Klasse statt Masse

Gestern hatte ich seit Langem einmal wieder das zwiespältige Vergnügen wegen einer zu klärenden Banalität telefonisch bei meinem Mobilfunkanbieter vorstellig werden zu dürfen. 

Bis vor Kurzem konnte ich die von mir gewünschte Erhöhung der mobilen Daten einfach und unkompliziert mit einem Klick vornehmen, das ging nun nicht mehr und ich war gezwungen, bei der Hotline anzurufen. 

Sei(d) gespannt, warum. 
Auflösung folgt später. 
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Es ging damit los, dass ich mich als ausgebildeter hypnosystemischer Coach mal wieder gefragt habe, ob und wenn ja was sich Verantwortliche dabei denken, wenn sie Stimmlage und Text der Warteschleifen- Ansprache auswählen. 

Es wäre so leicht, die überwiegend genervten Kunden mit entsprechender wohlwollender Absicht und ein wenig psychologischem Geschick für die Zeit, in der sie warten in eine entspannte Trance zu schicken, die sie dann wiederum ganz milde gegenüber den ebenso genervten Call Center – Mitarbeitern sein lassen würde und damit die Klärungszeit um ein Vielfaches !!! verkürzen und auch die Eskalationsrate erheblich senken würde. 

Das, was da zu hören war, war das komplette Gegenteil und sollte vermutlich „jung, dynamisch, frisch, begeisternd“ rüberkommen. Und selbstredend war es die Stimme einer Dame … warum eigentlich???

Des weiteren kam ich nicht umhin mich zu fragen, welche Daseinsberechtigung und welchen Wert Unternehmen zukünftig haben werden, die sowohl ihre Mitarbeiter und auch ihre Kunden in einer hoch individualisierten Gesellschaft nach wie vor in Strukturen und Schablonen zu pressen versuchen, die nicht nur fernab jedweder Würde und Menschlichkeit sind, sondern auch unternehmerisch und wirtschaftlich unter aller Sau. 

Die Dame am Telefon versuchte mein Anliegen nach bestem Wissen und Gewissen zu klären, was soweit auch recht schnell gelang. Den (emotionalen) Bach runter ging die Chose, als sie sich telefonisch mein Einverständnis holen musste zur üblichen „Aufzeichnung zu Qualitätszwecken“ und sich in diesem Atemzug ihr Umgang mir gegenüber komplett änderte. 

Unpersönlich, aalglatt und unangreifbar wiederholte sie, was wir zuvor von Frau zu Frau besprochen hatten. 
Soweit, so gut. 
Die Frau machte nur ihren Job, das ist mir sonnenklar. 

Dann jedoch bekam ich ungefragt und monoton abgelesen irgendein Up Grade „geschenkt“, dass mir doch „ganz sicher viel Freude bereiten wird“ ... 

Dazu brauchte sie dann spannenderweise nicht noch einmal mein „Ja“ auf ihrer Aufzeichnung. 

Ich habe mich in diesem Moment stark an die Zeit vor ungefähr 20 Jahren erinnert gefühlt, als ich als Trainerin für Kommunikation und Vertrieb selbst im Call Center mit dem Design von solchen sogenannten „Gesprächsleitfäden“ betraut war, die je nach Auftraggeber 1:1 (!!!!) vom Blatt abgelesen werden sollten mit entsprechend enthusiastischer Intonation. 

Schon damals fand ich das den grössten Schwachsinn unter der Sonne und eine Demütigung für beide Menschen am Telefon – Mitarbeiter und Kunde. Doch ich war damals noch zu grün, um mich entsprechend zu positionieren. Es hat noch einige Jahre gebraucht, bis ich ein derartiges Procedere offen verweigert habe und schlußendlich auch nicht mehr für derartige Kunden arbeiten wollte. 

Gestern nun, 20 Jahre später, habe ich einerseits den aufgesetzt künstlichen Professionalitätsmodus, aber auch die Verzweiflung in der Stimme der Mitarbeiterin gespürt. Ihre mühsam gehaltene Fassade schaffte es nicht zu verbergen, was in ihr innerlich vorging, wenngleich sie überaus freundlich und zuvorkommend war. 

Eine Frau zwischen Anfang 40 und 50, deren Stimme verriet, dass sie die Tiefen (und hoffentlich auch Höhen) des Lebens kennen gelernt hat. Dass sie nicht ganz freiwillig an diesem Telefon sitzt – wie Millionen andere Menschen mit ihr. 

Die versucht, ihren Job nach bestem Wissen und Gewissen zu machen. 

Glaubend und in ihrer Welt „wissend“, dass es für sie eben nichts Anderes gibt … 

Eine, die resigniert ist und ihre Träume schon lange über Bord geworfen hat. 
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Zu der aufgeschwatzten, unnötigen Up Grade Scheisse bekam ich 1 Minute nach dem Telefonat gleich eine Bestätigung und Link per SMS. Zu meinem ursprünglichen Auftrag fehlt mir Selbiges übrigens bis jetzt. 

Abgesehen davon, dass ich nun wieder Rödeleien habe, um diesen Mist zu kündigen (selbstredend ist der entsprechende Link trotz anderslautender Verweise auf der Internetseite kaum zu finden), habe ich gestern so sehr mit der Frau mitfühlen müssen. 

Normalerweise werde ich schnell stinkig in derartigen Situationen, grätsche rein und verbitte mir das. 
Das habe ich gestern irgendwie nicht geschafft. 
Diese Frau stand in diesem Moment für so viele Menschen. 

Menschen in sinnlosen Projekten und sinnlosen Strukturen, die keiner will. 

Menschen, die Dinge an Menschen verkaufen (sollen), die kein Schwein braucht. 

Produkte und Prozesse, die absolut keinen Mehrwert auf dieser Welt haben. 

Millionen genervte Mitarbeiter. 
Millionen genervte Kunden. 
Millionen unnötige Eskalationen. 
Millionen traurige, getretene Seelen. 

Welch grandiose Verschleuderung von (Human-) Ressourcen! 

Call Center und gerade diese von Mobilfunk-Unternehmen sind allgemein bekannt und verschrien als „Legebatterien“ und Schlimmeres. Diese Formulierung macht deutlich, welchen Wert der einzelne Mitarbeiter dort beigemessen bekommt: KEINEN. 

Legst Du als Mitarbeiter keine oder nicht genug Eier (= machst Du als Fachkraft nicht genug Up Grades, als Führungskraft nicht genug Druck bei deinen Legehennen), bist Du schneller raus, als Du gucken kannst. 

Du kommst natürlich im Zuge des viel beschriebenen Fachkräftemangels schnell wieder woanders unter. 

Neues Etikett, gleiches Spiel, gleiche Würdelosigkeit. 
Und ewig grüßt das Murmeltier. 
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„So läuft das eben“ sagen die, die es angeblich wissen müss(t)en. Und: „Nur so machste ne Mark“. 

Nee, meine Lieben. 
So läuft das schon lange nicht mehr. 
Ihr habt das nur noch nicht geschnallt. 
Weil Ihr ahnt, dass auch Ihr dann nicht mehr so weiter machen könnt wie bisher. 
Eure Arroganz, eure Härte, euren Hochstatus aufgeben müsstet. 

Menschen, die wie Vieh behandelt werden, werden nicht (mehr) dazu beitragen, dass Euer Unternehmen zukunftsfähig und profitabel bleibt. 

Kein Mitarbeiter und kein Kunde. 

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Noch lacht Ihr. 
Haltet das alles für Gefasel und Schwachsinn. 
Macht einfach weiter so. 
Jeden Tag. 
Vielleicht aber spürt Ihr auch das Nagen in Euch jeden Tag ein wenig mehr. 

Hört hin! 
Werdet wach und erinnert Euch!
Erinnert Euch, dass hier Menschen mit Menschen agieren. 
Menschen aus Fleisch und Blut. 
Menschen mit Seelen. 
Menschen mit Gefühlen. 
Menschen mit Träumen und Sehnsüchten. 
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Menschen, die Ihr in Unternehmen was zu sagen und zu entscheiden habt, werdet wach. 

Bitte!!!

Gebt Eure Bequemlichkeit auf, Euren hohlwangigen Dünkel, falsch verstandenen Stolz. 

Setzt ein Zeichen für Menschlichkeit. 
Das ist leichter als Ihr vielleicht denkt, es kostet nicht viel oder sogar gar nichts. 

Es braucht lediglich Euch. 
Eure Bereitschaft, Euch einzulassen. 

Es ist ausschließlich eine Frage des Bewusstseins, der veränderten Perspektive, der anderen Herangehensweise.

Eine Frage der Klasse. 
Besinnt Euch und zeigt diese Klasse. 
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Ich bin bereit, Euch zu unterstützen, wenn Ihr es ernst meint. 

Manuela Dobrileit 
brain open – Akademie für würdevolle Führungskunst ®
2019 

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Manuela Dobrileit, Diplom-Erziehungswissenschaftlerin & qualifizierter systemischer Coach mit Schwerpunkt emotionale Intelligenz arbeitet seit 18 Jahren als Businesscoach für bewusste Menschen und zeitgemäße Unternehmen. Sie zeigt Führungspersönlichkeiten, wie sie sich selbst, ihre Mitarbeiter und ihr Unternehmen in Würde führen und auf sich permanent verändernde Bedingungen ausrichten können, ohne den Menschen aus dem Blick zu verlieren.

Wie Dir Chaos dabei helfen kann, eine neue Ordnung zu finden. 

„Probleme lassen sich nie auf der Ebene lösen, auf der sie entstanden sind.“  (Albert Einstein)

Wer mich kennt oder mir hier schon länger folgt, der weiß, dass ich in meiner Arbeit gerne Zugänge zu meinen Klienten schaffe, die vom Verstand nicht gleich hübsch ordentlich einsortiert und bewertet werden können. Um ihnen andere, neue Perspektiven auf ihre Fragen und Themen zu ermöglichen, helfe ich ihnen oft gewissermaßen erst einmal aus ihren gewohnten Mustern der Wahrnehmung, Interpretation, Abwehr, Projektion und aus sonstigen eingeschliffenen Mechanismen ein Stück weit heraus, stelle diese einmal ordentlich auf den Kopf oder lade dazu ein, diese oft einengenden Sichtweisen zumindest ein Stück weit zu lockern und zu dehnen. 

Die Kunst in ihrer darstellenden oder auch bildenden Form ist mir hierbei oft ein sehr hilfreiches Instrument. Das Betrachten, Lesen, Spüren, Gewahr werden, Beobachten, Hinterfragen, auch Aushalten von Ungewohntem ohne „Gefahr“ ermöglicht es, absolut im Moment zu sein – frei von den Dämonen der Vergangenheit, frei von den Sorgen der Zukunft. 

Und sie schafft es, die bisherigen Lösungsstrategien, die bislang nicht nur leider zu nichts geführt haben, sondern das Thema des Klienten manchmal nur noch mehr verfestigen (im Sinne von „Ich strenge mich ja schon soooo an, es will einfach nichts klappen.“),  durcheinander zu bringen und im positiven Sinne zu erschüttern. 

Diese Erschütterung ist die kaum wahrnehmbare Lücke, in der ein Neuanfang gewagt werden kann. 

Die winzig kleine Nische, in der Verbindungen entstehen können, wo vorher Trennungen waren. 

Parallelelen, die auf den ersten Blick so absurd und auf den zweiten ziemlich nachvollziehbar erscheinen. 

Ein herzhaftes Lachen über gewagte Interpretationen, ein Staunen über sich bislang noch nie erlaubte Fragen, ein gefühlsmässiges Berührt sein, ein sich für andere fremdschämen wo sonst immer alles unter Kontrolle war. 

All dies kann innere Berge versetzen und in Stein gemeißelte Wahrheiten aufweichen. 

DAS ist es, was Veränderung möglich macht, Leichtigkeit in die Schwere bringt oder Tiefe in die bisherige Oberfläche. 


Und DAS ist es auch, wonach sich in der Tiefe seines Herzens jeder Mensch sehnt, auch wenn er es im Moment vielleicht nicht aussprechen oder gar fühlen kann. 

Auch wenn er es vielleicht im Modus des smarten Funktionierers immer wieder runter geschluckt und irgendwann einfach vergessen hat. 

Auch wenn er noch einen Höllenschiss davor hat, die so sorgsam in Schach gehaltenen Emotionen frei zu lassen. Ein bisschen zumindest. 

Auch wenn er es nicht mehr für möglich hält, dass sich wirklich was ändert in dieser Einbahnstrasse namens Leben. 


Doch alles ändert sich, wenn wir selbst uns ändern. 

Und der erste Schritt ist immer der Schwerste. 

Doch kann dieser leicht(er) werden, wenn er herausgelöst wird aus den bekannten Erwartungsmustern und Strukturen. 

Muster und Strukturen, die in ihrem eingeschliffen sein das Gefühl von Festgefahrenheit oft begünstigen – sei es nun in unserem Kopf oder in sozialen Gefügen wie Familien, Partnerschaften, Teams, Unternehmen, Organisationen … 

Muster und Strukturen, die Kontrolle und Mißtrauen über Kreativität und den natürlichen Drang zur Entwicklung und Vertrauen stellen. 

Muster und Strukturen, die lieber alles wohlsortiert und berechenbar halten, damit ja keiner ausbüxt. 

Es könnte sich ja was zum Besseren ändern. 

Es könnte ja was in Bewegung kommen. 

Nee nee … dann mal lieber weiter schön klein halten und die Angst schüren. 

Nicht schön, aber dafür wenigstens bekannt. 

………….

Es braucht mutige Menschen, die diese angstgetriebenen Muster und Strukturen lösen, lockern, notfalls durchbrechen. 

Die das System, in dem sie Tag ein, Tag aus so gewohnheitsmäßig unterwegs sind,  hinterfragen. 


Menschen, die trotz, nein MIT ihren Ängsten und Ungewissheiten mutig voran gehen. 

Die Modell für andere sein können. 

Es braucht Menschen, die sich etwas trauen. 

Indem sie sich selbst-ver-trauen. 

Und dadurch auch anderen ver-trauen und etwas zu-trauen. 

Die dadurch Kontrolle temporär oder ganz und gar loslassen können. 

Die Freiräume schaffen, Räume öffnen und Beziehungen entwickeln. 

Die aushalten können statt weg zu lächeln oder sich hinter Regeln und Prozessen zu verstecken. 

Die Halt geben können ohne fest zu halten. 

Die damit leben können, dass Kreativität sich in ungeordneten Bahnen ihren Weg freischaufelt. 

Es braucht mutige Menschen, die wahre Nähe und Nahbarkeit leben können und die auch dann da sind, wenns kniffelig wird. 

Menschen, die temporäre Unruhe als Bereicherung empfinden und nicht als Störung. 

………………..

Coaching und Mentoring außerhalb von Meetingräumen ist für viele Unternehmen und Menschen in Unternehmen noch absolutes Neuland. Noch steckt in vielen Köpfen die unterbewusste Vorannahme, dass „harte Arbeit“ ausschließlich in dafür vorgesehenen Räumen statt zu finden hat und eben auch so aussehen muss, wie es eine wie auch immer  geartete Erwartungshaltung tief in Köpfe hinein zementiert hat. 

Vielfach zitierte Studien und Belege dafür, dass das Gehirn erst einmal aus dem Dauer-Stress-Modus des angestrengten Lösungen Suchens heraus muss, um WIRKLICH (!) neue, vielleicht bahnbrechende Innovationen zu gebären, werden dabei zu Gunsten des „Das haben wir schon immer so gemacht ...“ noch häufig ignoriert. 

Doch das ist mindestens genau so  kurzsichtig, selbstzerstörerisch und fahrlässig wie der Raucher, der partout nicht die Finger von den Kippen lassen will, sich ein paar Jahre später aber bitterlich über COPD beklagt. 

Musst Du, müssen Sie, muss Ihr Unternehmen, Ihre Abteilung, Ihr Team erst gegen die Wand fahren? 

Oder willst Du heute anfangen, wirklich die Verantwortung für dich und dein Handeln und damit für deine Zukunft zu übernehmen? 

Dann weißt Du, wo Du mich findest. 

© Manuela Dobrileit, brain open – Akademie für würdevolle Führungskunst ® 2019. 

Foto: © Pexels

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Manuela Dobrileit, Diplom-Erziehungswissenschaftlerin & qualifizierter systemischer Coach mit Schwerpunkt emotionale Intelligenz arbeitet seit 18 Jahren als Businesscoach für bewusste Menschen und zeitgemäße Unternehmen. Sie zeigt Führungspersönlichkeiten, wie sie sich selbst, ihre Mitarbeiter und ihr Unternehmen in Würde führen und auf sich permanent verändernde Bedingungen ausrichten können, ohne den Menschen aus dem Blick zu verlieren. 











Danke für den Druck.

“DANKE FÜR DEN DRUCK.”

Das war der Satz, mit dem sich neulich einer meiner Kunden nach einer schweißtreibenden Coachingsitzung von mir verabschiedete. 2 Stunden intensive Arbeit lagen hinter uns, in denen uns seine massiven Selbstsabotageprogramme viel Kraft und Geduld gekostet haben. 

Denn entgegen dem heute vielerorts verbreiteten Mythos, dass Entwicklung und Veränderung „mit Leichtigkeit und nahezu wie von selbst, ganz ohne Anstrengung“ geschehen, ist das zumindest am Beginn solcher Wege oft nicht der Fall. Das ist das Ziel mancher Veränderungsprozesse, doch ist es nicht deren immanentes Wesen. 

Im Gegenteil, oft hat der Klient (und manchmal auch der Coach ein ganz kleines bisschen) einfach nur die Schnauze gestrichen voll von all den Dingen, die da nun zu tun oder zu lassen sind, die da trainiert, geübt, reflektiert, angewendet, über Bord geworfen werfen wollen oder sagen wir besser über Bord geworfen werden sollen. Die meisten Klienten wollen naturgemäß und völlig verständlich gerne schnell die Ergebnisse, die am Ende eines solchen Entwicklungsprozesses stehen, jedoch nicht die „Schmerzen“ (= die Veränderungen), die dieser Prozess eben mit sich bringt. Die bedeuten für unser Gehirn nämlich zunächst hochgradig Stress und wollen also auf Teufel komm raus vermieden werden. Sie lassen müde und erschöpft fühlen und verstärken anfangs unter Umständen sogar Sabotage-Tendenzen. 

Und es ist nicht so, dass diese sich zügig verabschieden. Nein, in der Regel sind das über Jahre und Jahrzehnte stabil verankerte Denk-, Fühl- und Verhaltensweisen, die sich wie eine unsichtbare Festung um dich gelegt haben. Ein Panzer, der dich schützt und für Sicherheit sorgt, der dir aber eben auch keinerlei Entwicklung, keinerlei Ausbrechen aus deiner Festung ermöglicht. 

Gemeinhin wird gesagt, dass es ca. 3-4 Wochen täglicher Übung eines neuen Verhaltens bedarf, um eine neue Gewohnheit halbwegs verlässlich ins Leben zu integrieren bzw. eine störende Gewohnheit loszuwerden. Das ist nach meiner Erfahrung der absolut minimalste Zeitraum und häufig nicht ausreichend, um ein neues Verhalten stabil zu integrieren. Ein paar Wochen mehr dürfen es schon sein. Wenn nie gelernt werden durfte, solche Phasen durchzustehen, dabei zu bleiben, MIT den Schmerzen und Ängsten dennoch beständig die nächsten Schritte zu gehen, anstatt WEGEN der Schmerzen und Ängste wieder einmal aufzugeben, dann ist die subtile Verführung der Sabotage schnell zur Seite, um uns wieder zu beweisen, was wir ja schon lange über uns selbst wissen, da wir es wieder und wieder im Leben erfahren durften: wir schaffen ES einfach nicht. Wir schaffen einfach gar nichts. 

Diese Spirale von Selbstzweifeln und schweren Selbstvorwürfen macht es nach und nach immer schwerer, aus diesem Teufelskreis auszusteigen. Ich behaupte sogar, dass es in diesem Stadium schwerfällt, den Klienten in seinen vermeintlich eigenen, ach so erwachsenen Entscheidungen zu respektieren und zu akzeptieren, da diese, so meine Erfahrung, meist nur die nächste perfide Verkleidung der Angst und anderer Abwehrmechanismen ist, um bloß nicht den schon lange anstehenden Entwicklungsschritt zu gehen. 

Unter dieser Maskerade fleht die arme Seele nahezu danach, endlich aus ihrem selbst kreierten Sabotage-Gefängnis auszubrechen und bittet – oft nicht mit gewöhnlichen Ohren hörbar – um Hilfe. 

Hilfe von vertrauensvollen Menschen, die in der Lage sind, diese widersprüchlichen Codes zu sensibel zu erfassen, zu dekodieren und die eigentlichen Bedürfnisse dahinter wahr zu nehmen. Die vor allem aber in der Lage sind, das Verhalten auszuüben, zu initiieren und mehr und mehr zu stärken, das der Klient noch nicht eigenständig verlässlich in der Lage ist, in sich selbst hochzuholen und abzurufen. 

Da geht es in erster Linie viel um Halt. Dastehen wie ein Fels in der Brandung, ohne Wenn und Aber, egal wie stark die Brandung sein möge. Halt in Form von bedingungsloser Wertschätzung und Vertrauen auf der einen Seite zu geben, auf der anderen Seite aber auch Halt (oder Druck?!) durch eine gewisse `Gnadenlosigkeit` gegenüber den zahlreichen, meist unbewussten Tricksereien des Klienten. Den alten Geschichten, die als Ablenkmanöver auch gerne zum X. Mal erzählt werden wollen, gnadenlos den Raum zu nehmen. Die immer wieder hochkommenden Ausreden als solche zu entlarven und nicht mehr zu akzeptieren. Dem ewigen Verweilen in der Vergangenheit die Luft abzudrücken. Der Selbstbeweihräucherung an früheren Erfolgen Einhalt zu gebieten. Ständig neue Verhandlungsversuche unverhandelbar abzuwehren. Den Widerstand des Klienten, die punktuelle Versteinerung in seinem Gesicht und Körper, wenn er spürt, dass die alten Systeme nicht mehr funktionieren, gleichzeitig aber auch weiß, dass das genau der Weg ist, den er zu gehen hat und vor dem er sich so arg fürchtet, vertrauensvoll und mit Wohlwollen auszuhalten, bis die Fassade der Abwehr anfangen darf, sich zu lösen. Die Energien, die bislang zur Aufrecherhaltung des Alten genutzt wurden, nun konsequent auf die Gestaltung des Zukünftigen zu richten. 

All die eben genannten Aspekte sind nur einige mögliche Maskeraden für Selbstsabotagen. Diese Maskeraden erfordern in ihrer Bearbeitung viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung, um den darunterliegenden Wunsch des Klienten zu erspüren und liebevoll aber resolut in Handlungen zu übersetzen. Wenn der Klient sukzessive seine eigene Selbstwirksamkeit erfährt, kann auch dessen Selbstwert wieder wachsen. 

Das ist der Grund, warum es meist nicht reicht, derartiges mit einem guten, vertrauensvollen Freund zu besprechen. Versteht mich nicht falsch – Freunde sind das Schönste auf der Welt und bereichern unser Leben sehr. Jedoch sind unsere Freunde meist psychologisch nicht so versiert. Oft haben sie mit ihren eigenen inneren Themen zu tun, die eine solche Auseinandersetzung nicht unerheblich beeinflussen. Vor allem aber sind unsere Freunde uns auf eine andere Art loyal gegenüber, als es ein Coach ist. Ein Freund wird vielleicht spüren, wenn Du eine Ausrede benutzt oder rumeierst. Ein Freund wird sich aber schwer damit tun, dich zu provozieren, zu vielleicht auch ein wenig zu schockieren, dich herauszufordern, Druck an den Stellen auszuüben, an denen Du dich sonst wieder aus dem Staub machen würdest, denn ein Freund hätte Angst dich zu verletzen und will das in der Regel nicht. 

Die Loyalität eines Coaches zu seinen Kunden besteht darin, sich zu verpflichten, diesen auf dem schnellsten Wege zu den gewünschten Ergebnissen zu führen. Das ist sein Auftrag, dafür wird er bezahlt. Dies setzt selbstredend zunächst eine absolute Vertrauensbasis voraus, die geschaffen werden muss und die gleichermaßen als Fundament für all das dient, dass dann vielleicht auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint, aber letztlich notwendig ist, damit der Klient seine Ergebnisse erreichen wird.  

Wenn Du 

  • auch genug davon hast, dir ständig Dinge ein- oder auszureden

  • endlich die Dinge umsetzen willst, die Du dir schon lange vorgenommen hast

  • die Nase voll hast von deinen Aufschiebereien 

  • die Scham- und Schuldgefühle los werden möchtest, die sich permanent verstärken, weil Du mal wieder nichts geschafft hast

  • Dein Leben selbstbestimmt und würdevoll statt ferngesteuert und wie auf Autopilot führen möchtest

... dann melde dich bei mir: 

Manuela Dobrileit, info@brainopen.de, 0173/873 42 89

Text: © Manuela Dobrileit, brain open - Akademie für würdevolle Führungskunst®, 2019. 

Pic: © Pexels












Dürfen Führungskräfte weinen oder: Agnes und das Ankommen bei sich selbst

Wer für blöd verkauft wird, (ver)kauft am Ende nix.
Agnes` Start im neuen Team konnte kaum holpriger sein: verworrene Unternehmens- und Abteilungsstrukturen, haufenweise Gerangel und eine neue Position, die noch einige „Überraschungen“ für sie bereit hielt. Wie zum Beispiel die Erkenntnis, dass sie Aufgaben übernehmen sollte, die bis dato auf drei Paar Schultern verteilt waren.

Zudem sollte ihre Einarbeitung durch ihre Vorgängerin erfolgen, die – was Agnes nicht wissen konnte – gegen ihren Willen und ohne ihr Wissen aus ihrer Position gedrängt wurde.

Den unterstellten Mitarbeitern wurde fast bis zum letzten Tag vor dem Wechsel eine würdelose Komödie vorgespielt.

Kurzum: miese Energie auf allen Plätzen und in allen Ebenen.

In dieser Situation kam nun Agnes aufs Parkett.

Argwöhnisch beäugt, von der Vorgängerin kalt gestellt und täglich mit neuen „Highlights“ konfrontiert, stand sie ihre Frau, biss die Zähne zusammen und sich durch. Dass das nicht leicht für sie war, konnte bald ein Blinder mit Krückstock sehen.

Das ist nun schon ein paar Jahre her.

Mittlerweile hat Agnes sich einen guten Stand erarbeitet, hat Vieles mit Geduld und Spucke geschafft und etliche Herausforderungen gestemmt. Zum Beispiel die Abkopplung ihres Teams unter ein völlig neues Unternehmensdach mit neuen Verträgen und Konditionen, die nicht für jeden nach Verbesserung aussahen.

Oder die nun schon mehrere Monate andauernde Vertretung für einen Kollegen aus der Technik, dessen Aufgaben sie nun eben auch mit übernimmt, denn einer muss es ja machen, oder?

Agnes macht das alles klaglos, auch gerne, sie will ja verstehen und gebraucht werden.

Und doch bleibt es trotz der oberflächlichen Harmonie ruckelig und sie zweifelt manchmal daran, dass sie jemals richtig im Team ankommen wird.

Aber was geht in ihr vor?

Was erwartet sie?

Was davon ist gerechtfertigt?

Was kann sie bekommen von einem Team, dass das Zusammenspiel durchaus beherrscht, im Kern jedoch zu Einzelkämpfertum erzogen wurde?

Was kann sie wirklich gestalten in Strukturen, die auf Konkurrenz statt Kooperation oder gar Co-Kreation gewachsen sind?

Kann es das überhaupt geben – eine kooperative Team- bzw. Unternehmensstruktur, in der alleine zählt, wer die meisten Deals auf der Uhr hat?

Und: wovon werden Agnes` Wahrnehmung, Bedürfnisse und Gefühle überhaupt gelenkt?


Sie denkt viel nach, auch nach Dienstschluss, frisst viel in sich rein, dreht und wälzt die Gedanken von A nach B und wieder zurück.

Was dabei rumkommt?

Kannste knicken, würde der Berliner sagen.


Im Jonglieren mit dem anstrengenden Tagesgeschäft kommt sie fast nie dazu, einen Gedanken in Ruhe zu beenden, neue Strategien zu erproben, mit kreativen Ansätzen zu experimentieren.


Geschweige denn, sich um sich selbst zu kümmern.

Sie kann nicht mal nach Feierabend und am Wochenende abschalten.

Von sich selbst verraten und verkauft.

Eigentlich will sie nur ihre Ruhe. Doch da ist die Familie, der Ehemann, der genervt ist von ihren häufigen Verspätungen und der, wie sie witzelt, sich „wohl bald scheiden lässt“.

Die kleine Enkelin, die sie viel zu selten sieht.

Die überfälligen Treffen mit Freunden, bei denen sie viel zu schnell viel zu viel trinkt und die emotionalen Schleusen sich dann heftig öffnen.

Es schreit in ihr, aber sie schaltet auf Durchzug.


Ihr Nacken schmerzt seit Wochen höllisch.

Physiotherapie, Sport, Massage?

Keine Zeit.

Denkt sie. Tief drinnen weiß sie, dass das Quatsch ist.

Aber, da mogelt sich sogleich die andere Stimme rein: komm, alles halb so wild. Bestimmt musst Du nur mal wieder richtig ausspannen.

Du hast ja bald zwei freie Tage, jippy!


Sie wird immer durchscheinender.

Ihr Blick verändert sich, wird so tief als ob man auf den Grund eines Sees schaut.

Bittend, fast flehend.

Ihr Blick sagt: höre nicht auf die Worte, höre auf MICH!

Schlimme Kopfschmerzattacken unklarer Herkunft gesellen sich zu ihren Symptomen dazu.

Die vom Arzt verordneten Schmerzmittel helfen nur bedingt, weitere Untersuchungen sind erst in einigen Wochen möglich – zu viele Termine, zu viel zu tun.

Also macht sie weiter. Was soll‘s.

Sie sorgt sich.

Nein, nicht um sich. Dafür hat sie keine Zeit.

Um ihre hochbetagte Mutter, der es seit einiger Zeit nicht gut geht.

Dann der Anruf.

Der Damm bricht.

Die befürchtete Diagnose ihrer Mutter bestätigt sich.

Sie weint.

Natürlich um ihre Mutter in erster Linie.

Wegen all dem, was sie nun wird durchmachen müssen.

Wegen der Sorge darum, dass sie es vielleicht nicht schaffen wird.

Wegen der Sorge darum, dass sie es selbst vielleicht nicht schaffen wird, diese zusätzliche Belastung zu stemmen, wo sie doch schon auf dem Zahnfleisch geht.

Wegen der Sorge um ihren hochbetagten Vater, der ohne seine Frau unselbständig ist.

Kein Halt(en) mehr

Und unter der Oberfläche weint sie noch um viel mehr.

Endlich.

Darf es raus.

Bahnt sie sich ihren Weg.

Die noch immer schmerzende Verletztheit und die Kränkung, von den Eltern wenig Nähe erfahren zu haben.

Die Verzweiflung, alle Versuche der Eltern weg geschoben zu haben, die Angelegenheiten zu klären, die erwachsene Kinder und betagte Eltern klären müssen.

Die Verunsicherung darüber, wie es nun weitergeht. In einer Phase, in der das Familiensystem, das nie glücklich machte, aber reibungslos funktionierte, eine völlig neue Dynamik bekommt.

Die Traurigkeit darüber, sich selbst nicht mehr zu spüren - außer in Verspannungen, Schmerzen, Blockaden.

All das Unausgesprochene, Ungeklärte, Weggeschobene, Verdrängte, Unaufgeräumte kommt nun hoch.

Die innere, so lange unterdrückte und nicht gehörte Stimme aus dem Off kriegt Verstärkung aus dem Außen.

Auch wenn es hart ist: JETZT ist es Zeit, klar Schiff zu machen.

Wie das aussieht, gestaltet sich für jeden ganz anders.

Sich einzugestehen, dass es so wie bisher nicht mehr weitergehen kann, kann ein erster Schritt sein.

Stehenbleiben.

Die Perspektive wechseln.

Nicht mehr weiter rennen, um es Allen Recht zu machen.

Nicht mehr nur lächeln und witzeln.

Nicht mehr nur nicken und wegdrücken.

Sondern sich selbst wieder ernst nehmen.

Sich selbst zuhören, ohne Angst zu haben, als Mimose zu gelten.

Intelligent „Nein“ sagen lernen zu sinn- und würdelosem Aktionismus.

Grenzen wieder spüren lernen und klar im Außen zu formulieren.

Gedanken neu denken lernen und diese konsequent umzusetzen.

Wie der Mensch in seinen Rollen und Positionen wächst - oder vor die Hunde geht.

In diesem real erlebten Beispiel hatte ich anfangs keinen expliziten Auftrag, die beschriebene Führungskraft zu coachen.  

Ich war erstmal tatsächlich nur für Agnes` Team zuständig. Und doch, Auftrag hin oder her, coache ich allein durch meine Anwesenheit, durch die Energie die ich mitbringe, die Art und Weise wie ich meine Meinung kund tue oder auch durch das, was ich sage, die Personen im unmittelbaren Umfeld mit.

Ganz besonders wenn es sich um Bestandskunden handelt, die sich über einen längeren Zeitraum begleiten lassen. Automatisch entsteht eine Beziehung, ein gewisser Vertrautheitsgrad, in dem Dinge offenbar werden, die eine Rolle im beruflichen Kontext spielen.

In Unternehmen wird von der nächsthöheren Ebene oft erwartet, dass die Führungskraft sich einfach selbst managen kann, quasi als Vorbild für die anvertrauten Mitarbeiter.

Das ist nach meiner Erfahrung ausgemachter Bullshit!

Idealerweise kann ich mich in einer leitenden Position selbstverantwortlich reflektieren und Dinge weitsichtiger überblicken als vielleicht ein „gewöhnlicher“ Mitarbeiter. Doch kann ich weder meine blinden Flecken selbst sehen noch mich in Belastungssituationen mental und emotional genau so wenig eigenständig aus dem Sumpf ziehen, wie sich ein Friseur selbst die Haare schneiden kann.


Auch Führungskräfte bringen ihre ungeklärten und unbewussten Lebensthemen mit in ihren Führungsalltag. Akute Probleme und „unerledigte Geschäfte“ bestimmen zu einem erheblichen Teil, wie sie ihrer Position gerecht werden, ob und wie sie Halt geben, eine Beziehung aufbauen und halten, wie sie mit Konflikten umgehen und vieles mehr.

Die Kunst, sich selbst und andere würdevoll zu führen.

Dazu kommt, dass Menschen in „Führung“ und „Selbstführung“ vielfach nicht in der Kunst der Führung ausgebildet werden, sondern mit dem nächsten Schritt auf der Karriereleiter stillschweigend vorausgesetzt wird, dass die oder der nun schon wisse, was zu tun ist.

Maximal ein paar Trainingstage zu Führungstechniken, die regelmäßig aufgefrischt werden, jedoch wird die grundlegende Haltung einer Führungskraft zu sich selbst und den ihr Anvertrauten selten sauber aufgebaut.

Verantwortungsvolle und fürsorgliche Menschen auf allen Unternehmensebenen sind gefragt, die genau hinschauen, hinhören und vor allem auch zwischen den Zeilen wahrnehmen.

Die vor Allem die Größe haben, dies nicht als Schwäche anzusehen. Sondern im Gegenteil als ihre verdammte Pflicht, wenn es das erklärte Ziel gibt, ein gesundes Unternehmen mit gesunden Mitarbeitern und gesundem Wachstum zu führen.

Es braucht bewusste und zeitgemäße Leader und Unternehmensführer, die in der Lage und willens sind, den Menschen in seiner ganzen Komplexität und in seiner Persönlichkeit anzuerkennen statt ihn auf eine maximal effiziente unternehmerische Funktionseinheit zu reduzieren.

New Work braucht Inner Work

Es braucht Leader und Unternehmensführer, die sich darüber bewusst sind, dass es nicht die feingetunten Prozesse und Strukturen sind, die ihr Unternehmen auf der Erfolgsskala oben halten, sondern die Menschen, die diese Prozesse und Strukturen zum Leben erwecken.

Der Wandel der Arbeitswelt, die Mobilisierung und Flexibilisierung der äußeren Strukturen, Modelle und Prozesse benötigt zwingend Auseinandersetzung mit den eigenen inneren Strukturen, um aus sich heraus und in sich Halt zu finden in einer Welt, die in ihrer Vielfältigkeit immer schnelllebiger und unverbindlicher wird.

Sich ihrer Würde bewusste Menschen gehen würdevoll mit anderen Menschen um.

Würdevolle Menschen konstituieren würdevolle Unternehmen.

Würdevolle, bewusste Unternehmen werden in einer Welt knapper werdender Ressourcen und globalen Wandels wertschöpfend agieren können.

Alle anderen werden untergehen.

Was sich hier vielleicht dramatisch liest, ist bei Weitem nicht die Ausnahme, sondern Alltag in Unternehmen und Organisationen.

Wenn auch dir die Situation von Agnes bekannt vorkommt oder Du jemanden kennst, auf den das zutrifft, dann melde dich bei mir.

Auch, wenn du Heinz heißt.

© Manuela Dobrileit - Akademie für würdevolle Führungskunst ®, 2019.

Foto: © pexels



(K)Einbahnstraße im Kopf oder wie ich mit Herbert und Zaha Hadid in der Elbphilharmonie war

Herbert ist ein cleveres und schwer sympathisches Kerlchen Ende 50, mit allen Wassern des Lebens gewaschen, Vater von vier Kindern und auch schon mehrfacher Großvater. Privat einer der glücklichsten und zufriedensten Menschen, die ich kenne und ein aufrichtiger und geradliniger Charakter dazu. Und er ist wahnsinnig vielseitig interessiert und diesbezüglich immer für eine Überraschung gut: vom Lesen klassischer Literatur über Kunst und Architektur über das tägliche Meditieren bis hin zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Entstehung von Biorhythmen und das praktische wie genussvolle Studieren von Akustik und Klangwelten – um nur einen winzig kleinen Ausschnitt zu nennen. 

All das trägt er nicht auf dem Silbertablett vor sich her, um damit zu glänzen, sondern ganz leise, nach und nach, offenbaren sich diese Seiten für den interessierten Gesprächspartner, der es versteht, Herbert „aufzuschließen“. 


Jobmässig hatte es das Leben für den gelernten Informatiker nicht immer so gut  gemeint, aber Herbert wäre nicht Herbert, wenn ihm das Gram bereitet hätte. 

Im Gegenteil. 

Auch wenn so ein beruflicher Umbruch immer wieder auch eine große Portion Unruhe mit sich brachte, so nutzten Herbert und seine Frau das doch immer wieder als aufregendes Experiment und Chance dahingehend, wieder was Neues zu lernen. Und so hatte er schon einiges ausprobiert und neue Facetten an sich selbst entdeckt. Lange Jahre verdingte er sich beispielsweise als Versicherungsvertreter und war nun vor 2 Jahren im Vertrieb gelandet – etwas, dass seinem rational-logisch-pragmatisch orientierten und eher introvertiertem Wesen nicht per se lag. Doch wie gesagt, Herbert lässt sich von nichts schrecken und so probierte er es also einfach aus. 

Zur Rampensau ist Herbert in den letzten 2 Jahren nun nicht direkt mutiert. Und doch konnte er  mit seiner feinen, diskreten Art und vor allem mit seiner wahnsinnigen Lebenserfahrung eine solide Spur für sich finden, die gut beim Kunden ankommt. So wird er zwar kein Millionär, aber hat sein Auskommen, kann jeden Abend zufrieden in den Spiegel schauen und jeden Morgen wieder gerne in den Job gehen. 

Wenn es wie jetzt gerade aber mal längere Durststrecken gibt, vergisst er das und fängt an, sich mit Menschen zu vergleichen, denen das Verkaufen im Blut liegt und die quasi auf Abschluss programmiert sind. 

Dem gedachten „Hier jeht heute nüscht“ folgt dann – Überraschung! - ganz schnell das tatsächliche miese Ergebnis = Null Abschluss. 

Darüber sprechend war er eher stockig und bockig und meine zarten Impulse, doch mal so und so und ganz anders an die Sache heran zu gehen wurden logischerweise erstmal abgewehrt: „Dit machen die (Kunden) nicht!!!“ 

Gut, also erstmal Themenwechsel. 

Wie schon erwähnt, hatte Herbert aufgrund seiner technischen Begabung unter anderem einen großen Faible für gemeinhin eher sperrige Themen wie zum Beispiel Frequenzen und Klangmuster und liebte es, in seinem Arbeits-/Musikzimmer zwischen und mit seinen vielen Boxen zu experimentieren – zum Leidwesen seiner Frau. 

Als er von mir ermuntert mehr darüber erzählte, hellte sich sein Gesicht auf, Bewegung kam in den Mann, mit Händen und Füßen malte er mir Unwissende in den schillerndsten Farben einen Klangteppich, in den ich eintauchen und spüren, sehen und auch hören konnte. 

Nur ein kleiner Schritt war es dann thematisch noch hinüber zur von uns Beiden geliebten Elbphilharmonie, die sich ja bei aller architektonischen Raffinesse klangmässig leider als Desaster entpuppt habe. 
Und Herbert wusste auch das absolut präzise und mit Verve zu erklären. 

Der Kerl war im Flow, geöffnet und quicklebendig in seinem Element. Von dem in sich zurück gezogenen, genervten und auf „geht nicht“ gepolten Mann war nichts mehr übrig. Für mich das Signal, den Ball sanft aber präzise nun nochmal richtig ins WEIT geöffnete Tor zu schießen. 

Wieviel gibt es, dass wir uns mit unserem rational-logischen Verstand nicht vor-stellen können … einfach weil uns das innere Vor-Bild dazu fehlt. 

Und wieviele Menschen gibt es, die zum einen über diese Fähigkeit des sich vor-stellens verfügen, die aber mehr noch den unerschütterlichen Glauben daran haben, dass ihre Vor-Stellung genau so auch in der Realität funktionieren wird … so wie ein Komponist eine Idee, ein Gefühl in Noten übersetzt und daraus eine bezaubernde Klangwelt entstehen lässt. 

Oder ein Architekt, der ein Gebäude nicht nur funktional aus dem Kopf in die manifeste Realität bringt, sondern im besten Falle aus der Melange von Phantasie, Statik, fester Überzeugung und Können nahezu schwerelose Formen erschafft, die das Gefühl von anderen Welten vermitteln, von Weite, von Atmos - Sphären, von Möglichkeits(t)räumen. 

Menschen, die das umsetzen, was sich andere eben nicht mal vor-stellen können.

Menschen, die in uns neue Räume eröffnen. 

Neue Räume des Sehens, Hörens, Fühlens. 

Neue Räume des Staunens, des Be-Greifens, des berührt seins. 

Neue Räume und Perspektiven dessen, was möglich und machbar ist. 

Die unsere althergebrachten Meinungen dazu vielleicht komplett auf den Kopf stellen. 

Neue Perspektiven dahingehend, was es heisst, seinem Traum zu folgen und entgegen aller Unkenrufe von inneren und äußeren Kritikern einfach immer weiter zu machen. 

An sich zu glauben. 

Und das auch anderen Menschen nahe zu bringen. Auch diesen mit dem eigenen Tun eine grössere, leichtere Welt nahe zu bringen, in der vielleicht Dinge gehen, die bislang unmöglich schienen. 

Und das, ganz ehrlich, auch wenn das manch einer jetzt als freveligen Vergleich empfinden mag, ist in der Kunst, in der Architektur, in der Musik und anderswo genau das Gleiche wie im Vertrieb. 

Hier werden neue Welten mit Worten und Stimmungen gebaut. 


Vor allem aber mit dem, was nicht gesagt wird, das aber dennoch zu hören ist. 

Zu spüren und zu sehen ist. 

Mit dem, was uns als Mensch jenseits unserer Rolle und unseres Tuns ausmacht. 

Das ganz tief in uns drin steckt und doch auf der für beide richtigen Frequenz wahrnehmbar ist. 


Herbert war gebannt. 

Und ich auch, ich gebe es zu. 

Denn es macht immer wieder so Freude, Menschen aus den Sackgassen, in die sie sich kurz verirrt haben, heraus zu manövrieren und ihnen dabei zu zuschauen, wie sie sich voller Elan und mit neuer Lust an die Aufgaben machen, die die gleichen geblieben sind.

Doch ist die Sicht darauf eine andere geworden. 

Es ist nichts mehr, was „nicht geht“ und deshalb einengt und klein, stumpf und müde macht, sondern es ist wieder zu einer inspirierenden Herausforderung geworden. 

Und bleibt es auch, wenn man es schafft, im Modus des neugierigen Entdeckers und behutsamen Aufschließers zu bleiben. 

Wenn man es schafft, offen zu bleiben für all die Facetten, die das Leben zu bieten hat. 

Herbert und ich konnten uns erst nicht so ganz entscheiden, ob Oscar Niemeyer oder dann doch Zaha Hadid das Rennen in unseren Köpfen macht, dahingehend, wer die größeren und abgefahrendsten Räume im Außen wie im Inneren geschaffen hat. 

Ganz knapp hat Zaha das Rennen gemacht. 

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Wenn Du auch neue Räume in dir öffnen willst und lernen willst, wie Du dich selbst, dein Unternehmen und andere in Würde führst, dann melde dich bei mir: info@brainopen.de, 0173/873 42 78 


Text: © Manuela Dobrileit, brain open - Akademie für würdevolle Führungskunst ®, 2019.

Foto: © Google Pictures - Phaeno Science Center by Zaha Hadid, Wolfsburg/Deutschland. 



Über Scham, die Einsamkeit der Leader und ein Missverständnis 

Seitdem ich in meiner Arbeit meinen Fokus verlagert habe und mit meiner Akademie für würdevolle Führungskunst ® an den Start gegangen bin, melden sich verstärkt Business-Menschen mit zum Teil sehr persönlichen Anliegen bei mir. 

Meist Männer, aber auch Frauen. 

Gestandene Persönlichkeiten, die viel Verantwortung und so manche Last auf ihren Schultern tragen. Manchmal kommen sie mit Themen, die im Alltag nicht nur nicht keinen Platz haben, sondern die sich die Betreffenden oft fast selbst zu denken verbieten, geschweige denn sie vor anderen auszusprechen. 


Gerade in traditionellen Unternehmensstrukturen gilt nach wie vor das Bild des besonnenen, smarten und auch nach 12 Stunden auf den Füßen stets gut gelaunten Leaders, dessen Luft immer dünner wird, je höher er auf der Karriereleiter nach oben steigt. 

Die an sich ja wunderbare „Lösungsorientierung“ ist allein sprachlich das Allheilmittel, das Wort „Problem“ ist verboten. 

Leader denken schließlich in Lösungen und Möglichkeiten. 

Soweit die Theorie. 

Es kann nicht sein, was nicht sein darf. 

Gefühle und Emotionen, negative gar – Igitt! 


Nahbarkeit, sich menschlich zeigen und vielleicht sogar mal zugeben, dass man die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen hat, gilt nach wie vor als Schwäche und fördert, dass man(n) sich irgendwann selbst in seiner ganzen blablabla -Wir-sprechen-viel-und-sagen-nichts-Floskelei zurecht gebastelten Funktionsmaskerade kaum noch wieder erkennt. 

Scheinkommunikation in einer Scheinwelt. 

Auch wenn das korrekt einchoreografierte Lächeln nach wie vor perfekt sitzt, innen drin beginnt es zu toben. 


Aber wer tobt da drinnen? 

Neben der Wut, dem Ärger, der Verzweiflung, der Angst oder der Ohnmacht? 

Eine alte Bekannte. 

Darf ich vorstellen? 

Gestatten, SCHAM mein Name. 

Auch wenn Sie mich verleugnen, Sie kennen mich gut. 

Und ich werde treu an Ihrer Seite bleiben. 

Ich bin eine verlässliche Dienerin. 

Jeden Tag bin ich für Sie da, wenn es sein muss rund um die Uhr. 


Ich bin die, die Sie spüren, wenn Sie jeden Tag aufs Neue in die nun schon x Mal gespielte Schmierenkomödie einsteigen. 

Nur noch einmal. 

Morgen mach ich es wirklich. 

Morgen steige ich aus. 

Den Ausstieg aus der inneren Zwickmühle gestalten meine Kunden dann häufig leider  nicht selbst, sondern das Leben nimmt ihnen diese Entscheidung ab. 

Der innere Druck wird irgendwann einfach zu groß und wie bei einem Dampfkochtopf fliegt das  Überdruckventil scheppernd durch die Küche. 

Im schlimmsten Falle heisst das, dass ihnen in einem oder mehreren Bereichen ihr Leben schon um die Ohren zu fliegen beginnt: Karriere, Gesundheit, Familie, Partnerschaft, Finanzen … 

Im besseren Falle heisst es, dass sie einen inneren Ruck spüren, sich in diesem Moment ein Herz fassen und den Kontakt zu mir aufnehmen. 

SIE bahnt sich ihren Weg. 

Die innere Wahrheit. 

Mithilfe des Mutes und der unbändigen Lebenskraft, die in uns allen schlummert. 

Die wir nur manchmal so weit begraben haben unter So-muss-man-leben- & So-musst-Du-arbeiten-Müll. 


Für Manche ist das der Einstieg in ein neues Leben. 

Kein einfacher Schritt, doch befreiend, klärend und erleichternd. 

Neue Kräfte werden spürbar, Visionen wieder fühlbar, es beginnt wieder zu fließen. 

 

Für Andere verschärft sich die Lage nach der Kontaktaufnahme, denn ihr vermeintlicher Wagemut wird von einer alten Bekannten penibel beobachtet und meist ganz und gar nicht gut geheißen. 

… 

Gestatten, SCHAM mein Name. 

Wir kennen uns eigentlich und ich war mir sicher, dass ich mich seinerzeit deutlich ausgedrückt hatte: Hier läuft nichts ohne mich!!!

… 

Es kann sein, dass Du, wenn Du den gläsernen Kokon der Perfektion, der Unnahbarkeit und des stets gut gelaunten allround Meister Propper einmal durchstoßen hast, wieder von deiner Scham eingeholt wirst. 

Das Du dich vor deiner eigenen Courage erschreckst und auf Tauchstation gehst. 

Das Du verwünscht, je darüber gesprochen zu haben. 

Das Du dich auf einmal so unsicher fühlst, dass Du erst einmal in deinen smarten Funktionsmasken-Anzug zurück musst, um dich zu sammeln. 

Deine in Dir umherfliegenden Einzelteile wieder zusammenzufügen. 

Das ist ok. 

Das ist sogar sehr gut. 

Das zeigt, dass Du lebst. 

Dass es in dir arbeitet. 

Und es zeigt, dass Du so grossen Stress in dir spürst, dass der Rückzug zunächst für dich als der einzig gangbare Weg scheint. 

Lass Dir gesagt sein, dass Du nicht als Einziger auf dieser Welt dieses Gefühl empfindest. Auch wenn Du dich wie der Einzige auf dieser Welt damit fühlst. 

Doch das ist nicht die Wahrheit. 

Sondern eine Meisterleistung in Verdrängung. 

Und Abbild eines durch und durch mechanistisch geprägten Leistungsideals. 

Doch Du … bist ein Mensch. 

Darfst fühlen. 

Fühlst. 

Bist durchlässig. 

Noch. 

Erreichbar. 

Verwundbar. 

Beschämbar. 

Alles, nur kein kalter Fisch. 

Scham ist nichts, wofür Du dich schämen musst. 

Scham ist oft Ausdruck tieferer, unerfüllter Bedürfnisse. 

Quasi die Verpackung für viel brachialere Gefühle, die womöglich schon lange in dir schwelen und die darauf warten, endlich aus Dir herausbrechen zu dürfen. 

Du musst nicht erst deine Scham an die Leine nehmen, um dann endlich dein „eigentliches“ Problem mit mir lösen zu können. 

Bringe sie doch einfach mit, deine Scham. 

Sie ist herzlich willkommen. 

Lass uns gemeinsam mit ihr einen Tee trinken und hören, was sie zu sagen hat. 

Manchmal löst sich sogar dein Ursprungsanliegen gleich mit auf, wenn wir der Stimme der Scham und den anderen, lange unterdrückten Stimmen in dir in Ruhe zuhören und den Raum geben, den sie benötigen. 

Text: © Manuela Dobrileit – Akademie für würdevolle Führungskunst ®, 2019.

Foto: © Pexels


An die Funktionspersönlichkeit und die tief vergrabene Stimme in deren Brust 

Du hast noch nie in eine Schublade gepasst, 

starre Schablonen und Strukturen engen dich ein, 

vorgefertigte Prozesse öden dich an, 

Allgemeinplätze und jegliches „das macht man aber so“ ist Dir zuwider. 


Und trotzdem hast Du das Spiel so lange mitgespielt. 

Spielst es immer noch, wenngleich Dir schon beim Gedanken daran übel wird und 

dein Körper Dir eindeutige Signale sendet. 


Du spielst immer weiter und weiter. 

Verrätst nicht nur die, in deren Dienst Du stehst. 

Nein, Du verrätst vor allem dich selbst. 

Jeden Tag aufs Neue. 

Wieder und wieder. 


Aber was soll ich denn machen, fragst Du. 

Die Kinder müssen zu essen haben. 

Das Haus will abbezahlt sein. 

Die Altersvorsorge bedient sein. 

Es muss doch alles seine Ordnung haben, denkst Du. 


Und doch bäumt es sich in Dir auf. 

Was ist das für eine ORDNUNG?

Und welchen Preis hat sie? 

Es ist ein Spiel. 

Du weißt, dass es ein Spiel ist, indem Du nicht gewinnen kannst. 

Ein Spiel, in dem niemand gewinnen kann. 

Dieses Spiel bringt nur Verlierer hervor. 

Wofür ist es dann da, fragst Du. 

Warum spielen es so viele, fast alle. 

Nun, vielleicht um abzulenken, von dem worum es eigentlich geht. 

Deine innere Stimme zu übertönen oder ganz zum Schweigen zu bringen, auf dass Du hoffentlich fleissig weiter rennst in dem Spiel, das Du LEBEN nennst, dass sich aber schon so lange ganz und gar nicht mehr lebendig anfühlt. 


In Dir pocht es, Du willst so gerne raus, aber Du hast Angst. 

Unendliche Angst, was da wohl zum Vorschein kommen möge. 

Du bist längst gelangweilt von deinen eigenen scheinbar triftigen Ausreden, die nur von deiner tiefen Verzweiflung ablenken sollen und dich weiter im Spiel halten. 


Aber Du willst leben, WIRKLICH leben. 

Mit allen Sinnen er-leben, mit jeder Faser spüren. 

Nicht mehr nur Funktionieren, sondern Sein. 


Lebenslust geniessen. 

Freude. 

Flow. 

Pur. 

Unverstellt. 

Klar. 

Mutig. 


Auf dass die Dinge ins Fließen kommen 

und auch Du 

dich aus deiner Erstarrung lösen kannst, 

deine Masken abnehmen kannst. 


Dir wieder erlauben kannst, GANZ DU zu sein. 

Und nicht nur der gewünschte, sozial und wirtschaftlich akzeptierte Teil. 

Nicht mehr im Funktionsmodus. 

Sondern in deiner ganzen Pracht

aus den Vollen schöpfst. 


In Dir angekommen, 

mit Dir verbunden. 


FREI. 


Der Weg dahin ist im ersten Augenblick 

kein Spaziergang. 


Denn Du darfst zunächst die Langsamkeit lernen. 

Das Stehenbleiben. 

Das Inne halten. 


Etwas für erfahrene Wander*innen. 

Das bin ich für Dich. 


Ich habe das alles durch und kenne deine Sehnsucht, 

weiß genau, wie sie sich anfühlt. 

Wie Du dich an-fühlst im Moment. 


Und wie sehr Du dich nach Lebendigkeit hinter dieser Erstarrung sehnst. 

Ich bin eine erfahrene Wanderin und begleite dich voller Hingabe und mit Herz, Hirn und bodenständigem Humor auf deinem Weg. 


Hin zu deiner Lebendigkeit, 

deiner Würde, 

deiner Liebe zu dir selbst. 


Mach dir dieses Geschenk und halte die Zeit an. 

Du bestimmst, für wie lange. 

Hauptsache anhalten. 


Steige aus dem alten Spiel aus. 

Und entdecke dich, 

deine Kraft und 

deine Liebe zu Dir selbst

völlig neu. 

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Wenn Du dich neu entdecken und in Würde führen lernen willst, dann melde dich bei mir: info@brainopen.de o. 0173/873 42 89. 

Manuela Dobrileit, brain open - Akademie für würdevolle Führungskunst ® 2019

Foto: © Google Pics, Meret Oppenheim „Die Steinfrau“, 1938. 


Back to the roots

Am Anfang hatte ich ein wenig Mühe, mit ihm Schritt zu halten. 

Oder er mit mir? 

Es brauchte ein wenig, bis Herr B., ein großer, stattlicher Mann, nicht nur verstanden sondern auch verinnerlicht hatte, dass das heute kein leistungsorientierter Wettlauf durch den Wald wird. 

Nicht desto Trotz war das zunächst Schritt halten mit ihm und seiner fast doppelt so langen Schrittlänge ein Aspekt, um ihn in seiner Stimmung und seinem Wesen abzuholen und überhaupt erst mal anzudocken. 

„Nen forschen Schritt ham Se ja drauf!“ meinte er. 

Nicht, dass der forsche Schritt Standard wäre an einem Krafttag in der Natur. Doch manchmal ist es anfangs wichtig, sich in Tempo, Rhythmus, Atmung im Äußeren aneinander anzugleichen um dem Anvertrauten zu ermöglichen, sich innerlich zu harmonisieren und ihn Schritt für Schritt :) in einen anderen, funktionaleren Modus zu überführen. 


In der Fachsprache nennt man das übrigens pacing & leading :) 

Zunächst war er ja sehr skeptisch gewesen. 

Im vorab geführten Telefonat klang er fast ein wenig spöttisch: Er halte das ja alles für Quatsch, Zeit und Energieverschwendung, aber naja nun, was tue man nicht alles, um im Job gut zu funktionieren und seine Ruhe zu haben. 

Nach fast 2 Jahrzehnten im Geschäft weiß ich, dass es oft so beginnt und dass sich hinter der scheinbar so abgeklärten Fassade ein warmherziger Mensch verbirgt, der sich einfach  und manchmal unbemerkt über die Jahre einen Schutzpanzer angezogen hat. 

Ganz oft ist diese Eingangssequenz auch ein Test, um das Gegenüber genauer kennen zu lernen und herauszufinden, wie es reagiert und ob es vertrauenswürdig ist. 

Nun, wir kamen recht schnell ins Gespräch, Herr B. und ich. 

Er wollte im Coaching mit mir herausfinden, wie er mit seinem Kollegen, mit dem er eine Facharztpraxis führte, besser zurechtkommen könne. Herr B. war vor knapp 2 Jahren in die Praxis eingestiegen, sein Kollege habe diese einst aufgebaut und würde diese in den nächsten 2 Jahren verlassen um in den Ruhestand gehen. 

Es ruckele oft stark im Gebälk zwischen den Beiden. Das zerre unnötig an den Nerven und verschleisse zudem viel Kraft und Zeit und manches Mal auch Geld. 

Es wurde schnell deutlich, dass hier Tradition und Gewohnheitsmuster in Persona des gestandenen Praxisinhabers auf Innovation in teilweise brachialer Form eines Herrn B. prallten. 

Ich erfuhr allerhand über ihn … wie alles so losgegangen war mit seinem beruflichen Weg. Das er sich das Studium bzw. die Voraussetzungen dafür hatte hart erkämpfen müssen, da er als kleiner Junge und später auch als Jugendlicher in der Schule nicht zurecht gekommen war. Von damaligen Lehrern formulierte Sätze wie z.B. „Aus dir wird nie was!“ steckten ihm emotional noch immer in den Knochen. 

Über die Abendschule hatte er sein Abitur nachgeholt und sich mit viel Geduld und Spucke hochgearbeitet. Hatte die harte Schule im Innenleben verschiedener Krankenhäuser mit ihren militärisch anmutenden Strukturen und Hierarchien hinter sich gebracht und auch hier trotz seines mittlerweile Oberarztstatus immer wieder erlebt, was ihm schon aus früheren Jahren vertraut war: Drangsaliert werden, vor versammelter Mannschaft gedemütigt werden und immer wieder aufs Abstellgleis geschoben werden, indem man ihn z.B. einfach aus dem OP-Plan  strich. 

„Ich war die best bezahlteste Verwaltungskraft Deutschlands.“ sagte er über diese Zeit mit viel Bitterkeit in der Stimme. 

Überhaupt seine Stimme und seine Sprache: Hier kamen viele kämpferische und kriegerische Metaphern zum Vorschein mit zum Teil martialischer Terminologie. Eine subtile Bewunderung und Ehrfurcht vor starken Führungspersonen mit dem gewissen Etwas fiel mir auf. Der Grundton seiner Stimme und seine Formulierungen waren tendenziell eher pessimistisch, doch für den geübt zwischen den Zeilen Wahrnehmenden war dahinter viel Hoffnung und Wärme spürbar.

Er erzählte mir, dass er vom Sternbild her Zwilling sei … 2 Seiten einer Medaille. Das Rationale, Unterkühlte, Distanzierte, leicht Zynische und damit schnell arrogant Wirkende auf der einen Seite. Auf der anderen Seite warmherzig, ehrlich, humorvoll, zugewandt, durchaus empfänglich für Rückmeldung über seine Wirkung und interessiert an korrigierenden Erfahrungen, wie er sich ausdrückte. 

Die in Sprache und Habitus raue Schale hatte er sich irgendwann aus Angst vor weiteren Verletzungen zugelegt und wie einen Schutzschild immer schon im Vorfeld schön fest umgeschnallt. 

Man weiß ja nie. 

… 

Übers beständige Laufen, Sprechen, Reflektieren und unvermittelt stehen bleiben um inne zu halten, fing er ganz langsam an, die Parallelen zu sehen. Fing an zu verstehen, was sein Verhalten, seine Schutzmechanismen und „Panzerkommunikation“ damit zu tun hat, dass sein Umfeld heute so auf ihn reagiert und er sich 40 Jahre später in einer Rolle wiederfindet, die er lange überwunden glaubte.

Er erzählte mir, dass er schon früher als Student und noch früher, als er in seinem ersten Beruf nicht viel Geld hatte, an den Wochenenden und zwischendurch zum Runterkommen oft stundenlang durch den Wald gewandert sei. Das habe ihm sehr geholfen und wie er glaubte, wesentlich dazu beigetragen, dass er (psychisch) gesund geblieben sei.  

Als er ein kleiner Junge gewesen war, sei sein Opa der Einzige gewesen, der sich für ihn interessiert, ihm vieles gezeigt und ihn oft zu stundenlangen Spaziergängen in den Wald mitgenommen hätte. Er habe viel gelernt dabei und erinnere diese Zeit als sehr besonders und in der Erinnerung sehr verbunden mit seinem Großvater. 

Lange habe er das nicht mehr gemacht, das Wandern und ziellose Herumstreifen im Wald. 

Nun spüre er wieder, wie gut ihm das tut und wie er sich „synchronisiert“, so seine Worte. Er finde in seinen inneren Rhythmus und sein „inneres Summen“ zurück. 

Und das ist es, was mir fast alle meiner Kunden erzählen, mit denen ich so einen Tag in der Natur, im Wald verbringe. 

Sie finden sich in einem anderen Zustand, in einer anderen, lange nicht mehr gespürten Version seiner selbst wieder, wenn sie sich trauen, für einen Tag aus dem leistungsorientierten Funktionsmodus auszusteigen. 

Sie gewinnen Abstand und einen anderen Zugang zu den mitgebrachten Problemen aus dem Alltag. 

Lösungsideen, auf die sie beim angestrengten Sitzen und Grübeln im geschlossenen Raum nicht gekommen wären, bahnen sich durch die gleichmässige Bewegung und dem achtsamen Gehen an der frischen Luft ihren Weg.  

Es findet eine Fokusverschiebung und ein kompletter, innerer System-Reset statt. 

Weg von den 1000 Dingen im Außen wieder ganz zu sich selbst nach Innen. 

Aus dem äußeren Leistungsprinzip des ständigen TUNS in den inneren Modus des SEINS. 

Sich selbst einmal wieder GANZ und in Ruhe ohne Hetze und Getriebensein wahrnehmen. 

All das achtsam wahrnehmen, wofür im Alltag oft keine Zeit ist: Pflanzen und Kräuter am Wegesrand, Tiere, das Singen der Vögel und vieles mehr. 

Die würzige Waldluft riechen, richtig darin baden. 

Sich insgesamt ganz bewusst mit allen Sinnen innerlich auffüllen. 

Meinem Herrn B. wurde an diesem Tag bewusst, welchen Anteil er an den Auseinander-setzungen mit seinem Kompagnon hatte und wie er unbewusst seine Muster von Verteidigung und Kampf in die alltägliche Kommunikation mit hereinbrachte. Dazu kam, dass es ihm irrsinnig schwerfiel, andere wert zu schätzen - offenbar, da er dies selbst von anderen bislang ebenso wenig erfahren hatte. 

Doch war ihm auch klar, dass das biblische Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ irgendwie nicht weiterbringt. 

Sondern? 

Es galt zunächst, den Verteidigungsmodus auszuschalten, sich zu öffnen und weicher werden. (Sprachlich) zu akzeptieren und zu verbinden statt immer wieder zu trennen. Das Muster, das er immer wieder erfahren und erlebt hatte und das sich in sein Erleben genauso wie in sein Denken und seine Sprache eingebrannt hatte, galt es zu verlernen und statt dessen in eine neue Form des Denkens, Fühlens und Handelns zu überführen.

Genau genommen ging es um eine komplett neue innere Haltung. 

Eine Haltung, die den Fokus auf das richtet, was gut läuft und was schätzenswert ist. Die das Vorhandene würdigt, um es sukzessive für alle Beteiligten in verträglichen Dosen zu ergänzen, zu korrigieren, zu wandeln. 

Eine Haltung, die die Lebensleistung des Altvorderen anerkennt, statt diese zu demontieren. 

Und somit auch nicht wie ein Schießhund auf den kleinsten Fehler zu lauern sondern zu leben und leben zu lassen. 

Sich seiner selbst in der Tiefe bewusst werden und darüber die anfänglich unbewusste Tendenz des Ego nach fortwährender Selbstbestätigung aushebeln. Den eigenen und den Wert des anderen an-er-kennen, um diese Tendenz der beständigen unbewußten Selbsterhöhung schlussendlich aufzugeben, da dieser Mangel überwunden ist. 

Endlich genug Vertrauen in sich und in den Anderen aufgebaut werden konnte. 

Um es kurz zu machen: So überflüssig, wie Herr B. eingangs befürchtet hatte, war das Coaching dann wohl nicht :) 


Oft gibt es falsche Vorstellungen von Coaching und die Befürchtung, dass einem ein neues Lebensmodell quasi übergestülpt wird oder einem das Hirn gewaschen und weichgespült wird. 

Ich darf dich beruhigen - never ever. Es geht immer darum, den Klienten in seiner Lebenswelt zu erkennen, zu verstehen und für diese Lebenswelt neue Wege zu entwickeln. 

Und da ist für Manche so ein Tag im Wald absolut ausreichend, um wieder auf die Werkseinstellung zu kommen. 

Andere buchen wie Herr B. noch einen Kurs in „Würdevoller Kommunikation“ mit mir, weil er die Erkenntnisse nun tatsächlich in die Umsetzung bringen will und weiß, dass es mit einem Sparringpartner schneller und einfacher voran geht. 

Wieder andere wiederholen den Krafttag einmal im Quartal oder einmal im Jahr und manche nehmen den Tag im Wald als Anlass, sich ein ganzes Jahr von mir würdevoll führen zu lassen und dies eben selbst für sich und für die Menschen um sie herum zu lernen. 

Finde selbst heraus, was für dich wichtig und gut ist. 

Definitiv lernst Du schon an diesem einen Tag das, was wirklich wichtig ist, um dich selbst auch in Zukunft in Würde zu führen. Das erfährst Du weder auf einem Krawatten-Meeting noch auf dem Tennisplatz oder im Wellnesshotel. 

Herr B. hat übrigens neben dem Kommunikationskurs mit mir weitere Sitzungen  - dieses Mal online - für den Transfer gebucht. 

Regelmässig einmal im Quartal möchte er geführt mit mir losgehen, um Aufgestautes loslassen zu können, einen Reset zu machen und neue Ideen zu bekommen. Quasi wie eine regelmäßige kleine Durchsicht :) 


Und er möchte selbst wieder häufiger in den Wald gehen. 

Und wenn es auch nur für ein paar Minuten ist. 

Melde dich bei mir, wenn auch Du Dir gerne deinen Krafttag im Wald schenken möchtest.


Aalglatt und porentief rein oder: Wir detoxen uns zu Tode.

Der Frühling ist da, es summt und brummt, die Fenster werden allerorts gewienert und die Waschanlagen sind voll mit des Deutschen angeblich liebstem Spielzeug.

Die Parks sind schon frühmorgens ganz voll mit ganz vorbildlichen Sportlern, die den über den Winter etwas schluffig gewordenen Body wieder mit eiserner Disziplin in shape bringen. 

Es wird gelaufen und gerannt und gesportelt und geputzt und geschrubbt und ausgemistet und poliert und natürlich ganz waaaaaahnsinnig gedetoxt. 

Wir entrümpeln, auch unseren Körper. 

Entgiften, entschlacken, lassen los, werfen ab. 

Peelen, massieren, zupfen, bleachen, straffen, modellieren, drangsalieren.


Und ja, vielleicht pimpen wir auch unser Mindset. 

Stecken uns dolle Ziele, wollen hoch hinaus. Verkünden das sogar öffentlich, damit der Winterbody-Schweinehund und dessen Mindfuck-Schweineschwester erst gar keine Chance hat. 

Damit sind wir dann schon ganz schön fortschrittlich. 

Wir fokussieren und eliminieren und optimieren und committen uns bis sonst wohin. 


Ich als alte Vertriebstante kenne das selbst noch ganz genau. 

Woche für Woche lächelnd 60-70 Stunden Wochen getreu dem Motto: 

Was uns nicht umbringt, macht uns hart. 

Davon mindestens 50% verschwendete Zeit infolge von unterschwelligen Befindlichkeiten, Demotivation, Profilneurosen, Powerpoint-Folter-Marathons und schier endlosen und genauso sinnlosen Meetings, Meetings, Meetings … 


Gemeinsam mit den ganzen anderen Krawattenheinis und Kostümelfen war auch ich immer in meiner schicken Business-Uniform unterwegs. Feinste Stöffchen, die schärfsten High Heels, der ausgefallenste Schmuck, die prestigeträchtigste Handtasche, der röteste Lippenstift, das teuerste Parfüm. 

Von Chanel, versteht sich. 

Genau genommen war das meine Rüstung. Mein Panzer. Nur der hat es mir wahrscheinlich ermöglicht, halbwegs unbeschadet durch den Tag zu kommen. 

Busy sein war en vogue … ein ganz eigener Kosmos, indem selbst denken und gar selbst fühlen nicht wirklich erwünscht war - auch wenn das selbstredend ganz anders kommuniziert wurde. 

Schenkelklopfende Witzchen a la „Das Leben ist kein Ponyhof“ oder „Wochenende ist für Weicheier“ waren noch die harmloseren der ach so lustigen Sprüche, die die dortige Kultur mehr bestimmt haben, als uns allen, auch mir, seinerzeit bewusst war. Nach 10 Stunden nach Hause zu gehen, galt als „Teilzeit-Job.“

Lange, lange haben ich und viele andere das wirklich selbst geglaubt, wohl weil wir zu viel Angst hatten. 

Zu viel Angst davor, 

  • Was passiert, wenn ich dieses verlogene, sinnlose Scheiss-Spiel nicht mehr länger mitmache? 

  • Was passiert, wenn ich einfach nicht mehr mitrenne in diesem völlig hirnverbrannten Schweinsgalopp? 

  • Was passiert, wenn ich anfange, mir Fragen zu stellen? 

  • Was passiert, wenn ich mir eingestehe, dass das alles ein Wahnsinn ist. 

Hinter den Fassaden bröckelte es. 

Erst bei den anderen – da ist es meist leicht, die Veränderungen zu erkennen, die man an sich selbst noch lange nicht sehen will: ein Kollege fing das Saufen an, eine Kollegin brach zusammen und war stillschweigend von heute auf morgen weg vom Fenster, andere trennten sich und verloren nicht nur Haus und Hof, sondern viel schlimmer Familie, Partner*in und Kinder und damit den letzten Halt. 

Manch einer verlor seine Gesundheit. 

Ich habe das Spiel immer weiter mitgespielt. Aus lauter Angst, nichts mehr wert zu sein, wenn ich nichts mehr leiste!

Bis zu jenem Tag im Frühsommer 2004, als ich nach einem Luxuseinkauf auf unserem Kiezmarkt auf den eben erstandenen, sündhaft teuren Blumenstrauss schaute und etwas in mir spürte, dass ich bis dato noch nicht kannte: 

Ich konnte mich nicht mehr freuen. 

Ein nie gekanntes Gefühl der Leere war in mir. 

Ich war mir selbst auf einmal so fremd. 

Und zum ersten Mal wusste ich, was es heißt, wirklich neben sich zu stehen. 

Aber was tut eine beflissene Zinnsoldatin?! 

Richtig! Weitermachen! 

Dafür gabs schließlich vermeintlich Anerkennung. 


Ich hatte immer noch nicht genug. Und das Universum musste noch eins draufsetzen, damit ich es endlich schnalle. 

Ich musste erst auf der Arbeit vor allen anderen heulend zusammenbrechen, um endlich die Reißleine zu ziehen. 

Ich, die immer die Fahne hochgehalten hatte. Die immer ein lockeres Sprüchlein auf den Lippen hatte, ein Witzchen in der Tasche, einen aufmunternden Tipp. 

Ich, die immer gedacht hatte, es sei nur eine Frage der Einstellung, wie belastbar man sei. 

Ich, die die mahnende Stimme im Inneren immer beiseitegeschoben hatte in der Annahme, da möchte sich doch nur eine Ausrede rein schummeln. 

Ich, die sich immer nur über „Machen“ definiert hatte als über „Sein“.


Wer war ich schon, wenn ich nichts tat? 

Ein Nichts. 

So habe ich mich gefühlt. 

Kalt, abgestorben, gefühllos. 

Haltlos durchs Nirvana trudelnd. 

Schulterzucken und „ist mir doch egal“ waren die einzigen Zustandsbekundungen, die ich lange Zeit zu geben in der Lage war. 

Keine Lebensfreude mehr, kein Lebenswillen mehr. 

Ich kann dir nicht mal mehr sagen, warum ich mich damals nicht einfach umgebracht habe. 

Es schien so greifbar. Und eigentlich auch erleichternd. Vielleicht konnte ich mich selbst dazu nicht mal aufraffen. 


Ein halbes Jahr zugezogene Vorhänge, dunkle Gedanken. 

Quälende, zähe Gespräche mit dem Therapeuten. 

Fragen, die meinen Anteil an der Situation ins Blickfeld rückten. 

Meinen Anteil?! Nicht mal mehr Opfer darf man in Ruhe sein!!!!

Bunte Pillen zum Glück nur ganz kurz … 

Eine fast gescheiterte Beziehung. 

Ein Job, von dem ich wusste, dass ich dort nicht mehr zurück konnte und wollte. 

Eine diffuse Angst davor, nicht wieder richtig auf die Beine zu kommen. 

Keine Zukunft zu haben. 


Da hatte ich so viel getan, um meine Oberfläche(n) immer so richtig schön blitzen und funkeln zu lassen. 

Hatte mich fokussiert und optimiert und committed und gedetoxt bis sonst wohin. 

Und doch hatte ich (mich) verloren. 

Den Überblick. 

Den Kontakt zu mir selbst. 

Meine Wurzeln. 

Meinen Glauben. 

Meine Zuversicht. 

Meinen Halt. 

Meine Würde. 

Ich war oberflächlich schön glänzend und in Wahrheit doch eine Schlampe. 

Hatte im akademisch-arroganten Omnipotenz- und Machbarkeitsmodus immer nur den Dreck beiseitegeschoben bzw. einfach ausgeblendet. 

Gelernt ist gelernt. 

Neuen Lippenstift aufgelegt und die lächelnde Funktionsmaske aufgesetzt.

Nie in der TIEFE Großreine gemacht. 

Mich belogen, verdrängt, verleugnet bis die Schwarte kracht, meine Seele verrotten lassen zwischen den ganzen emotionalen Leichen im Keller. 

Mich verraten. 

Auf dem sinkenden Kreuzfahrtschiff immer noch mal lächelnd ein paar Martinis ausgeschenkt und weiter entertained. Mich und alle anderen. 

Bis zum Untergang. 


Wasser saufen und durch den Schlamm waten, den ich mir vorher nie wirklich habe anschauen wollen, war angesagt. 

Das alles ist mittlerweile einige Jahre her. Ich habe in der Zwischenzeit viel gelernt und helfe heute Menschen und Unternehmen, sich selbst und ihr Unternehmen in Würde zu führen. Denn das ist genau das, was mir damals gefehlt hat. Die Würde mir selbst gegenüber zu bewahren, indem ich mir selbst zuhöre, mich ernst nehme, die Reißleine ziehe oder aber knallhart in die Konfrontation gehe. Weder das eine noch das andere habe ich damals gemacht, habe zu lange mit Allem gewartet, immer gedacht: „Ich schaffe das schon“ oder aber „Es wird sich schon noch ändern.“ 

Was für ein Bullshit. 

Nichts wird sich ändern, wenn Du dich nicht änderst. Änderst Du dich, ändert sich alles. 

Nicht von mir, aber sowas von auf den Punkt. 

Das Thema ist zu wichtig und gleichermaßen zu sensibel, um es laut marktschreierisch unter die Massen zu werfen. 

Denn wer gibt schon gerne zu, dass ihm oder ihr das Wasser bis zum Hals steht? 

Dass er oder sie nicht mehr weiß, wie der Tag überstanden werden soll? 

Dass einfach eins zum anderen kommt, jeden Tag eine Schippe mehr. 

Solange bis Mann oder Frau unter der inneren Last zusammenbricht. 

Dass die Gesundheit schon streikt und die Familie auch. 


Dass das gesamte Leben sich im Augenblick einfach nur noch Scheisse anfühlt! 
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Deshalb erspare ich dir und mir an dieser Stelle die üblichen Floskeln. 

Schreib mir, wenn’s dein Thema ist: info@brainopen.de

PS. Wie ich mich im Detail aus der Misere hinausmanövriert habe und warum die würdevolle (Selbst)-Führung meine Mission geworden ist, erfährst Du in Kürze. 

© Manuela Dobrileit  

  brainopen - Akademie für würdevolle Führungskunst

Warum es mitunter recht einsam als Ananas unter Kartoffeln ist.

Vor einiger Zeit sprang mir im Telefoncoaching mit meiner Sparringpartnerin ein Bild in den Kopf, das ich seitdem nicht wieder loswerde.

Renate, eine lebens- und businesserfahrene, gestandene und weise Frau arbeitete mit mir an meiner Ahnenreihe und an den emotionalen Verstrickungen, die diese für mich auch in meinem heutigen Leben manchmal noch so mit sich bringt. Ein Thema, dass auch meine Kunden häufig unbewusst in ihrem Gepäck haben.

Loyalitätskonflikte stehen hier oft ganz oben auf der Tagesordnung. Das eigene Sein und Handeln wird unbewusst immer wieder in den Vergleich mit den Menschen gestellt, die uns sehr geprägt haben und mit denen wir oft auch in Liebe verbunden sind – oft in erster Linie unsere Eltern. Diese Gefühle kommen oft widersprüchlich daher und münden in innere Konflikte, die wir uns selbst oft nicht erklären können, wie zum Beispiel die Frustration darüber, dass wir hohe Ziele haben und dass es scheinbar aber in uns eine imaginäre Glasdecke gibt, die uns einfach ums Verrecken nicht weiter nach oben kommen lässt. Egal, wie wir uns abstrampeln, erreichen wir einfach nicht das nächste Level, in beruflicher, emotionaler, wirtschaftlicher, finanzieller Hinsicht oder what ever. Stagnation und Frustration sind die Folge. Das Gefühl, am liebsten alles hinschmeißen zu wollen. Das Gefühl, eben nicht gemacht zu sein für Großes. Das Gefühl unendlicher Erschöpfung verbunden mit dem Bedürfnis, am liebsten erstmal 3 Jahre nur zu schlafen.

Die pochende Existenzangst, die innerlich anklopft und die ewig gleiche Frage stellt: „Was ist, wenn du ES nicht schaffst = du nicht den nächsten Auftrag bekommst, du nicht die nächste Gehaltserhöhung ergatterst, du nicht deine Beziehung retten kannst, du nicht dein neues Businesslevel erreichst, du in deinem Unternehmen nicht endlich profitabel wirst, du nicht endlich deine Fähigkeiten so nach draußen bringst, wie es dir eigentlich entspricht und schon lange dein Plan ist ...“

Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen.

Bei genauerem Hinschauen und in der Zusammenarbeit mit einem Coach kommt oft raus, dass es die unbewussten Loyalitäten zu den Mitgliedern unserer Herkunftsfamilie sind, die uns am Vorankommen hindern, auch wenn diese sich vielleicht nichts sehnlicher gewünscht haben, als dass es uns besser gehen möge als es ihnen möglich war. Bei genauerer Analyse, zum Beispiel über eine Genogrammarbeit wird oft erst dann bewusst, dass der Betreffende in der Familie der/die Erste war, der ein bestimmtes (Aus-) bildungsniveau oder andere Meilensteine in seiner persönlichen Entwicklung erreicht hat, von denen die Generationen vorher nur träumen konnten oder die sie aus Furcht vor diesem oder jenen oder weil es „halt nicht die Zeit dafür war“, nicht in Angriff genommen haben.

Unbewusst will etwas in uns oft dann nicht „besser sein“ als unsere Vorfahren, aus Angst, energetisch aus dem Familien-Rudel raus zu fliegen, das uns (zumindest in unseren Träumen und Wünschen) Rückhalt, Sicherheit und Geborgenheit garantiert und damit ureigendste, existenzielle Bedürfnisse erfüllt.

Unterstützend im negativen Sinne wirken hier auch oft in der Kindheit gehörte Sätze und verinnerlichte Warnungen wie „Du willst wohl etwas Besseres sein“ oder „Denk bloß nicht, dass Du nur, weil Du Abitur hast, einen Job bekommen wirst ...“. Oft sieht man förmlich den erhobenen Zeigefinger noch vor sich oder hört noch die erhobene Stimme. Und auch wenn solche Glaubenssätze selten ganz bewusst das Ziel hatten, uns zu schädigen, machen sie doch in unserem tiefsten Innersten genau das und bringen die Botschaft immer wieder auf den Punkt: Bleib klein! Bei den Großen hast Du nichts verloren!

Oder wie es meine Sparringpartnerin so treffend in den Worten des bremsenden Familiensystems formulierte:

„Bilde dir bloß nicht ein, eine Ananas zu sein! Du bist keine Ananas! Du bist eine Kartoffel, also gehörst Du zu uns Kartoffeln und bleibst gefälligst hier!“

Wenn Du die nun wirklich wärst, dann wäre ja alles gut und es gäbe kein Problem. Doch ganz oft ist da eben mehr in uns. Wir spüren, dass wir anders als unsere Vorfahren aus unserem Kartoffel-Dasein rausgewachsen sind und mitten dabei sind, uns in unsere volle Blüte zu entwickeln. Wir sind keine Kartoffeln mehr, wir sind Ananas und werden als solche doch energetisch immer wieder von den inneren Kartoffelsätzen gelähmt, die uns bremsen, blockieren und unsere Selbstzweifel schüren. In schwachen Momenten, bei Schwierigkeiten, in Entwicklungsphasen oder wenn es mal nicht so läuft, fragen wir uns selbst: Bin ich eben doch Kartoffel und bilde mir diesen ganzen Ananas-Kram nur ein???

Ich kenne das alles nur zu gut.

Lange Zeit habe ich die Kartoffel-Formulierungen meiner Mutter sehr übel genommen und erst viel später verstehen können, warum sie so war und ihr erst noch viel später verzeihen können.

Den Ballast, gefühlt ewig auf der gleichen Entwicklungsstufe festzusitzen, hatte ich damit aber immer noch nicht gelöst, denn (unbewusste) Loyalitäten wirken zäh und nachhaltig, selbst wenn die auslösenden Personen schon gar nicht mehr am Leben sind.

Selbst wenn wir rational fertig sind mit dem Thema, es lange vom Kopf her verstanden und verziehen ist und wir es auch emotional für uns aufgearbeitet haben, kann es sein, dass wir energetisch darauf noch immer festhängen.

Ich wusste das längst, aber erst das Sprachbild von den Kartoffeln und der Ananas hat mich innerlich an dem Punkt erwischt, wo es nicht nur um das Verstehen geht, sondern darum, dass sich neben der Erkenntnis auch im inneren Erleben wirklich was ändern kann.

Dies ist immer insbesondere dann wichtig, wenn ein Teil von Dir wachsen und sich entwickeln will und Gas gibt und ein anderer Teil gleichzeitig die Handbremse fest anzieht.  Mit dem Ergebnis, dass Du mal wieder nicht wie gewünscht vorankommst, total erschöpft und ausgepowert bist und dich wie kurz vorm Motorschaden fühlst.

Ein Coach hilft dir dabei, diese Prozesse zu erkennen, zu verstehen und gemeinsam mit Dir deine inneren Bremser und Blockierer zu lösen und sukzessive zu Unterstützern zu wandeln.

Wenn Du es also satt hast, dass du in Wachstumsmomenten wie wichtigen Präsentationen, Aufstiegsgesprächen, Pitches mit Wettbewerbern etc. über die Maßen weiche Knie kriegst, deine Souveränität verlierst, Dir vor Angst in die Hosen machst und vielleicht im letzten Moment tatsächlich reiß aus nehmen möchtest, dann melde dich bei mir für einen kostenlosen, 30minütigen Energy Talk, indem wir deine persönlichen Bremsklötze aufspüren und Ideen dafür entwickeln, wie wir diese in wohlwollende Unterstützer für dich wandeln können.

Herzlichst, Manuela  

 

Warum es ein MUSS ist, Deine Altlasten aufzuarbeiten, wenn Du endlich mehr Kraft und Energie haben willst.

Weißt Du noch, was Du im Sommer 1989 gemacht hast?

Ich schon.

Es war ein heißer Sommertag in Berlin und ich als knapp 19jährige löste in meinen letzten großen Sommerferien nach dem Abitur den Haushalt meines Vaters auf. Wenige Tage zuvor war er in die damalige BRD ausgereist.

Ohne mich? Ja.

Ich sehe förmlich, wie Du die Stirn in Falten legst und dich am Kopf kratzt ... ja, die ganze Geschichte ist eine lange und sie ist tricky.

Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich 3 Jahre alt war und seitdem hatte ich meinen Vater nie wiedergesehen. Von meiner Mutter kam unisono „Was willste von dem? Der will dich eh nicht sehen.“ und meine Angst vor Ablehnung war damals als Heranwachsende um ein Vielfaches größer als heute, also habe ich es unterlassen, weitere Nachforschungen anzustellen, auch wenn mich das Thema nie ganz losgelassen hat.

Happy End?

Szenenwechsel.

Mai 1989.

Ich stehe kurz vor dem Abitur und eines nachmittags erwartet mich eine todschicke, toughe Dame, als ich das Schulgebäude verlassen will. Sie stellt sich als Frau meines Vaters vor. Dieser möchte Kontakt mit mir aufnehmen, mich gerne sehen. Konsterniert und misstrauisch war ich, abweisend. Woher sollte ich wissen, dass das wirklich stimmt? Was war mit dem Satz, der mir die letzten Jahre von meiner Mutter in den Kopf gehämmert worden war? Warum kam er nicht selbst, schickte seine Frau vor? Erst im letzten Jahr habe ich erfahren, dass mein Vater von dieser Such- und Überredungsaktion überhaupt erst erfahren hat, als ich seiner Frau gegenüber bereits eingewilligt hatte, ihn treffen zu wollen.

Ich habe mich geziert, meine Angst und das Misstrauen war zu groß, die Frau um so hartnäckiger. Stand etliche Male unangekündigt vor der Wohnungstür meines damaligen Freundes, bei dem ich lebte. Saß ewig auf der Treppe und wartete auf mich, ohne zu wissen, wann und ob ich überhaupt kommen werde. Heute unvorstellbar, in Zeiten ohne Handy, Internet - ja nicht mal ein normales Telefon gab es  -  eine wahre Meisterleistung.

Schließlich willigte ich ein. Und um es kurz zu machen: ja, es war wunderschön, meinen Vater wieder zu sehen, die Herzlichkeit und Wärme von ihm und seiner neuen Familie zu genießen. Zwei jüngere Geschwister gab es auch, es fühlte sich rundum harmonisch an und ich mich gut aufgehoben. Wie eine richtige Familie eben, die ich so bislang nicht wirklich kennen gelernt hatte. Es fühlte sich gut an. Nach ankommen und zu Hause sein.

Im Laufe unserer vielen Gespräche erfuhr ich, dass sie vor Jahren ihre Ausreise aus der ehemaligen DDR beantragt hatten, aber mittlerweile nicht mehr daran glaubten, dass dies je klappen würde. Das sich die Lage nur wenige Monate später komplett ändern würde, konnte zu diesem Zeitpunkt ehrlich gesagt noch niemand von uns Otto Normalbürgern ahnen ...

Ich wusste also, dass da was im Raum stand. Aber kurioserweise hat mich das emotional nicht so beschäftigt, wie man vielleicht glauben würde. Vermutlich habe ich es auch ganz bewusst gar nicht wirklich an mich herangelassen.

Kurze Zeit später änderte sich die Stimmung. Quasi aus dem Nichts heraus hatten mein Vater und seine Frau die Information und den Termin ihrer Ausreise erhalten. Formalitäten mussten erledigt werden, dies und das auch mit mir besprochen werden. Die Stimmung war gedrückt und mit jedem Tag schwerer, je näher der Tag X rückte. Gleichzeitig war kaum Zeit zum Nachdenken geschweige denn sich in Ruhe zu verabschieden. Es drängte auf einmal, 1000 Dinge standen noch an. Es war zu klären, was mit der Wohnung passiert, dem Hausrat und verschiedenen anderen Dingen; natürlich bot ich meine Hilfe an, um wenigstens diese Last zu nehmen und gleichzeitig danke zu sagen für die vergangenen Wochen.Dann waren sie weg.

Kein Happy End.

Als ich das erste Mal allein in der verlassenen Wohnung stand, war das ein schwer zu beschreibendes Gefühl. An ihrem letzten Abend hatten mein Vater und seine Frau mit Freunden noch Abschied gefeiert, alles stand noch da. Überhaupt machte die ganze Wohnung den Anschein von „schnell mal Zigaretten holen gehen“. Gefühlsmäßig war mein Vater noch immer da, aber da half alles nix, faktisch war ich wieder ohne ihn.

Anfangs haben wir gehofft und geglaubt, dass wir den Kontakt werden aufrechterhalten können und faktisch wäre ja sogar ein Wiedersehen nur wenige Monate später möglich gewesen! Doch es kam anders.

Durch Umstände, die bis heute nicht ganz geklärt sind, entwickelte sich in der Folge zwischen meinem nun ausgereisten Vater und mir eine merkwürdig angespannte Stimmung mit Vorwürfen und Unterstellungen. Nicht auszuschließen, dass auch Dritte da ihre Finger im Spiel hatten. Für mich als 19jähriges Küken stellte sich die Lage damals jedoch vermeintlich sonnenklar dar: Meine Mutter hatte wohl Recht gehabt und eigentlich wollte der mich gar nicht und auch jetzt ging es nur darum, dass er mit mir ein paar Dinge klären muss, um endlich in den Westen zu kommen. Für mich stand das auf einmal als glasklar abgekartetes Spiel im Raum und leider war ich nicht (nur) wütend darüber, nein, ich war abgrundtief verletzt und enttäuscht und fühlte mich verraten und verkauft.

Auf in ein neues Leben

Ich hatte niemanden, mit dem ich meine damaligen Befindlichkeiten in der Tiefe hätte teilen können. Zudem standen so viele andere Dinge an: meine Ausbildung zur Zahntechnikerin ging los (ja, es ging nicht gerade in meinem Lebenslauf) und nur wenige Wochen später brach ja ein ganzes Gesellschaftssystem zusammen, indem ich 19 Jahre lang aufgewachsen war.

Also habe ich die kurze Episode mit meinem Vater und das schöne Gefühl, eine Familie zu haben, ganz schnell vergessen und mich darauf konzentriert, mein eigenes Leben zu leben.

Als Jahre später (nach dem Ausflug in die Zahntechnik und einigen anderen Kurvenschlenkern) dann endlich klar war, wohin meine berufliche Reise denn nun wirklich gehen würde, war klar, dass im Zuge dessen viele persönliche Themen im Rahmen der beruflich vorgeschriebenen Selbsterfahrung aufzuarbeiten wären. Viel davon habe ich dort und in den weiteren Jahren meiner beruflichen und persönlichen Entwicklung reflektiert und verdaut, doch die Vatergeschichte blieb im Verborgenen. Nicht, dass ich sie bewusst zurückgehalten hätte, es fiel mir gar nicht ein, darüber zu reden.

Für mich war da einfach alles klar: du bist ausgenutzt worden und warst so blöd, darauf rein zu fallen. Pech gehabt, Manu!

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

Viele Jahre vergingen, ich bin eine erwachsene Frau geworden, habe mein Leben aufgebaut, mein Studium abgeschlossen, beruflich mal hier und mal dort hinein geschnuppert, bin viel gereist, hab 2 Kinder bekommen, mich weitergebildet, ein Haus gekauft, eine Partnerschaft gepflegt, einen handfesten burn out überstanden, Karriere gemacht, mich getrennt, mein Haus verloren, meine Kinder großgezogen, viele Höhen und Tiefen im Leben mitgenommen und mit keiner Silbe mehr an meinen Vater gedacht.

Bis zum 18.08. des letzten Jahres. Meinem Geburtstag.

Wieder ein schöner Sommertag, ich saß mit einer Freundin beim späten Geburtstagsfrühstück, nachdem ich mich vorher schon bei der Kosmetik hatte verwöhnen lassen. Am Abend sollte es in ein spanisches Restaurant gehen, worauf ich mich schon sehr freute und am Morgen danach mit meinem Partner für 2 Wochen nach La Gomera, worauf ich mich natürlich noch viel, viel mehr freute!

Kurz checkte ich meine Mails während meine Freundin für kleine Mädchen war und bin halb vom Stuhl gefallen. Eine Mail von meinem Vater war in meinem Postfach.

Nach 27 Jahren das erste Lebenszeichen.

Willst Du Recht haben oder glücklich sein?

Kurz und knapp, doch herzlich und wieder mit dem Wunsch verbunden, Kontakt mit mir haben zu wollen.

Ich war wie vom Donner gerührt und habe das gleich erst mal innerlich vom Tisch gewischt und mich wieder meiner Geburtstagsgästin zugewendet.

Da der Urlaub auch vor der Tür stand, habe ich mich auch die nächsten Tage zunächst nicht weiter darum gekümmert, doch arbeitete es natürlich im Hintergrund in mir.

Wieder aus dem Urlaub zurück stand seit September dann auf meiner ToDo-Liste „Bei Vater melden“. Ich kann dir nicht sagen, auf wie vielen ToDo-Listen dieser Punkt immer und immer wieder auftauchte. Ich habe es einfach nicht vermocht. In meinem Kopf jedoch sind zeitgleich 100e von Antwortversionen entstanden und viele davon waren nicht fein, das kann ich dir sagen. Nach und nach habe ich mich dem gestellt und je mehr ich innerlich aufmachte, desto mehr Schmerz kam hoch. Es tobte ein Kampf in mir – noch immer. Und das, wo ich es als ausgebildete „Fachkraft“ J ja eigentlich besser wissen müsste. Doch ... Coaches sind auch nur Menschen ... zumal, wenn die persönliche emotionale Verstrickung dieses Ausmaß hat. Ich wollte wieder ran an meinen Vater, aber meine Wut und meine Verletzungen und ja sogar mein Hass auf ihn und das damals Geschehene waren so groß, dass ich nicht im Geringsten eine Ahnung davon hatte, wie das möglich sein sollte. All der verdrängte Schmerz brach mit einer Wucht hoch, wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Es hat mich schier innerlich zerrissen (und das bei laufendem Tagesgeschäft ...)

Trotzdem war bei alldem glasklar, wohin die Reise geht, es war unausweichlich und so eindeutig wie noch nie etwas vorher: ich möchte wieder Kontakt mit meinem Vater.

Lieber Papa ...

Kurz vor Weihnachten war es dann soweit, ich hatte durch die Arbeit mit meinem Coach und vielen Gesprächen mit meinen Freunden endlich den Mut und den Ton gefunden, um meinem Vater zunächst schriftlich gegen über treten zu können. Es war ein langer Brief, ein harter Brief, ein Brief voller Schmerz und trotzdem voller Respekt. Ein Brief, indem ich mich vielleicht so radikal wie noch nie vorher mit meinen Verletzungen gezeigt habe. Ein Brief ohne jedweden Vorwurf, das hatte ich mir geschworen im Wissen darum, dass es zu nichts führen würde. Daran habe ich mich gehalten und es zur beiderseitigen Voraussetzung für einen etwaigen Dialog gemacht. Wissend, dass das für mich die weitaus schwierigere Übung sein würde.

Um mich vor einer erneuten Enttäuschung zu schützen hoffte ich gar nicht erst auf eine Antwort.

Doch die war bereits am nächsten Morgen da: ein virtueller Mix aus Tränen, Freude, Fassungslosigkeit, Angst.

Bald waren wir in einem regen Mailwechsel, indem vieles aufgearbeitet und geklärt werden konnte, vieles erneut hochbrach und viele Emotionen in mir und vermutlich auch ihm auslöste. Immer noch schüttelt es mich manchmal emotional durch und vor unserem ersten Treffen in einigen Wochen bin ich bei aller Freude durchaus ein wenig nervös. Doch habe ich eines nicht nur verstanden, sondern fühle es tatsächlich, was mir vorher nicht bewusst war, nicht bewusst werden durfte: die Trauer um den emotionalen Verlust meines Vaters, die damit verbundenen und verinnerlichten negativen Glaubenssätze, die Selbstzweifel und Blockaden in vielen anderen Bereichen des Lebens können erst jetzt und dadurch wirklich vollständig heilen und die fast 3 Jahrzehnte lang unbewusst und unnütz gebundene Energie endlich anderswo zum Einsatz kommen, wo sie viel dringender gebraucht wird und vor allem viel Schöneres bewirken kann.

Das Leben ist zu schade, um es mit Wut, Trauer, Angst und Hass zu verschwenden

 Und auch wenn mein Beispiel hier nicht unbedingt alltäglich ist, so weiß ich aus 17 Jahren Coachingerfahrung, wie viele Menschen ungeklärte Themen mit sich herumtragen, die ihnen Energie und Lebensfreude abziehen und sich zudem blockierend auf die eigene Gesundheit, auf Kreativität und Leistungsvermögen auswirken.

 Komm Du jetzt in Deine volle Kraft und Energie; sei schlau (-er als ich es lange war) und warte nicht mehr. Jetzt ist es Zeit für Dich, Dein Leben frei, gesund, unabhängig und erfolgreich zu leben. Buche Dir hier deinen gratis Termin für einen persönlichen energy talk mit mir und erfahre

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  • wie Du selbst die intensivsten Erfahrungen radikal akzeptieren lernen kannst

Ich freue mich auf Dich und darauf, dich in deine volle Kraft bringen zu dürfen. 

Herzlichst, Deine Manuela

 

 

 

„Fachlich brillant, aber zwischenmenschlich eine Katastrophe“ oder: warum Du nicht nur dein Auto regelmäßig zum TÜV schicken solltest

Neulich erreichte mich eine Anfrage für ein quasi SOS - Coaching: in einer Abteilung war es laut der Auftraggeberin zwischen einer Führungskraft Frau S. und deren Team eskaliert. Nicht nur deutliche Spannungen und Vertrauensverlust stünden auf der Tagesordnung, sondern die Mitarbeiter drohten reihenweise mit Kündigung, einige seien bereits gegangen. Das sei untragbar. Auf der anderen Seite wisse man, was man an der Führungskraft habe, diese sei fachlich „brillant“! Aber eben zwischenmenschlich sei sie eine Katastrophe ...

Man stehe zwischen allen Stühlen und wisse sich genau genommen keinen Rat mehr.

Ein Coaching zur „Persönlichkeitsentwicklung“ sei wohl das, was nun nur noch helfen könne, wenn überhaupt, meinte mein Auftraggeber, eine große soziale Organisation. Wenn sich dann auch nichts ändern würde, gelte es wohl oder übel Entscheidungen zu treffen. Das (stark fluktuierende) Team oder die Führungskraft. Schwarz oder weiß. Feind oder Freund. Entweder, oder. Ende, aus, basta.

Frau S. selbst hatte dem Coaching wohl oder übel zugestimmt – was blieb ihr auch anderes übrig – glaubte aber selbst nicht daran, dass sie sich ändern könne oder ein Coaching die Situation an sich verbessern könne. So hieß es zumindest.

Naja nun. Als neugieriger Mensch wollte ich mir die Situation zumindest anschauen und mir selbst ein Bild vor Ort machen.

Im Vorgespräch erwartete mich dann (wie oft) entgegen aller Beschreibungen eine warmherzige, humorvolle Frau mit Ecken und Kanten, die deutlich machte, dass sie sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt und auch mal durchgreift, wenn es sein muss. Mit einem riesengroßen Herz für die Sache, einem rasenden Gerechtigkeitssinn und viel Wut auf Mitarbeiter, die ihren Job nicht mit halb so viel Herzblut und Verantwortungsgefühl machen wie es für sie selbstverständlich ist – zumindest in ihrer Wahrnehmung. Eine Frau, die sich aufbäumte und sich fragte, ob sie sich überhaupt verändern will (das war ja der ursprünglich formulierte Auftrag)?! Kurzum, ein Mensch, indem es tobte und der hin und her gerissen war zwischen den vielen widerstreitenden Anforderungen, Erwartungen und Bedürfnissen.

Definitiv war es aber nicht der zwischenmenschliche Totalversager, der mir geschildert worden war ...

Es sprudelte nur so aus ihr heraus und auch Tränen flossen ... so als ob ein lange mit großer Mühe zusammen gehaltener Staudamm bricht. Es wurde deutlich, unter welchem Druck Frau S. stand und wie dieser Druck nach und nach von ihr Besitz ergriffen hatte und sie zu einer harschen, lauten, knappen und pessimistischen Person hatte werden lassen, die weder gut mit sich selbst noch mit den Menschen um sich herum zurechtkam. Kein Wunder und lediglich eine Frage der Zeit, bis eigentlich durch eine Bagatelle die berühmt berüchtigte Hutschnur platzte und verbrannte Erde hinterlassen wurde nach einem schon länger andauernden atmosphärischen Schwelbrand der extremen Anspannung aller Beteiligten.

Nachvollziehbar, dass sich ganz grundsätzlich in einem solchen Zustand weder Führungskräfte noch Mitarbeiter wohl fühlen und die Leistung auf Dauer nicht stimmen kann.

Aus vielen Coachingprozessen weiß ich, dass derartige Situationen oft der nahende Endpunkt einer langen, für alle Beteiligten quälenden Entwicklung sind. Lange, viel zu lange wurde weg geschaut, weg gedrückt, ausgesessen, bagatellisiert, hingenommen und schließlich resigniert. Nicht ohne natürlich im jeweiligen Lager Schuldige auszumachen, denen die Verantwortung für die unliebsame Situation zugeschoben werden kann.

Alle paar Jahre mal eine Weiterbildung und der Glaube ist, dass dann schon alles läuft wie ein gut geölter Motor quasi auch wie von selbst und auf alle Zeit durch alle Unwägbarkeiten des Alltags manövriert. Diese Unwägbarkeiten sind jedoch der Sand im Getriebe, der den besten Motor auf Dauer festfahren lässt. Kontinuierliche Wartung in regelmäßigen Abständen, vorausschauendes Ölen, Schmieren und Pflegen sowie planmäßig TÜV und AU sind für uns selbstverständlich, wenn der Motor auch weiterhin wie geschmiert laufen soll.

Im zwischenmenschlichen Bereich vergessen wir häufig die regelmäßige Wartung unseres Motors und wundern uns dann, dass genau das „Zwischenmenschliche“, das ja der Kitt in allen Beziehungen, seien sie privater oder eben wie hier beruflicher Natur sind, leidet und nicht mehr funktioniert.

Und nicht nur das Zwischenmenschliche leidet: auch die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Einzelnen. Frau S. schlief schon seit längerem schlecht, klagte über diffuse Beschwerden hier und da und litt zudem sehr darunter, nicht zu wissen, wie sie die festgefahrene Situation sowohl beruflich aber auch ganz persönlich für sich selbst lösen sollte.

Es ist also auf Dauer auch Raubbau und bewusst in Kauf genommener Verschleiß von Arbeitskraft, der in Zeiten, in denen der Fachkräftemangel überall händeringend beklagt wird, niemanden kalt lassen und eben nicht zugelassen werden sollte.

Menschen (im Unternehmen) frisch und bei Laune, guter Energie und Arbeitsfreude zu halten kostet zudem weitaus weniger als Ausfallzeiten durch Krankheit, Leistungsverlust durch innere Kündigung oder das Finden neuer, geeigneter Mitarbeiter.

Oft geht es zunächst einmal „nur“ um eigentlich so simple Dinge wie Zuhören, ernst nehmen, bedingungslos akzeptieren, wertschätzen, Mut machen.

Einfach Mensch sein dürfen und als solcher anerkannt und respektiert werden.

Eben kontinuierliche Wartung in regelmäßigen Abständen, vorausschauendes Ölen, Schmieren und Pflegen sowie planmäßig TÜV und AU und der Motor läuft wie geschmiert.

Diese vorausschauende und fürsorgliche Haltung gegenüber uns selbst und anderen einzunehmen und nicht nur gegenüber unseren „Heiligtümern“ steckt vielleicht noch in den Kinderschuhen, wird aber für viele Menschen mehr und mehr selbstverständlich. Auch selbstverständlich, aus Eigeninitiative Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und für die eigene mentale und emotionale Ausgeglichenheit zu sorgen, die heute wie beschrieben in einem komplexen und häufig von Zerreißproben charakterisierten Arbeitsleben so wichtig und gleichermaßen so gefährdet ist.

Für manchen mag es befremdlich klingen, sich selbst um sein Seelenwohl kümmern zu sollen, wo doch andere daran „schuld“ sind, dass dies überhaupt ins Wanken gerät.

Natürlich ist es wichtig, alle Beteiligten zu einem Umdenken zu bewegen. Und es ist schwer, aus alldem die Schuldfrage heraus zu nehmen. Unser Ego bockt da ganz gewaltig! Das Ding ist: selbst wenn die Schuld nun an die vermeintliche richtige Stelle abgegeben wird, gehts uns dann besser? In der Regel nicht. Die Aufgabe bleibt also.

Dazu kommt, dass wie in einer festgefahrenen Partnerschaft nie nur einer „schuld“ ist an der Situation. Beide Parteien bzw. alle Beteiligten tragen ihr Quentchen dazu bei, dass die Situation ist, wie sie ist. Den Blick fürs große Ganze wieder zu gewinnen und auch mal in die Perspektive seines Gegenüber einzusteigen wirkt da oft Wunder.

Frau S. gelang es nach und nach in eine entspannte und sich selbst beruhigende Haltung zu finden und darüber eben auch mit neuem Blick und mehr Verständnis auf ihr Team zu schauen. Eine neue Haltung ist oft der Schlüssel für ein anderes Handeln. Und auch wenn nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist und die Prozesse im Unternehmen unsere Frau S. immer mal wieder zur Weißglut bringen, so kann sie doch insgesamt anders damit umgehen, mehr in ihrer Gelassenheit bleiben und somit anders in ihrem beruflichen und privaten Umfeld agieren. Es ist noch unklar, ob der Arbeitgeber weiterhin die Kosten für ein begleitendes Coaching übernehmen wird, aber Frau S. denkt darüber nach, sich dieses regelmäßig für sich selbst zu gönnen.

Ein Anfang ist gemacht .... 

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Ich freue mich auf Dich und darauf, deine Akkus ein Stück weit aufzuladen zu dürfen.

Herzlichst, Deine Manuela

 

 

Wie es Tobias geschafft hat, keinen burn out zu bekommen und wieder lachen, leben und lieben zu lernen

Ich musste neulich an eine Supervisionssitzung von vor einigen Jahren denken. Dort stellte ich die Arbeit mit einem meiner Klienten vor, die sich anfänglich recht knifflig gestaltete und die mir den Spruch meiner Supervisorin einbrachte „Manuela ist die Frau für die harten Fälle“. Tobias, so soll er hier heißen, war ein attraktiver Mann von Anfang 30, der als selbständiger Vertriebspartner in der Immobilienfinanzierung arbeitete. Er war schon lange in einem sehr zeitlich und emotional sehr fordernden Umfeld tätig, das ihm nicht nur viel Energie abverlangte, sondern diese wahrscheinlich schon von ihm erst unbemerkt überstrapaziert hatte.

Die Fassade bröckelt

Die Lage spitzte sich zu, als er Vater wurde. Seine Arbeitsleistung ließ drastisch nach, er machte viele Fehler, was zu Konflikten mit seinem Auftraggeber führte bis hin zur Androhung des Rausschmisses. Auch wurde ihm schon angeboten, weniger zu arbeiten, dafür aber mit Honorarabzug. Das wollte und konnte Tobias nicht, denn er hatte einen hohen Lebensstandard und viele Verpflichtungen. Zudem wäre das für ihn einer Niederlage gleichgekommen.

Zu Hause gab es auch immer mehr Stress, da er kaum Zeit hatte, sich um seine Familie zu kümmern und zudem die vielen gut gemeinten, aber leider wenig hilfreichen Rat“schläge“ seiner Frau, bezüglich seines Verhaltens gegenüber seinem Chef doch mal bestimmter und als „ganzer Kerl“ aufzutreten, ihn zusätzlich unter Druck setzten. Bei seiner Frau fand er in dieser Zeit nur wenig Rückhalt, da diese anders als er, aber eben auch in einer schwierigen Lebensphase steckte.

Er war sehr unglücklich, so wenig Zeit mit seiner kleinen Tochter verbringen zu können.

Zunehmend wurde Tobias unruhig, unkonzentriert, unaufmerksam, seine Wahrnehmung für seine Kollegen und Kunden ging gegen Null. Zum Teil bekam überhaupt nicht mit, wie verschlossen, gleichgültig und desinteressiert er nach außen wirkte. Seine Kommunikation war auf das Wesentlichste reduziert. Gesundheitlich schlichen sich bis dato unbekannte Symptome ein, er litt unter Magenproblemen und schließlich irgendwann unter Panik-Attacken mit Luftnot und Beklemmungen. In einer dieser Situationen verließ er schlagartig das Büro, um ins Krankenhaus zu fahren. Ließ alles stehen und liegen ohne Rücksicht auf den nächsten Kundentermin. Was ihm im Nachgang seitens seines Chefs blühte, ist leicht vorstellbar.

Müßig zu erwähnen, dass auch die einstige Attraktivität schon lange nicht mehr da war. Im Kundenkontakt leider keine nur kosmetische Sache, sondern eine, mit der unter Umständen steht und fällt, ob ein Abschluss erzielt wird oder nicht.

Alarmstufe rot und Reißleine gezogen

Tobias` Glück im Unglück war, einen Chef zu haben, der zwar einerseits gnadenlos fordert, anderseits seine Mitarbeiter gnadenlos fördert und in Krisensituationen zur Seite steht. Dieser zog schließlich die Reißleine und „verdonnerte“ Tobias zur Zusammenarbeit mit mir, um sich „wieder auf die Reihe zu bekommen“.

Glück im Unglück deswegen, weil Tobias trotzdem er sich kurz vor einem Burnout befand, damals niemals von selbst auf die Idee gekommen wäre, sich in eine Beratung, Coaching oder Therapie zu begeben. Ein Phänomen, über das Du bei Interesse hier mehr lesen kannst.

Die ersten Sitzungen waren sehr emotional, es flossen viele Tränen bei Tobias. Es war, als ob ein Ventil geöffnet wird und Stück für Stück all die vergangenen und gegenwärtigen Lasten abfallen. All die herunter geschluckte Enttäuschung, all der Ärger über berechtigte und unberechtigte Kritik, die ganze Erschöpfung und der Druck der letzten Jahre, das momentane Gefühl der Überforderung und der Ohnmacht, die vielen Erwartungshaltungen von zu Hause und im Job brachen nach und nach aus ihm heraus. Es war, als ob sich ein Staudamm löste und langsam aber beständig dahinter wieder etwas ins Fließen kam. Erst kaum zu spüren, dann immer deutlich wahrnehmbarer. 

Willst Du Recht haben oder glücklich sein?

In der intensiven Zusammenarbeit der nächsten Wochen und Monate lernte Tobias in der Reflexion, andere Perspektiven auf die ihn stressenden Situationen des Alltags einzunehmen und dadurch seinen Fokus zu verändern. Es war für ihn erstaunlich zu bemerken, wie viele seiner akuten Herausforderungen damit zu tun hatten, mit welchem Weltbild er hinausging und welche Glaubenssätze ihn bewusst aber auch unbewusst blockierten. Tobias lernte nach und nach, sich zu entspannen und seinen Fokus bewusster zu halten. Das Gefühl, den ganzen Tag getrieben und gehetzt zu sein konnte sukzessive einem Gefühl von Selbstbestimmung weichen. Es zeigte sich auch, dass es biographische Themen in Tobias Leben gab, die eine therapeutische Begleitung erfordern. Die Trennung der eigenen Eltern in frühen Kindheitsjahren und das jeher schwierige Verhältnis zu seiner Mutter hatten in ihm einige Wunden hinterlassen, die ihn auch heute als erwachsener Mann blockierten und einige „merkwürdige“ Verhaltensweisen in seinem heutigen Leben zur Folge hatten. Durch meine Ermunterung nahm er nach anfänglichem Widerwillen den Kontakt zu einer Kollegin auf und berichtete mir neulich strahlend davon, dass seine Frau dort nun auch hingehen würde. Es ist ihm mittlerweile eine für ihn wohltuende Routine geworden, sich sehr privat und persönlich aber auch beruflich begleiten und unterstützen zu lassen.

Es darf in der Tiefe heilen, wo bislang nur oberflächlich ein Pflaster draufklebte.

Nach und nach hat Tobias zu seiner Kraft zurückgefunden und das einstige Krisen- und Kraftcoaching mit mir hat sich inzwischen in eine Sparringpartnerschaft verwandelt, die er für sich weiterhin nutzen möchte, um sich beständig zu „erden und auf Spur zu bleiben“ (O-Ton Tobias), einen Spiegel für kritische Situationen und eine kontinuierliche Begleitung durch mich als Mentorin an seiner Seite zu haben. Nachdem er sich anfangs überhaupt nicht vorstellen konnte, sich jemanden Professionelles anzuvertrauen, ist es für ihn nun ein Selbstverständnis geworden, sich professionell begleiten zu lassen, um voran zu kommen, über seine von ihm selbst so benannten Angstschwellen zu gehen und zu merken, wo er sich im Kreise dreht.

Endlich angekommen

Der größte Gewinn für ihn ist das Ruhen in sich selbst: „Ich höre meine innere Stimme und bin mehr in meiner Wahrheit als früher.“

Dies ist eine unabdingbare Voraussetzung, um in anspruchsvollen Jobs beständig Leistung bringen zu können. Genauso ist es die Basis schlechthin, um überhaupt gesund und in seinem Wohlbefinden bleiben zu können. Wer seine Grenzen nicht spürt oder sich nicht adäquat abgrenzen kann, wer gar nicht weiß, was er will und was seine eigene innere Wahrheit ist, der wird über kurz oder lang aus der Balance fallen.

Schöner Nebeneffekt: Tobias hat eine adäquate Form und den Mut gefunden, um mit seinem Chef familienfreundlichere Arbeitszeiten auszuhandeln – ohne finanzielle Einbußen.

Mehr Zeit fürs Töchterchen und auch mehr Ruhe und Ausgeglichenheit in der Partnerschaft waren für Tobias noch mal die Bestätigung, dass es sich lohnt, die Dinge anzugehen. Auch wenn man(n) am Anfang vielleicht Schiss davor hat. Auch wenn es zwischendrin wahnsinnig weh tut. Auch wenn es anfänglich wahnsinnig anstrengend sein kann. Auch wenn man(n) vielleicht ab und an hadert und sich fragt, ob das wohl wirklich alles so funktioniert. Ob man vertrauen kann. Ob die Energie wirklich wieder kommt. Ob die Kraft wirklich gehalten werden kann. Ob wirklich alles besser wird.

Es wird.

Vertrauen ist die Maxime.

Und die glasklare Entscheidung, dass es so, wie es war, nicht mehr weitergeht.

Es ist ein Wagnis. Aber ein Lohnenswertes, an dessen Ende eine befreite Persönlichkeit steht, die im Einklang mit sich selbst und ihrem Umfeld ist. Die Lust aufs Leben hat, die lacht und liebt UND ein erfolgreiches Business rockt.

Wenn Du auch wieder lachen, leben und lieben lernen möchtest und Dir einige oder sogar alle Punkte aus Tobias Geschichte aus eigener Erfahrung furchtbar bekannt vorkommen, dann buche dir hier deinen persönlichen Termin für einen gratis energy talk mit mir.

Ich zaubere Dir ein Lächeln ins Gesicht und zeige Dir, wie Du Stress loslässt, wieder durchatmen kannst und neue Energie gewinnst.

Ich freue mich auf Dich und darauf, deine Akkus ein Stück weit aufzuladen zu dürfen.

Herzlichst, Deine Manuela

Wie alles anfing ...

Wie alles anfing ...

Bevor es mit dem Vertrieb los ging, habe ich als Studentin lange Zeit meine Brötchen damit verdient, in der Hauskrankenpflege zu arbeiten. Von früh um 5 an war ich bei Wind und Wetter mit meinem Fahrrad unterwegs, um alte und kranke Menschen in ihrem täglichen Lebensalltag auf unterschiedlichste Art und Weise zu unterstützen, je nachdem wie deren Wünsche und Bedürfnisse waren.

So ging es dann weiter.

Wie geht Vertrauen?

Wie Du mit Dir selbst gut bist und dich emotional intelligent behandelst.  

In diesem Moment, in dem ich hier sitze und diesen Artikel schreibe, bin ich gleichermaßen in Gedanken bei einer lieben Freundin, die heute unters Messer muss. Vor einigen Monaten hat sie erfahren, dass sie einen Magentumor hat. Unklar, ob gut- oder bösartig.

Seitdem ging es ganz ordentlich drunter und drüber.

Der ganz normale Wahnsinn.

Voraus gegangen war eine wahnsinnig stressige Phase in ihrem Leben, in der sich die Ereignisse quasi überschlugen. Die Emotionen fuhren nahezu ohne Pause Achterbahn.

Der Kauf und die Renovierung eines Hauses hatte sie und ihre Familie nahezu an den Rand des finanziellen und vor allem emotionalen Ruins gebracht.

Körperlich und gesundheitlich war sie angeschlagen, sie hatte immer mal wieder diffuse Schmerzen hier und dort, schob diese aber beiseite.

Erholsamer Schlaf war die Ausnahme denn die Regel. Permanente Gedanken daran, wie alles finanziert werden soll und was passiert wenn ... raubten ihr oft die so dringend notwendige Ruhe.

Sie freute sich wahnsinnig darüber, bald Oma zu werden und hatte gleichzeitig viel Angst davor, wie ihre Tochter mit den Herausforderungen klar kommen würde, die das Leben einer berufstätigen Mutter mit einem Baby nun mal mit sich bringt.

Sie sorgte sich sehr um ihre Eltern und die ihres Mannes, die alle nicht mehr die Jüngsten sind und natürlich immer mal das eine oder andere auch durchaus ernst zu nehmende Zipperlein am Start haben.

Die Rangeleien in der Partnerschaft und beruflichen Querelen gaben sich mal wieder die Klinke in die Hand ... 

Und, und, und ...

Und das alles bei laufendem Job und dem ganz „normalen“ Wahnsinn des Alltags ...

Mitfließen oder gegen drücken?

Kaum war sie nach dem Einzug ins Haus ein ganz klein bisschen zur Ruhe gekommen, forderte der Körper sein Recht, indem das Unwohlsein und die Schmerzen immer heftiger wurden und nun kaum mehr weg zu drücken waren. Diagnostik stand also auf dem Programm und damit die Voruntersuchungen, die ihrer eh schon gebeutelten Seele noch mehr zusetzten. An Schlaf war auch jetzt kaum zu denken. Die Angst vor der bevorstehenden Diagnose schabte ihr jeden inneren Schutz von den Knochen und machte sie dünnhäutig. Doch ganz entsprechend ihrer Art war es nicht nur diese Angst, die sie aufzufressen drohte, sondern auch die vielen mürbe machenden Antworten, die wir alle finden, wenn wir ausschließlich nach der Frage „Was ist wenn ...“ leben.

Die Angst und die Angst vor der Angst

Die Zeit bis zur ärztlichen Diagnose betrug „nur“ wenige Tage und dennoch kam sie ihr verständlicherweise natürlich furchtbar lang vor. Auch, da sie nun viel zu viel Raum hatte, um sich selbst die Diagnose permanent schon selbst zu geben und sich mehr zu sagen als zu fragen:

„Was ist, wenn ich Krebs habe?“

Was für eine Frage!!!???

Das ist doch völlig klar!!! Dann bist Du, Deine Gesundheit und Deine Heilung die absolut erste Priorität.

Eigentlich logisch, oder?

Nicht für meine liebe Freundin. Mehr noch als die Angst davor, was mit ihr, ihrem Körper, ihrer Seele geschehen würde, versetzte sie der Gedanke in Panik, wie das Leben ohne sie wohl weiterlaufen würde:

·      Was passiert mit den Schulden, die wir fürs Haus aufgenommen haben?

·      Wie sollen meine Männer alleine klar kommen?

·      Wie soll es meine erwachsene Tochter schaffen, ihr Neugeborenes und den Job unter einen            Hut zu bekommen, wenn ich nicht helfen kann?

Los lassen, akzeptieren, vertrauen

Zusätzlich quälte sie sich mit dem Gedanken, dass die Ärzte sie nicht richtig behandeln würden. Kurzum, in ihr tobte ein wahnsinnig zehrender Kampf gegen alles und jeden. Vor allem gegen sich selbst. Ein Kampf, wie sie ihn schon die Monate zuvor, schon lange, vielleicht schon immer gekämpft hatte. Ein Kampf, der sie erschöpft und ausgezehrt hatte, der sie immer missmutiger hatte werden lassen und der ihren Kontakt zu sich selbst und zu ihren Lieben arg strapaziert hatte.

Willst Du recht haben oder glücklich sein?

Der Kampf war zu ihrer Sprache geworden, die sie perfekt beherrschte. Der Preis dafür war, dass sie die Sprache der Offenheit, des Wohlwollens, der Hingabe an den Moment nahezu verlernt hatte. Sie war gefangen in ihrem Zwang, alles um sie herum Seiende (negativ) zu bewerten, anzuzweifeln und darin gefangen zu sein. Sie wusste nicht mehr, was Akzeptanz heißt, wie sich Wohlwollen anfühlt und wie befreiend Offenheit sein kann.

Wie geht Vertrauen? Heißt das, dass ich alles gut finden muss?“

fragte sie mich.

Zurück zur Essenz: Einfach (nur) sein

Meine Antwort darauf kannst Du dir sicher vorstellen.

Natürlich nicht. Es geht nicht darum, zu allem Ja und Amen zu sagen und auch nicht darum, dass Du mit Allem und Jedem komplett übereinstimmst (wenn Du es nicht willst).

Es geht darum, sich selbst zu erlauben, vertrauen zu dürfen und sich selbst zu glauben, dass dies keinen Verrat der eigenen Werte bedeutet. Vielmehr kann Vertrauen in eine Person oder eine Situation, die früher Widerstand in Dir hervor gerufen hat eine Einladung an Dich sein, Deine Werte und Ansichten zu überprüfen und zu reflektieren, wie Dein Lebensskript Dich auch im Hinblick auf Vertrauen oder eben Misstrauen geprägt hat und was das für Deine Lebensentscheidungen bedeutet.

Vertrauen = Selbst-Ver-trauen + Zu-trauen

Vertrauen hat nichts mit blinder Naivität zu tun. Im Gegenteil ist es eine sehr intelligente Strategie, die Knüppel aus dem Weg zu räumen, die Du dir bislang ständig selbst in den Weg gelegt hast. Nimm die Dinge so, wie sie kommen. Bleib bewusst im Moment, der gerade ist.

Am Beispiel meiner Freundin hieß das, an einigen Stellen radikal umzulernen.

·      Ihren Männern zu Hause eben zuzutrauen, sich selbst zu versorgen und darauf zu vertrauen,          dass sie nicht verhungern.

·      Darauf zu vertrauen, dass die finanziellen Belastungen wie vorab geplant und kalkuliert                   Schritt für Schritt abgebaut werden.

·      Sich auf ihr Enkelkind zu freuen und darauf, wie ihre Tochter mit dem Mutter sein in ihrer                Persönlichkeit wachsen wird.

·      Darauf zu vertrauen, dass die ärztlichen Spezialisten mit erfahrener Hand genau das Richtige          tun.

Darauf zu vertrauen, dass sie gesund sein wird.

Ihre Diagnose fiel übrigens positiv, äh negativ aus: Kein Krebs.

In den Tagen ihrer Rekonvaleszenz erlebte sie viele schöne Dinge, die neu für sie waren, zum Beispiel ein befreiendes Telefonat mit ihrer Chefin, die ihr einfach riet, erst mal nur gesund zu werden. Das hätte es vorher noch nie gegeben ... und sie habe es annehmen können ohne zu zweifeln, zu hinterfragen und zu zer-denken. Einfach, weil es gut getan hat.

Vom Kopf zurück ins Herz. Los lassen. Aufhören zu kämpfen. Geschehen lassen

Sie kommentierte das Geschehen mit einen Satz, den ich so noch nie von ihr gehört hatte:

„Das Leben ist schön.“

Los lassen, zuhören, beobachten statt bewerten usw. waren Strategien, die sie für sich schon sehr lange nicht mehr angewendet hatte. Etwas anzunehmen, das „einfach nur gut tut“ und sich richtig anfühlt. Zu vertrauen.

Vertrauen heißt, achtsam zu sein

Heute nun wird das gutartige Geschwür aus ihrem Körper entfernt. Natürlich hatte sie Angst vor den Schmerzen. Gerade weil es ihr in den letzten Wochen körperlich so gut wie lange nicht gegangen war. Und doch denke ich, dass sie an einigen Stellen anders, achtsamer mit sich umgegangen ist als dies noch vor einigen Wochen der Fall war.

Sie hat begonnen, den Weg des Vertrauens zu gehen. Und ist dadurch woanders bei sich selbst angekommen. Hat wieder mehr Offenheit, mehr Selbstfürsorge, mehr Akzeptanz erlangt und dadurch auch einen Weg gefunden, wieder ganz anders mit ihrem Umfeld zu kommunizieren und ihre Beziehungen zu verbessern.

Und das ist der Grund, warum ich Dir hier davon berichtet habe. Auch wenn es ein Thema ist, das mit dem „Business“ so gar nichts zu tun hat.

Auf den ersten Blick.

Denn egal, was wir beruflich tun – letzten Endes bewegen uns doch immer auch ähnliche Fragen und Ängste, sitzen wir in ähnlichen Gedankenkarussellen.

Darüber hinaus ist Vertrauen sicher noch viel mehr grundsätzliche Haltung und Lebenseinstellung als bloße Technik und von daher universell von Bedeutung. Auch im Joballtag.

Berichte mir: wo ahnst Du, das Vertrauen Dir gut tun würde und was hält dich bislang davon ab, es einfach zu tun?

Schreibe mir hier.  

 

Wann beginnst Du, dich ernst zu nehmen? Die Geschichte vom Rotköppchen.

Die Story

Beratern und Verkäufern, Coaches und Trainern sagt man ja oft nach, dass sie mit der Gabe geboren seien, alles in Grund und Boden zu quasseln, wenn es denn sein muss. Dazu will ich Dir eine Geschichte erzählen.

... und die Geschichte dahinter

Als ich klein war, war ich ein typisches 70er Jahre Kind, etwas moppelig, ansonsten unauffällig und unscheinbar. Gesagt habe ich wohl nicht viel und wenn nur das Nötigste. Sicher lag das zum einen daran, dass es bei uns zu Hause nicht wirklich üblich war, viel zu erzählen. Und wenn ich genau darüber nachdenke, hatten meine Eltern sowohl sich selbst als auch uns Kindern nicht viel zu erzählen.

Kleine Grausamkeiten und deren nachhaltige Auswirkungen

Kurzum, das Reden vor anderen und überhaupt das (vermeintlich) im Mittelpunkt stehen gehörte wie vieles andere auch nicht gerade zu meinen Stärken. Eine grauenhafte Vorstellung, wenn ich an meinen damaligen Musikunterricht denke, in dem es sich unser leider an Krebs verstorbener Herr R. - Gott hab ihn selig - zur Folteraufgabe gemacht hatte, uns zu dritt vorne antreten zu lassen, damit jede(r) dann eine Strophe zum Besten gäbe. Kein Vorsingen, kein Vortrag, keine mündliche Leistungskontrolle ohne flammend rote Birne, die dann selbstredend noch von lautem Gelächter und liebevoll analytischen Fragen a la "Mensch, warum wirste denn rot???" angeheizt wurde.

Ich habe es gehasst und natürlich vermieden, mehr als notwendig in derartige Situationen zu geraten. Spannenderweise hat mich das jedoch nicht davon abgehalten, derartige Situationen (Abitur, Lehrstelle suchen etc. - Momente, in denen ich scheinbar gespürt habe, dass dies eine Chance ist, die so nicht mehr oder zumindest nicht so schnell wiederkommt) beim Schopfe zu greifen. Aber dazu später.

Eine Katastrophe jagt die nächste 

Viele Jahre später, ich war inzwischen stolze Erstsemester - Studentin an der FU Berlin, bahnte sich das nächste Fiasko an, ohne das ich im Vorfeld großartig daran gedacht hätte. Ein sorgfältig vorbereitetes Referat geriet zur Lachnummer, da ich vor dem studentischen Publikum absolut versagte. Ich bekam kein Wort raus und da war sie dann auch wieder, die vor Scham und Peinlichkeit knallrote Birne. Eine Odyssee aus Versagensängsten und (selbstgewählten) Maßnahmen um diese im Keime zu ersticken, folgten. Der Besuch in der psychosozialen Beratung an der Uni und etliche Stunden Verhaltenstherapie bei einer von meinen Kleinmädchenängsten gelangweilten, tendenziell sadistischen Therapeutin. Durchhalten war ja die Devise und aufgeben kam nicht in Frage ... wenngleich mir sehr oft danach war, das kannst Du mir glauben.

Lob der Intuition 

Wiederum 1 Jahr später, es muss kurz nach meinem Sommerurlaub gewesen sein, traf ich eine Entscheidung, deren Folgen ich erst viel später abschätzen konnte und deren Ursachen mir ehrlich gesagt bis heute nicht ganz klar sind.

Kennst Du das, dass Du dich manchmal darüber wunderst, mit welcher schlafwandlerischer Sicherheit etwas in Dir einen Impuls gibt, den Dein Verstand nie und nimmer zugelassen hätte. Dich quasi öffnet, Dich kurz Deine Grenzen vergessen lässt, die Dir von Dir selbst und anderen gesetzt wurden und dich zumindest für einen Moment ganz „open minded“ sein lässt.

So als ob eine Instanz in Dir dich führt und für Dich entscheidet und Du von außen erstaunt zuschaust, aber durchaus zufrieden bist mit dieser Entscheidung.

Ich war zunächst sehr zufrieden mit der Entscheidung, von nun an meine studentischen Brötchen mit einem Job im Warmen zu verdienen, mit Blick auf den Fernsehturm, ein schickes Headset auf den Ohren, umgeben von modernster Technik. Ja, ich habe den Call Center Boom der 1990er Jahre mitgenommen!

Jippie - kein Problem mehr mit roter Birne!

Überraschend schnell verlor ich meine Angst vor dem Kunden und vor dem Sprechen, konnte der mich doch nicht sehen und war meistens im Wesentlichen vorprogrammiert, wie die Gespräche laufen würde. Kein Problem mehr mit roter Birne! Im Gegenteil, manches Mal lief ich zu Höchstform auf und versetzte meine Mitstreiter in Staunen und so kam es auch nicht von ungefähr, dass ich bald für das Coachen und Trainieren meiner Kollegen zuständig war und auch ihnen die Tricks und Kniffe einer gelungenen Gesprächsführung nahebrachte.

Dies nun wiederum nicht ausschließlich in einer kuscheligen face to face Situation, sondern durchaus in größerem Rahmen. Und so kam es also, dass ich eines Tages inmitten einer 12-köpfigen Truppe gewissermaßen "erwachte", die hellwach auf ihren Stühlen saßen und mich gespannt ansahen.

Ob Du es glaubst oder nicht, ich habe in diesem Augenblick zum 1. Mal realisiert, dass hier das kleine farblose pummelige Mädchen mit Hang zur roten Birne sich die volle Breitseite gibt.

Da stand ich nun und lieferte mich aus - freiwillig! Das musst Du dir mal vorstellen!

Interessanterweise habe ich in diesem Moment des Erwachens keinen Schock bekommen und auch die Birne brannte ausnahmsweise nicht rot.

Durch die Angst gehen und Frieden finden

Im Gegenteil erlebte ich innerlich einen sehr friedlichen und andächtigen Moment, in dem mir klar wurde, dass ich es aus mir heraus es geschafft hatte, eine meine größten Ängste in einen Motor, einen Antrieb zu verwandeln, der mir neue Türen öffnete, an die zu klopfen ich einige Jahre zuvor nicht mal im Traum dran gedacht hätte. Und nein, da war nix von langer Hand geplant und eingetütet, auch wenn ich gewollt hätte, wäre das nicht gegangen. Denn mein liebevoll begrenzter Verstand mit meinem größten Wächter, der Angst, hätte mich ja immer weiter beschützen wollen vor derartigen Erfahrungen und es vermieden, mich je in eine solche Situation zu schicken, in der ich mich quasi ohnmächtig ausliefern musste. Doch glücklicherweise gab es noch etwas in mir, das stärker als meine Angst war und weiter als meine Grenzen. Etwas, das sich nach Unabhängigkeit und Freiheit sehnte. Mein intuitives Wissen darüber, dass ich viel mehr bin als nur das "Rotköppchen" und dass ich all dies leben will.

Wie es dann weiter ging mit dem ehemaligen Rotköppchen, erzähle ich Dir in einem anderen Artikel.

Zunächst aber frage ich Dich:

Wann beginnst Du, dich ernst zu nehmen?

Wann beginnst Du, das Leben zu leben, nach dem Du dich sehnst?

Melde Dich bei mir und ich zeige Dir, was Du gewinnst, wenn Du es wagst.