens bedarf, um eine neue Gewohnheit halbwegs verlässlich ins Leben zu integrieren bzw. eine störende Gewohnheit loszuwerden. Das ist nach meiner Erfahrung der absolut minimalste Zeitraum und häufig nicht ausreichend, um ein neues Verhalten stabil zu integrieren. Ein paar Wochen mehr dürfen es schon sein. Wenn nie gelernt werden durfte, solche Phasen durchzustehen, dabei zu bleiben, MIT den Schmerzen und Ängsten dennoch beständig die nächsten Schritte zu gehen, anstatt WEGEN der Schmerzen und Ängste wieder einmal aufzugeben, dann ist die subtile Verführung der Sabotage schnell zur Seite, um uns wieder zu beweisen, was wir ja schon lange über uns selbst wissen, da wir es wieder und wieder im Leben erfahren durften: wir schaffen ES einfach nicht. Wir schaffen einfach gar nichts. 

Diese Spirale von Selbstzweifeln und schweren Selbstvorwürfen macht es nach und nach immer schwerer, aus diesem Teufelskreis auszusteigen. Ich behaupte sogar, dass es in diesem Stadium schwerfällt, den Klienten in seinen vermeintlich eigenen, ach so erwachsenen Entscheidungen zu respektieren und zu akzeptieren, da diese, so meine Erfahrung, meist nur die nächste perfide Verkleidung der Angst und anderer Abwehrmechanismen ist, um bloß nicht den schon lange anstehenden Entwicklungsschritt zu gehen. 

Unter dieser Maskerade fleht die arme Seele nahezu danach, endlich aus ihrem selbst kreierten Sabotage-Gefängnis auszubrechen und bittet – oft nicht mit gewöhnlichen Ohren hörbar – um Hilfe. 

Hilfe von vertrauensvollen Menschen, die in der Lage sind, diese widersprüchlichen Codes zu sensibel zu erfassen, zu dekodieren und die eigentlichen Bedürfnisse dahinter wahr zu nehmen. Die vor allem aber in der Lage sind, das Verhalten auszuüben, zu initiieren und mehr und mehr zu stärken, das der Klient noch nicht eigenständig verlässlich in der Lage ist, in sich selbst hochzuholen und abzurufen. 

Da geht es in erster Linie viel um Halt. Dastehen wie ein Fels in der Brandung, ohne Wenn und Aber, egal wie stark die Brandung sein möge. Halt in Form von bedingungsloser Wertschätzung und Vertrauen auf der einen Seite zu geben, auf der anderen Seite aber auch Halt (oder Druck?!) durch eine gewisse `Gnadenlosigkeit` gegenüber den zahlreichen, meist unbewussten Tricksereien des Klienten. Den alten Geschichten, die als Ablenkmanöver auch gerne zum X. Mal erzählt werden wollen, gnadenlos den Raum zu nehmen. Die immer wieder hochkommenden Ausreden als solche zu entlarven und nicht mehr zu akzeptieren. Dem ewigen Verweilen in der Vergangenheit die Luft abzudrücken. Der Selbstbeweihräucherung an früheren Erfolgen Einhalt zu gebieten. Ständig neue Verhandlungsversuche unverhandelbar abzuwehren. Den Widerstand des Klienten, die punktuelle Versteinerung in seinem Gesicht und Körper, wenn er spürt, dass die alten Systeme nicht mehr funktionieren, gleichzeitig aber auch weiß, dass das genau der Weg ist, den er zu gehen hat und vor dem er sich so arg fürchtet, vertrauensvoll und mit Wohlwollen auszuhalten, bis die Fassade der Abwehr anfangen darf, sich zu lösen. Die Energien, die bislang zur Aufrecherhaltung des Alten genutzt wurden, nun konsequent auf die Gestaltung des Zukünftigen zu richten. 

All die eben genannten Aspekte sind nur einige mögliche Maskeraden für Selbstsabotagen. Diese Maskeraden erfordern in ihrer Bearbeitung viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung, um den darunterliegenden Wunsch des Klienten zu erspüren und liebevoll aber resolut in Handlungen zu übersetzen. Wenn der Klient sukzessive seine eigene Selbstwirksamkeit erfährt, kann auch dessen Selbstwert wieder wachsen. 

Das ist der Grund, warum es meist nicht reicht, derartiges mit einem guten, vertrauensvollen Freund zu besprechen. Versteht mich nicht falsch – Freunde sind das Schönste auf der Welt und bereichern unser Leben sehr. Jedoch sind unsere Freunde meist psychologisch nicht so versiert. Oft haben sie mit ihren eigenen inneren Themen zu tun, die eine solche Auseinandersetzung nicht unerheblich beeinflussen. Vor allem aber sind unsere Freunde uns auf eine andere Art loyal gegenüber, als es ein Coach ist. Ein Freund wird vielleicht spüren, wenn Du eine Ausrede benutzt oder rumeierst. Ein Freund wird sich aber schwer damit tun, dich zu provozieren, zu vielleicht auch ein wenig zu schockieren, dich herauszufordern, Druck an den Stellen auszuüben, an denen Du dich sonst wieder aus dem Staub machen würdest, denn ein Freund hätte Angst dich zu verletzen und will das in der Regel nicht. 

Die Loyalität eines Coaches zu seinen Kunden besteht darin, sich zu verpflichten, diesen auf dem schnellsten Wege zu den gewünschten Ergebnissen zu führen. Das ist sein Auftrag, dafür wird er bezahlt. Dies setzt selbstredend zunächst eine absolute Vertrauensbasis voraus, die geschaffen werden muss und die gleichermaßen als Fundament für all das dient, dass dann vielleicht auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint, aber letztlich notwendig ist, damit der Klient seine Ergebnisse erreichen wird.  

Wenn Du 

  • auch genug davon hast, dir ständig Dinge ein- oder auszureden

  • endlich die Dinge umsetzen willst, die Du dir schon lange vorgenommen hast

  • die Nase voll hast von deinen Aufschiebereien 

  • die Scham- und Schuldgefühle los werden möchtest, die sich permanent verstärken, weil Du mal wieder nichts geschafft hast

  • Dein Leben selbstbestimmt und würdevoll statt ferngesteuert und wie auf Autopilot führen möchtest

... dann melde dich bei mir: 

Manuela Dobrileit, info@brainopen.de, 0173/873 42 89


© Manuela Dobrileit - Akademie für würdevolle Führungskunst ®, 2019.
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Manuela Dobrileit